Moto-2

Sturz, Blues und Harmonie bei Tom Lüthi – hat er den Titel vergeben?

Tom Lüthi am Boden anstatt auf WM-Kurs – das lässt Fragen aufkommen.

Mit dem Sturz in Tschechien hat Tom Lüthi wichtige Punkte im Kampf um den Weltmeistertitel verloren. Woran liegt es, dass der Schweizer in den letzten beiden Rennen nicht mehr ganz vorne mitgefahren ist?

Nach dem Sturz beim GP von Tschechien sind die Titelchancen für Tom Lüthi nur noch theoretischer Natur. Die Stimmung in der Box ist bluesig. So wie wenn die Roadies nach einem verregneten Open Air die Musikanlage abbauen. Mit dem Zusammenpacken kann früh begonnen werden. Bereits in der 4. Runde rutscht Tom Lüthi ins Kiesbett. Jeder weiss, was er zu tun hat.

Hektik kommt nur kurz auf, als der «Besenwagen» die zerbeulte Höllenmaschine zurückbringt. Die Verschalung sieht aus, als hätte sie eine Kuh im Maul gehabt. Tom Lüthi (32) hat sich längst aus dem Leder-Kampfanzug geschält und gibt frisch gebürstet und gekämmt Auskunft.

Es geht um seine schwerste Niederlage. Zumindest statistisch und wenn wir das missglückte MotoGP-Abenteuer der letzten Saison ausklammern. Nach Assen war er mit acht Punkten Vorsprung auf Alex Marquez (23) WM-Leader. Nun, zwei Rennen später, hat er 33 Punkte Rückstand auf den Spanier.

Tom Lüthi räumt ein, dass er die letzten zwei Rennen auch im Training verloren hat. Zweimal musste er hinten in der vierten Reihe losfahren. Alex Marquez hatte beide Male die beste Startposition. Seit der Einführung neuer Reifen (seit dem GP von Jerez) sei die technische Abstimmung aus der Balance geraten. «Das soll keine Ausrede sein. Die anderen mussten ja damit auch fertig werden. Fakt ist, dass wir dieses Problem noch nicht im Griff haben.»

Die Bremsen wollen nicht so wie Lüthi

Konkret gehe es um die Bremse. «Die Ausgeglichenheit ist so gross, dass es nur auf der Bremse möglich ist zu überholen. Auf der Bremse bin ich eigentlich stark. Aber hier habe ich sofort gespürt, dass es nicht funktioniert. Selbst eine bessere Startposition hätte nicht geholfen. Ich konnte nicht um den Sieg mitfahren.»

Die Abstimmung obliegt dem Fahrer in Zusammenarbeit mit dem Cheftechniker. Ist es ein Problem, dass Cheftechniker Michael Thier keine Erfahrung hat? Den Pulverdampf an der Rennfront atmet er diese Saison zum ersten Mal ein. Tom Lüthi sagt, was er sagen muss. «Nein, das ist nicht das Problem.»

Das Motto ist also klar: nur nicht den Kopf verlieren. Thier wird auch nächste Saison Cheftechniker sein. Keiner ist zornig. Keine Boxentüre wird zugeknallt. Professionelle, harmonische Enttäuschung. Freundliche Verlierer. Kann man so Weltmeister werden?

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