LandRover
Hemdsärmlig – und doch mit Charme

Bislang war der Discovery von Land Rover klar unter den Topmodellen von Range Rover positioniert. Stimmt dies auch tatsächlich?

Markus Chalilow
Drucken
Land Rover Discovery

Land Rover Discovery

HO

Bereits in der vierten Generation baut Land Rover den Discovery. Seinen Einstand gab er 1989 am Salon in Frankfurt, die vierte Generation ist seit 2009 am Start. Nun wurde der Offroader mit modernster Motoren- und Sicherheitstechnik aufgerüstet. Im Test stand der Discovery mit einem drei Liter grossen Sechszylinder-Dieselmotor. Dieses Aggregat leistet satte 256 PS und bietet ein maximales Drehmoment von 600 Nm ab 2000 Umdrehungen. Gekoppelt ist der Motor an ein Automatikgetriebe mit acht Gängen. Diese Motor/Getriebe-Kombination gibt es auch bei den edlen Brüdern von Range Rover, dort sind es allerdings ein paar Pferdestärken mehr.

Beim Discovery von kompakten Abmessungen zu reden, wäre vermessen. Mit einer Breite von 205 cm ist der Land Rover immerhin 2 cm schlanker als ein Range Rover Sport. Damit ist klar: Enge Parkfelder mag der Land Rover gar nicht, da hilft auch das aufwendige 360°-Kamerasystem nicht. Ist der Platz zu schmal, ist er zu schmal. Ansonsten helfen die Kameras dem Fahrer aber wirklich gut, das 483 cm lange Fahrzeug zu manövrieren. An Bord sieht es aus wie in einem Range Rover der letzten Generation. Zwar gibt es einige Hartplastikteile, das ganze Interieur wirkt aber dennoch edel und vor allem praktisch. Grosse Tasten, Schalter und Drehknöpfe, gute Ergonomie und dank Luftfederung mit Höhenverstellung nahezu grenzenlose Offroadfähigkeit zeichnen den Discovery 4 aus. Dies auch wegen der manuell vorwählbaren Offroadprogramme – der Landy denkt, der Fahrer lenkt.

Natürlich hat so viel Luxus auch seinen Preis. Nicht nur beim Händler, der will mindestens 69’400 Franken für einen Disco 4 mit dem 256-PS-Diesel, sondern auch an der Tankstelle. 2570 Kilogramm wiegt das Auto, mächtig viel Gewicht: kein Wunder, dass der Brite kein Sparwunder ist. Im Test flossen im Schnitt 9,5 Liter Diesel durch die sechs Einspritzdüsen. In Anbetracht der aerodynamisch suboptimalen Formgebung und des Gewichts ist das akzeptabel. Und man kann mit dem Discovery 4 bis zu 3500 kg an den Anhängerhaken nehmen. Auch in dieser Fahrzeugklasse ist dies keineswegs Standard und dürfte den Land Rover insbesondere bei Reitern, Motorsportlern oder Seglern beliebt machen. Im Normalbetrieb ist der Land Rover natürlich kein Sportwagen. Die Seitenneigung der Karosse in Kurven ist nicht ohne, die 600 Nm haben mit der Fahrzeugmasse genug zu tun. Aber irgendwie sitzt man in einer Burg, hat nie das Gefühl, jetzt unbedingt noch schneller fahren zu müssen; der Discovery 4 erzieht den Fahrer zu einer lockeren Gangart. Nein, man ist nicht langsam unterwegs im Landy, aber irgendwie – cool. Dazu kommt, dass man ganz her vorragende Soundsysteme ordern kann , die den Wagen zu einer rollenden Disco machen. Der Discovery 4 kann eigentlich alles, was die deutlich teureren Range-Rover-Modelle auch können, ist wegen seiner rustikaleren Art aber irgendwie – sympathischer?

Aktuelle Nachrichten