Streng genommen ist dieses kleine Gefährt nicht einmal ein Auto. Bei der Zulassung wird der eRod von Kyburz in einen Topf mit Quads und anderen vierrädrigen Kleinfahrzeugen geworfen. Dennoch will der eRod ein echter Sportwagen sein, der voll und ganz auf maximalen Fahrspass abzielt.
Ein völlig neues Konzept für Kyburz, den Hersteller aus dem Zürcher Tösstal. Bekannt ist das idyllisch in den Gemäuern einer ehemaligen Spinnerei beheimatete Unternehmen vor allem für kleine, dreirädrige Elektroroller, die uns im Einsatz der Post täglich begegnen und für die drei- oder vierrädrigen E-Mobile, die beispielsweise älteren Menschen ihre Mobilität ermöglichen. Damit hat sich die Firma Kyburz ein
sicheres Standbein geschaffen; es scheint, als könne man sich mit dem eRod nun auch mal einen Spass erlauben. Einen Spass, der aber durch und durch ernsthaft angegangen wurde. Der kleine Elektro-Sportwagen basiert auf einem eigens konstruierten Gitterrohrrahmen, der für höchste Stabilität bei tiefem Gewicht sorgt. Die Batterie ist für eine optimale Gewichtsverteilung im Mitteltunnel untergebracht, der Antrieb sitzt im Heck.
Trotz der Batterie mit einer Kapazität von 17,3 kWh kommt der kleine Zweiplätzer so auf ein Leergewicht von lediglich 600 kg. Die getestete Version mit Windschutzscheibe und Dach, beides kann nachträglich installiert oder entfernt werden, wiegt nur 25 Kilo mehr. Bei derart wenig Masse braucht es vergleichsweise wenig Leistung, um sportlichen Fahrspass zu erleben. Der eRod bringt es auf gut 60 PS und ein maximales Drehmoment von 140 Nm schon ab der ersten Umdrehung.
Wer es nicht erlebt hat, wird kaum glauben, wie viel Spass 60 PS machen können. Auch, weil man eben trotz satter Beschleunigung immer im legalen Bereich bleibt. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 120 km/h, auf Landstrassen müsste man die 80 km/h schon mutwillig überschreiten wollen; man kann den elektrischen Vortrieb also durchaus geniessen. Zumal der eigentliche Spass im kleinen Roadster ohnehin erst da anfängt, wo die Gerade zu Ende geht: in möglichst engen Kurven.

Gokart für die Strasse
Abgesehen vom elektrischen Antrieb ist der eRod so pur und simpel, wie man es heutzutage nur noch sehr selten findet: keine Servounterstützung für Lenkung und Bremsen, kein ABS, keine Traktionskontrolle. Eine reine Fahrmaschine; nur Gänge gibt es keine zu schalten. Mit einem kleinen Kippschalter wählt man lediglich die Fahrtrichtung. Trotz fehlender elektronischer Helfer ist der kleine Flitzer spielerisch leicht zu beherrschen. Die Lenkung möchte zwar bei tiefen Geschwindigkeiten noch beherzt angepackt werden, wird aber bei flotter Fahrt angenehm leicht. Sein unvermittelt anliegendes Drehmoment bringt der Kleine trotz zierlichen 195er-Reifen im 15-Zoll-Format sicher auf die Strasse. Was das Fahren aber wirklich leicht macht, ist die enorm gute, ungefilterte Rückmeldung. Als Fahrer spürt man schlichtweg alles, was an den freistehenden Rädern vor sich geht. Das heisst aber nicht, dass der eRod ein bretthartes, unnachgiebiges Fahrwerk bekommen hätte. Bei tiefen Geschwindigkeiten zeigen sich die Dämpfer und Federn zwar noch etwas stur, doch sobald man in Bewegung ist, spürt man, dass der kleine Roadster durchaus sauber federt und verhältnismässig geschmeidig abrollt. So flitzt man einzigartig flink durch enge Kurvenpassagen – und fühlt sich im eRod ein bisschen wie in einem Mario-Kart-Computerspiel; nicht zuletzt auch, weil andere Autos und vor allem Lastwagen plötzlich riesengross wirken. Damit zeigt der elektrische Roadster, dass auch mit E-Antrieb jede Menge sportlicher Fahrspass möglich ist. Nicht nur, weil das Antriebskonzept eine perfekte Gewichtsverteilung erlaubt und mit viel Drehmoment aufwartet, sondern auch, weil der eRod auch mit seinem Klang für Freude sorgt. Von aussen ist zwar fast nichts zu hören, die Insassen vernehmen aber ein deutliches Sirren von Motor und Getriebe, das die Fahrt passend untermalt. Und das ist gut so, denn schliesslich ist der Klang ein entscheidender Faktor, wenn es um den Spass in einem sportlichen Auto geht.


Spass pro Franken
Die kleinen Reifen, drastisch reduzierte Verkehrs- und Versicherungsabgaben und nur ein paar Rappen für eine volle Ladung, die für rund 130 Kilometer Fahrspass reicht: Die Unterhaltskosten für den Kyburz eRod sind durchaus bescheiden. Zu kaufen gibt es die «Fun»-Version ohne Dach und Scheibe schon ab 27 000 Franken – dann allerdings als Bausatz; mit einem Seminar, das beim Aufbau hilft, sind es 29 500 Franken, komplett montiert kostet der Spass 36 000 Franken.