Polestar
Es geht auch mit vier

Volvo S- und V60 Polestar kommen zum neuen Modelljahr mit vier statt sechs Zylindern.

Philipp Aeberli
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Volvo V60 Polestar

Volvo V60 Polestar

Werk

«Race on sunday, sell on monday.» Dieser alten Weisheit hat sich nun auch Volvo angenommen. Rennerfolge steigern das Image und bringen Verkäufe. Deshalb haben die Schweden die Motorsportschmiede Polestar nun zum offiziellen Haustuner geadelt. Vergangenes Wochenende fuhr der S60 in der Tourenwagen-WM WTCC die ersten Punkte ein. Auf der Strasse machten Limousine und Kombi schon 2014 den ersten Schritt. Als Polestar kamen S- und V60 auf 350 PS und überzeugten vor allem mit sattem Klang dank sechs Zylindern. Zum neuen Modelljahr und mit dem Beginn der Motorsportsaison muss sich aber nun auch der Haustuner den Regeln des Mutterkonzerns beugen: Mehr als vier Zylinder sind bei Volvo tabu. Die Polestar-Modelle bekamen einen sparsameren 2-Liter-Vierzylinder spendiert. «Wir wollten nicht nur den Verbrauch reduzieren. Wir wollten auch die Fahrleistungen verbessern», sagt der Schwede.

Keine leichte Aufgabe. Schliesslich will Polestar nun in einer Liga mit M, AMG und RS spielen – dort sorgen aber sechs oder gar acht Zylinder für bis zu mehr als 500 PS. Man musste also erheblichen Aufwand betreiben, um den Vierzylinder auf ein adäquates Leistungsniveau zu bringen. Als Basis dient der aus dem XC90 bekannte Motor. Dort leistet er dank Kompressor und Turboaufladung 320 PS.

Mehr Leistung, weniger Sprit

An diesem Konzept ändert Polestar nichts. Jedoch gab es einen grösseren Turbolader, ein optimiertes Ansaugsystem, neue Pleuel und viele weitere Detailveränderungen, um die Leistung auf 367 PS und 470 Nm anzuheben. Damit übertrumpft der Vierzylinder den Sechsender um 17 PS. Den Sprint auf 100 km/h erledigt die Limousine dank Allradantrieb und neuer 8-Gang-Automatik in 4,7, der Kombi in 4,8 Sekunden. Der Verbrauch liegt bei 7,8 l/100 km für die Limousine, 8,1 l/100 km für den Kombi. Auf der ersten Testfahrt überzeugte der Schwede vor allem mit seiner Leistungsentfaltung. Schon ab 2000 Umdrehungen zieht der Motor kraftvoll an und lässt bis zur Drehzahlgrenze nicht nach. Das Zusammenspiel zwischen dem Kompressor, der bei tiefen Drehzahlen schon für Ladedruck sorgt, und dem Turbolader, der bei höheren Drehzahlen übernimmt, funktioniert hervorragend.

Volvo S60 und V60 Polestar
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Volvo S60 und V60 Polestar
Volvo S60 Polestar
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Volvo V60 Polestar
Volvo S60Polestar
Volvo S60Polestar
Volvo S60 und V60 Polestar
Volvo S60 und V60 Polestar
20-Zoll-Felgen sind Serienmässig.
Das Interieur wird mit Ziernähten und Alcantara aufgewertet.
Das Interieur wird mit Ziernähten und Alcantara aufgewertet.
Alu-Pedalerie ab Werk.
Dezenter Hinweis auf dem Wählhelbel.
Ansonsten herrscht bekannte Volvo-Atmosphäre.
Schaltwippen für manuelles Schalten.
Dmostrebe aus Karbon für mehr Stabilität.
Die 6-Kolben-Bremsanlage stammt von Brembo...
...die verstellbaren Dämpfer vom schwedischen Spezialisten Öhlins.
Der 2-Liter-Motor leistet 367 PS.
Sportabgasanlage mit Klappensteuerung.
Der Motor wird per Kompressor und Turbolader unter Druck gesetzt.

Volvo S60 und V60 Polestar

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Dank des kleineren Motors spart Volvo rund 20 kg an Gewicht. Das meiste davon direkt auf der Vorderachse. Zusammen mit dem überarbeiteten Allradantrieb und der neuen, elektromechanischen Lenkung macht dies den Alltagssportler agiler. Er lenkt direkt und präzise ein, erlaubt hohe Kurvengeschwindigkeiten, bleibt dabei aber immer sehr sicher und leicht beherrschbar. Weiterhin setzt Polestar auf manuell einstellbare Fahrwerksdämpfer. Man kann sich den Sportler also nach seinen eigenen Wünschen abstimmen. Für mehr Stabilität sorgt nun eine Domstrebe aus Karbon an der Vorderachse.

Volvo S60 Polestar TC1 WTCC 2016 Die Rennversion des S60 für die WTCC.

Volvo S60 Polestar TC1 WTCC 2016 Die Rennversion des S60 für die WTCC.

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Der Vorgänger machte vor allem mit seiner imposanten Geräuschkulisse auf sich aufmerksam: Der Sechszylinder durfte durch die Klappen-Abgasanlage sehr frei ausatmen und sorgte so für viel Emotionen. Weiterhin wird beim Polestar der Sound über Klappen im Auspuff reguliert. Sind sie geschlossen, fällt der Sound im Alltag kaum auf. Bei geöffneter Klappe klingt der Vierzylinder standesgemäss sportlich – zumindest aussen. Im Cockpit wirkt der Klang etwas gedämpft, zumindest im Vergleich zum Vorgänger. Weiter schlimm ist das allerdings nicht. Die Polestar-Modelle sollen schliesslich keine wilden Schreihälse sein. «Das Auto soll immer Fahrspass vermitteln. 365 Tage im Jahr, bei jedem Wetter und auf jeder Strasse», meint Fries. Ein gelegentlicher Ausflug auf die Rennstrecke soll der Polestar also genauso wegstecken, wie die Einkaufstour am Wochenende und die Fahrt in den Urlaub – und das überall auf der Welt. Der Vorgänger wurde noch streng limitiert verkauft. Die Schweiz war eines von nur 13 Ländern, die den sportlichen Schweden in begrenzter Stückzahl verkaufte. Nun, da Polestar eine offizielle Volvo-Tochter ist, konnte die Produktionskapazität von 750 auf bis zu 1500 Stück gesteigert werden. Zudem werden die Sportmodelle in nun 87 Märkten angeboten. Die Preise starten in der Schweiz bei 85 100 Franken (Kombi: 87 000 Franken) dann allerdings mit kompletter Ausstattung. Das Rennen ist definitiv gestartet.