Extravaganz ist beliebt

SUV-Coupés sind zwar weiterhin ein Nischenprodukt, werden aber immer zahlreicher und mit dem Renault Arkana auch erschwinglicher.

Philipp Aeberli
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Renault Arkana.

Renault Arkana.

Bild: zVg

An den Erfolg von SUV-Coupés hat bei der Lancierung des ersten BMW X6 2008 noch fast niemand so richtig geglaubt. Doch inzwischen sieht man sie auf unseren Strassen fast schon regelmässig – und einige Hersteller haben solche Modelle im Angebot, allerdings meist nur im höheren Preissegment. Doch wie so oft im Autouniversum rutschen technische Innovationen oder erfolgreiche Ideen nach und nach auch in tiefere Preisregionen.

Mit dem nun erhältlichen Arkana hat auch Renault erstmals ein SUV mit Coupé-Heck im Angebot – und das ab vergleichsweise vernünftigen 31800 Franken. Wenn es ums Design geht, braucht sich der Franzose aber keinesfalls zu verstecken. An der Front nimmt er die typische Renault-SUV-Optik auf, was sich vor allem an den C-förmigen Tagfahrleuchten zeigt. Am auffälligsten ist aber natürlich das Heck mit abfallender Dachlinie, welches den Arkana zum Unikum in der Renault-Welt macht. Trotzdem bleibt das Platzangebot im Kofferraum gut; natürlich mangelt es vor allem im hinteren Bereich an Höhe, doch stehen immerhin bis zu 513 Liter Ladevolumen und eine angenehm tiefe Ladekante zur Verfügung. Gerade wenn man bedenkt, dass die Kundschaft bei einem SUV-Coupé ohnehin nicht auf maximales Ladevolumen angewiesen ist, ist das für die meisten Alltagssituationen absolut ausreichend.

Renault Arkana.

Renault Arkana.

Bild: zVg

Deutlich spürbar ist die flache Dachlinie naturgemäss auf der Rückbank; doch finden Personen bis ca. 1,90 Meter weiterhin genügend Kopffreiheit. Mit einer Länge von 4,56 Metern ist der Neuling gut 8 Zentimeter kürzer als beispielsweise ein Renault Mégane Grandtour; das zeigt sich auf der Rückbank durch etwas eingeschränkte Kniefreiheit. Wer regelmässig zu viert und mit viel Gepäck unterwegs ist, wird mit einem Kombi also weiterhin besser bedient sein. Doch gerade bei einem SUV-Coupé gilt nun mal: Kaufgrund Nummer eins ist das Design.

Keine Einbussen muss man auf den vorderen Sitzplätzen in Kauf nehmen. Hier wird der Arkana mit der bekannten Renault-Plattformtechnik ausgestattet. Ein grosser Touchscreen im Hochformat steuert alle wichtigen Funktionen, für den Fahrer gibt es zudem eine digitale Tachoeinheit. Die Grafik wirkt auf den Displays nicht hochmodern, aber auf jeden Fall übersichtlich. Die Bedienung gestaltet sich grundsätzlich problemlos; nur für detaillierte Einstellungen muss man sich in den Untermenüs gut auskennen.

Angetrieben wird das neue Renault-Modell ausschliesslich von 4-Zylinder-Motoren. Den Einstieg bildet ein 1,3-Liter-Turbo mit 130 PS und 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe. Das ist auch bei der stärkeren 1,6-Liter-Version mit 160 PS serienmässig verbaut. Den Verbrauch gibt Renault bei den reinen Benzinern mit mindestens 5,8 l/ 100 km an. Das entspricht einen CO2-Ausstoss von 132 Gramm pro Kilometer. Näher an den geforderten 95 Gramm pro Kilometer, welche die Hersteller im Flottendurchschnitt erreichen müssen, ist die dritte Motorvariante: Der «E-Tech»-Hybrid kommt auf 101 Gramm, was einem Verbrauch von 4,8 l/ 100 km entspricht.

In der Stadt zu Hause

Herzstück des Systems ist ein 1,6-Liter Benzin-Saugmotor mit 69 kW (94 PS). Ergänzt wird er durch einen kleinen Speicherakku im Heck, wodurch sich der Kofferraum auf 480 Liter reduziert. Der Akku hat eine Speicherkapazität von 1,2 kWh und lädt sich durch Rückgewinnung von Bremsenergie. Diese treibt schliesslich eine E-Maschine mit 36 kW und einen Startergenerator, der zusätzliche 12 kW beisteuern kann, an. Verwaltet wird das Zusammenspiel der Motoren über ein einzigartiges Klauengetriebe, das ohne eine Kupplung auskommt; das reduziert Verschleiss und Gewicht. Bei der ersten Testfahrt zeigt sich das System vor allem im Stadtverkehr von seiner besten Seite. Beim Ausrollen und Bremsen wird der Akku geladen und der Benzinmotor ausgeschaltet, sodass auch das Anfahren meist ohne den Benziner gelingt. So ist der Verbrennungsmotor oft arbeitslos und muss nur bei konstanter Fahrt arbeiten, bei der er kaum hör- und spürbar ist. Damit ist man in der Stadt sehr komfortabel und leise unterwegs– und wähnt sich in einer Zwischenwelt zwischen E-Antrieb und Benzinmotor.

Renault Arkana.

Renault Arkana.

Bild: zVg

Auf hügeligen Überlandstrecken muss dann meist der Benziner für Vortrieb sorgen. Gerade an Steigungen hat das Getriebe manchmal Mühe, aus den zahlreichen Übersetzungsmöglichkeiten die richtige zu finden, wodurch der Motor laut und etwas rau wirkt. Wer regelmässig Hügel erklimmen muss, ist mit einem der beiden reinen Benzinmotoren mit konventionellem Doppelkupplungsgetriebe vermutlich komfortabler unterwegs. Denn grundsätzlich gibt es am Fahrkomfort nichts auszusetzen; dieser hatte auch bei den Fahrwerksentwicklern oberste Priorität. Zwar erlaubt der Wagen in Kurven spürbare Seitenneigung, ist dafür auf schlechtem Asphalt nur schwer aus der Ruhe zu bringen. Auch grobe Bodenwellen werden anstandslos weggefedert.

Zum Offroader wird der Arkana deswegen aber nicht – er ist ausschliesslich mit Vorderradantrieb zu haben. Wer Allrad und mehr Platz braucht, ist mit dem Schwestermodell Kadjar weiterhin besser bedient. Trotzdem ist der Arkana alles andere als überflüssig, denn mit einer weiteren Spielart stellt sich Renault im wachsenden SUV-Segment noch besser auf. Denn während die Kombis und Vans in dieser Grössenklasse laufend an Marktanteilen verlieren, legen die SUV stetig zu: 2021 liegt der Anteil bei 21 Prozent!

Renault Arkana.

Renault Arkana.

Bild: zVg