Audi
Erdgas als wichtige Alternative

Der VW-Konzern setzt vermehrt auf Erdgasfahrzeuge wie den Audi A3 Sportback g-tron - im Test gefiel der Ingolstädter mit enormer Reichweite.

Markus Chalilow
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Audi A3 Sportback g-tron

Audi A3 Sportback g-tron

HO

Natürlich, der VW-Konzern hatte schon früher Erdgasfahrzeuge im Programm, aber nun scheint man ernst zu machen. Audi, Skoda, Seat und VW, von allen Marken stehen CNG-Autos bei den Händlern. Das Beeindruckendste zuerst: Am Fahrverhalten des Autos merkt man nicht, ob er nun mit CNG oder Benzin betrieben wird. Ja, der Audi A3 g-tron ist bivalent ausgelegt, fährt also mit Erdgas oder Benzin. Und das ziemlich weit. Die Füllung (gut 14 kg) reicht für mindestens 300 Kilometer im Gasbetrieb, dazu kommen die 50 Liter Benzin, die noch mal für rund 800 Kilometer gut sind. Damit kommt man theoretische 1100 Kilometer weit, aber ganz sicher bis zu einer der über 140 Erdgastankstellen in der Schweiz.
Natürlich ist der 1400er-Motor mit 110 PS kein Sporttriebwerk, doch dank des anständigen Drehmoments von maximal 200 Nm ist man einigermassen zügig unterwegs. Im Schweizer Alltagsbetrieb reicht die Leistung locker aus, um im Verkehrsgeschehen mitschwimmen zu können. Wir haben einen Verbrauch von 4,2 kg Erdgas pro 100 Kilometer erreicht, im Benzinbetrieb waren es 6,2 l/100 km. Und weil zum Testzeitpunkt das Kilogramm Erdgas genau gleich teuer war wie der Liter Bleifrei 95 (Fr. 1,70.–) ist die Rechnung eine einfache: 100 Kilometer mit dem A3 Sportback g-tron kosten mit Erdgas 7.14 Franken, im Benzinbetrieb 10.54 Franken. Auf 1000 Kilometer hochgerechnet ergibt das eine Differenz von 34 Franken. Bedenkt man, dass der g-tron gegenüber dem Audi A3 1,2 mit 105 PS in der Ausstattung Ambition rund 2000 Franken teurer ist, muss man also erst mal fast 60 000 km zurücklegen, bevor sich der Erdgasantrieb rechnet.
Aber die monetäre Sicht ist nicht die einzige, die beim A3 g-tron zum Zuge kommen sollte. Denn dank des Anteils an Biogas, welcher in der Schweiz automatisch beigemischt wird, reduziert sich der CO 2 -Ausstoss massiv. An sechs Tankstellen in der Schweiz ist es sogar möglich, reines Biogas zu tanken und entsprechend absolut CO 2 -neutral unterwegs zu sein. Alle Infos zum Erdgasan trieb und dem Tankstellennetz gibts unter www.erdgasfahren.ch. Wo es so viele Vorteile gibt, muss es auch Nachteile geben. Und die gibt es auch: So ist das CNG-Netz in unseren südlichen Nachbarländern zum Beispiel sehr dünn oder gar inexistent. Dort setzt man beim Gasantrieb auf das sogenannte Autogas (LPG), weil die Kosten für die Fahrzeugumrüstung deutlich geringer sind. LPG ist entweder Butan oder Propan, also ein Abfallprodukt aus der Erdölgewinnung, mit dem normalerweise Gasgrills auf Temperatur gebracht werden.
Weitere Nachteile sind aber nicht auszumachen, denn sowohl die Service intervalle wie auch die Sicherheit im Falle eines Unfalls sind dieselben wie bei einem konventionell angetriebenen Auto. Sogar das Kofferraumvolumen bleibt unangetastet. Und auch alle sonstigen Qualitäten, die man von einem Audi erwartet, beste Ergonomie, hervorragende Verarbeitung, sehr gutes Fahrverhalten, bleiben erhalten. Der A3 ist halt auch ein feines Beispiel für die Klasse des neuen modularen Quer-Baukastens des Volkswagen-Konzerns. Nur: Unser Testwagen, schön ausgestattet, hat deutlich mehr gekostet, als man vom Basispreis aus schliessen könnte. Satte 55’720 Franken kostet das zur Verfügung gestellte Fahrzeug, das ist eine Menge Geld für einen Kompaktwagen mit 110 PS. Erdgasantrieb hin oder her.