Ford

Er kommt spät – aber dafür gut

Ford Mondeo Hybrid

Ford Mondeo Hybrid

Der Ford Mondeo kommt neu, der Passat, sein grösster Konkurrent, kommt ebenfalls neu. Doch der Ford braucht sich wirklich nicht zu verstecken.

Warum genau es fast zwei Jahre dauerte, bis auch die europäische Version des Mittelklasse-Ford den Sprung über den grossen Teich schaffte, will Ford nicht so genau kommentieren. Es hat sicher etwas mit der Schliessung des Werks im belgischen Genk zu tun, wo die Mondeo bisher gefertigt worden waren; ab sofort stammt die europäische Version des grossen Ford aus dem spanischen Valencia. Aber es erstaunt trotzdem, denn Ford betont ja gern seine Kompetenz in Sachen Welt-Autos, also: die einzelnen Modelle sollen gleich sein für alle Märkte. Um den Fusion in einen Mondeo zu verwandeln, brauchte es aber anscheinend bedeutend mehr als nur einen neuen Badge am Heck. Auch ist der Zeitpunkt für die Lancierung nicht gerade glücklich gewählt. Denn gleichzeitig mit dem Mondeo kommt auch der neue Passat von Volkswagen auf den Markt, schon immer der härteste Konkurrent. Und der VW ist wirklich ganz neu, während der Mondeo halt unterdessen schon etwas ältlich aussieht. Dass der Kombi eleganter wirkt als der Fünftürer (und als der Viertürer sowieso), ist nicht nur bei Ford so.

Mit einem Radstand von 2,85 Metern wirkt der Mondeo optisch sehr lang. Nun, das ist er mit 4,87 Meter Länge auch. Doch das hat auch den Vorteil, dass der Innenraum sehr grosszügig dimensioniert werden konnte: auch die hinteren Passagiere sitzen bequem, erfreuen sich an üppiger Beinfreiheit. Und man sieht auch hinten nach draussen, die Fenster sind keine dieser gerade so modischen Schiessscharten. Überhaupt kann das Interieur gefallen, in diesem Bereich macht der neue Mondeo im Vergleich zu seinem biederen, mit einem Wald an Knöpfen übersäten Vorgänger grosse Fortschritte. Die verwendeten Materialien sind hochwertig, die Gestaltung modern, die Übersicht bestens. Was natürlich auch am angenehm grossen Bildschirm in der Mittelkonsole liegt – und an einem neuen Bediensystem. Ford hält grosse Stücke auf seine Sprachsteuerung. Zu überzeugen vermochten die Sitze, guter Seitenhalt, vielleicht etwas hart am Rücken, doch das wird man auf längeren Strecken schätzen lernen.

Was allerdings auf diesen ersten Kilometern absolut überzeugte: die wunderbare Ruhe in diesem Fahrzeug. Wir sind den 2-Liter-Diesel mit 180 PS und den 1,5-Liter-Benziner mit 160 PS gefahren – beide konnten durch ihre überragende Laufruhe gefallen, da bewegt sich der Mondeo tatsächlich auf Oberklasse-Niveau. Und auch wenn der kleine Benziner schon etwas Tourenzahlen braucht, um den mit dieser Motorisierung gut 1,5 Tonnen schweren Mondeo in flotter Bewegung zu halten: man hört quasi nichts vom Antrieb. Und dass man einen Ford-Diesel fährt, hört man zudem nur beim Starten des Motors.
Auch beim Fahrwerk beweist Ford wieder einmal seine Stärke. Zwar ist der Mondeo eher sportlich abgestimmt, doch der Komfort kommt deswegen keineswegs zu kurz. Auf den nicht immer guten Nebenstrassen in Dänemark liess sich der Mondeo auch von grösseren Unebenheiten kaum aus der Ruhe bringen – und bei der Kurvenfahrt kommt ausserdem so etwas wie Fahrfreude auf. Die Lenkung ist ziemlich schwergängig, um die Mittellage etwas indifferent, doch sonst sehr präzis. Das gilt auch für das 6-Gang-Getriebe, die Schaltwege sind bestens definiert, die Gänge lassen sich ohne Kraftaufwand wechseln. Und so ist man dann ganz entspannt und zufrieden unterwegs – eine Stärke, die man nicht jedem Mittelklasse-Fahrzeug zubilligen will.

Der neue Mondeo erhält zudem eine fast unbeschreibliche Fülle an Sicherheits- und Assistenz-Systemen. Was alles inbegriffen ist und was Aufpreis kostet, wird man erst nach einem intensiven Studium der Preislisten verstehen; die Aufzählung würde den Rahmen dieser Berichterstattung sprengen. In der Schweiz beginnt die Preisskala bei 35’300 Franken für den (wahrscheinlich kaum je bestellten 115-PS-Diesel), der Aufpreis für die sicher beliebtere Kombi-Version beträgt 1000 Franken. Vergleichbare Volkswagen Passat sind teilweise deutlich teurer. Noch ist die Palette des Mondeo, der in den nächsten Wochen in den Verkauf kommt, nicht komplett, es wird in Zukunft noch einen 210-PS-Diesel geben, Allradantrieb für ausgesuchte Motorisierungen – und einen Hybrid, der 4,2 Liter auf 100 Kilometern verbrauchen soll.

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