Peugeot
Einer der letzten seiner Art

Französische Hersteller hatten eine lange Tradition, wenn es darum ging, grosse und auch luxuriöse Limousinen und Kombis zu bauen. Mittlerweile steht Peugeot mit seinem 508 SW aber schon fast alleine da.

Markus Chalilow
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Peugeot 508 SW

Peugeot 508 SW

HO

Der neue Peugeot 508 will mehr sein als ein Vertreter-Traum. Will? Nein, er muss mehr sein. Denn die meisten Aussendienstmitarbeiter haben längst auf Minivans umgestellt und den klassischen Kombis den Rücken gekehrt. Und sie sind verwöhnt, denn so ein Škoda Octavia Combi zum Beispiel bietet auch dem gewerblichen Nutzer so einiges. Da die Limousine des 508 in der Schweiz wohl nur eine Aussenseiterrolle spielen wird, konzentrieren wir uns auf die Kombi-Variante, den SW. Und der neue 508 als Kombi hat durchaus etwas zu bieten, auch wenn er nicht wirklich neu ist. Die Franzosen liessen dem 483 cm langen Fünfsitzer eine umfangreiche Modellpflege angedeihen. Und die hat dem Peugeot richtig gut getan.

Zu verstecken braucht sich der Löwe nicht, zumindest nicht vor den meisten seiner Konkurrenten. Und auch der zweite wichtige Punkt bei einem Fahrzeug dieser Klasse ist gut – der Kofferraum. 1440 Liter schluckt das Gepäckabteil des 508 SW maximal, das kann sich sehen lassen, zumal es auch sonst ausreichend Platz gibt. Insbesondere Fahrer und Beifahrer finden nicht nur genügend Raum, sondern auch gute Sitze vor. Schön ist der grosse Verstellbereich der Sitze und der Lenksäule. Dazu gibt es die üblichen Ablagen und eine Spezialität, die sonst nur Porsche zu bieten hat. Den Peugeot startet man nämlich mit der linken Hand – ganz weit aussen hat es einen Startknopf. Sicherlich gewöhnungsbedürftig, aber die Franzosen hatten ja schon früher einen Hang zu aussergewöhnlichen Lösungen. Nach gelegt hat man auch im Innenraum: Multimedia- und Navisystem mit Touchscreen, Rückfahrkamera und ein Toter-Winkel-Warner in den Aussenspiegel integriert – hier hat man im Vergleich zum Vorgängermodell deutliche Ver besserungen realisiert. Und auch bei der Verarbeitung braucht sich der Peugeot von der Konkurrenz nicht mehr zu verstecken.

Der Innenraum wirkt stimmig. Von billiger Anmutung kann keine Rede sein. Besonders positiv fällt die grosse Auswahl an Motoren und Getrieben auf. Hier sticht ins Auge, dass Peugeot voll auf die Karte Automatik setzt. Den 508 bekommt man mit fast allen Motoren in Verbindung mit einer gut agierenden Sechsstufen-Automatik. Natürlich: Sechs Stufen sind nicht der Entwicklung letzter Schluss (bis zu neun Gänge gibt es ja bereits...), aber es reicht völlig aus, um komfortabel unterwegs zu sein. Und dies erst noch auf einem erfreulich geringen Drehzahlniveau. Der neue 1600er-Benziner zum Beispiel, der aus vier Zylindern 165 PS schöpft, benötig fürs Autobahntempo nur gerade 2000 Umdrehungen. Das ist gut für den Gehörgang und für die Geldbörse des Fahrers – denn geringe Drehzahl geht meist mit geringem Verbrauch einher.

Traditionell gut sind die Diesel der Franzosen. Sehr laufruhig und auf Wunsch mit mächtig Dampf (bis zu 200 PS) – das Angebot an Antriebsquellen ist mehr als ausreichend. Dazu gibt es nach wie vor die Hybridversion, welche allerdings in der Schweiz eher ein Mauerblümchen-Dasein fristet. Zurück zum 1,6-Liter-Benziner, der neben den 165 PS auch noch 240 Nm auf die Kurbelwelle bringt. Der kleine Motor ist mit dem grossen Auto (Leergewicht 1505 kg mit Automatik) nicht überfordert. Einzig wenn man das Turbotriebwerk richtig fordert, wird der kleine Motor richtig laut. Aber eigentlich ist es nicht nötig, den Motor über 5000 Umdrehungen zu drehen, der Drehmomentverlauf animiert eher zu niedertourigem Fahren. Ganz fein ist der grösste Selbstzünder im Programm. Der unter dem Label «GT» verbaute 2,2 Liter grosse Vierzylinder leistet satte 204 PS und bietet ein maximales Drehmoment von 450 Nm. Das reicht zwar nicht, um unter gleichen in der Oberklasse mit zuspielen, aber das ganze Paket wirkt souverän.

Der 508 federt richtig schön ab, nicht zu weich, aber doch sehr bequem. Satt beschreibt das Federungsverhalten wohl am besten. Auch bei den Preisen kann man sich mit der Konkurrenz messen. Den 508 SW gibt es ab 32’600 Franken, mit dem feinen 1600er-Benziner und Automatik (165 PS) kostet er mindestens 39’400 Franken. Die Diesel starten allerdings erst bei 45’300 Franken, auch weil die Selbstzünder nicht in der Basisversion «Access» erhältlich sind. Der schnittige und bestens ausgestattete GT ist ab 52’850 Franken zu haben, die jeweiligen Versionen mit vier Türen kosten 2000 Franken weniger.