Ferrari

Die Zeichen der Zeit

Ferrari California T

Ferrari California T

Der Ferrari California wurde aufgefrischt, optisch. Und unter der Haube arbeitet ein Turbo-Motor – mit allen seinen Vor- und Nachteilen.

Noch 10,5 Liter soll der erneuerte Ferrari California T (für: Turbo) verbrauchen. Einverstanden, das ist ein Normwert, der hat mit dem wahren Leben, wenn die Pilotin, der Fahrer die mögliche Leistung des 3,9-Liter-V8 mit seinen 560 PS auch nur ein wenig einfordert, gar nichts zu tun. Aber Norm ist Norm, und auch ein Hersteller wie Ferrari muss sich unterdessen um Themata wie Flottenverbrauch und CO 2 -Emissionen Gedanken machen. Deshalb gibt es im aufgefrischten California einen kleineren Motor (bisher: 4,3 Liter Hubraum), der zwar mehr leistet (bisher: 490 PS) und den Wagen noch schneller macht (0 auf 100 km/h jetzt in 3,6 Sekunden), doch halt leider auch die Abkehr von den bisher bei Ferrari als heilig geltenden Saugmotoren bedeutet.

Die neue Maschine kann tatsächlich alles besser. Mit gewaltigem technischen Aufwand haben die Italiener den Begriff «Turboloch» vernichtet. Sie geben dem California T ausserdem eine Drehmoment-Wand mit auf den Weg, die unglaublich ist: von 505 Nm auf 755 Nm stieg die Durchzugskraft, im 7. Gang steht diese heftige Potenz schon ab 2750/min zur Verfügung. Das hat zur Folge, dass man gerade auf der Autobahn sehr locker, sehr souverän und vor allem sehr verbrauchsgünstig unterwegs sein kann. So man denn will.

Doch ein Problem aller Turbo-Motoren kann auch Ferrari nicht aus der Welt schaffen: er tönt nicht, der California T. Es fehlt das Röhren, das Brüllen, das Kreischen des Saugmotors. Der 3,9-Liter-V8 brummelt mehr, es ist ein tiefer Basston, der ihm entweicht, und der passt auch gut zur Charakteristik des «Einstiegsmodells», von dem in den vergangenen fünf Jahren mehr als 10’000 Stück verkauft werden konnten. Der California will auch als T alltagstauglicher sein als alle anderen Ferrari, dazu passt dieser nicht gerade aufregende Sound.

Damit das klar ist: auch dieses Coupé-Cabrio mit dem versenkbaren Metalldach, immerhin über 1,7 Tonnen schwer, gehört zu den schnellsten Geräten auf der Strasse. Der California ist sehr einfach zu beherrschen, das Fahrwerk ist erfreulich komfortabel ausgelegt, die Präzision der Lenkung sucht ihresgleichen. Es erstaunt immer wieder, wie ein derart kleiner Hersteller wie Ferrari es immer wieder schafft, technologisch ganz vorne mit dabei zu sein, in Sachen Getriebe und elektronischem Dämpfersystem und Bremsen zeigen die Italiener der zumeist deutschen Konkurrenz weiterhin, wo der Hammer hängt. Und in Sachen Fahfreude sowieso. Nicht ganz auf der Höhe sind sie einzig bei gewissen Assistenz-Systemen (die ja eh niemand braucht) und andere Kleinigkeiten wie klimatisierten Sitzen oder automatischer Kofferraumentriegelung. Doch wenn ein Sportwagen-Hersteller solche Dinge als Kernkompetenz sieht, dann bewegt er sich eh in anderen Gefilden als die Italiener.

220’000 Franken und ein paar Zerquetschte muss man mindestens zum Händler tragen, wenn man einen neuen California T sein eigen nennen will. Die Lieferzeiten sind kürzer als bei anderen Ferrari-Modellen, aber etwa neun Monate sind es schon. Was auch offensichtlich ist: der California T wird nicht der einzige Ferrari bleiben mit einem Turbo-Motor. Auch der Nachfolger des 458 wird wohl bald von diesem 3,9-Liter-V8 befeuert werden, dann aber mit mindestens 600 PS. Ob Ferrari auch die klassischen V12 mit einem Gebläse ausstatten wird, gilt bisher noch als unwahrscheinlich.

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