Anklage

Zweifel am Selbstmord von Priklopil: Wurde der Entführer von Natascha Kampusch ermordet?

Natascha Kampusch

Natascha Kampusch

Der Fall von Wolfgang Priklopil wird offenbar neu aufgerollt. Der Entführer von Natascha Kampusch könnte einem Mord zum Opfer gefallen sein, berichten Medien.

War Wolfgang Priklopil, der Entführer von Natascha Kampusch, bereits tot, als er am 23. August 2006 gegen 20.50 Uhr von einem Zug überrollt wurde?

Die Staatsanwaltschaft Wien prüft nach Informationen von Spiegel Online eine Anzeige wegen Mordverdachts.

Bereits seit mehr als drei Jahren steht in dem Fall immer wieder der Verdacht im Raum, dass sich Priklopil nicht selber umgebracht hat.

Der Tod Wolfgang Priklopils war das Ende eines spektakulären Verbrechens und der Beginn eines umstrittenen Kriminalfalls. Am 2. März 1998 war Natascha Kampusch, damals zehn Jahre alt, in Wien auf dem Weg zur Schule in einen Wagen gezerrt und entführt worden.

Sie sagt, sie sei jahrelang von Wolfgang Priklopil gefangen gehalten worden, in einem Verlies in seinem Haus in Strasshof bei Wien.

Am 23. August 2006 sei ihr die Flucht zu Nachbarn gelungen, ein Streifenwagen holte sie ab, die Polizei schrieb ihren Entführer zur Fahndung aus.

Der Fall Kampusch - Ein Schicksal im Rampenlicht

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Der Bruder des Leiters einer Sonderkommission als Kläger

Klar ist: Die Ermittler gehen jetzt einer Anzeige gegen unbekannt wegen Mordverdachts nach. Ein Sprecher der Oberstaatsanwaltschaft sagte gegenüber Spiegel Online, man prüfe derzeit die «inhaltlichen Argumente». Das Aktenmaterial sei jedoch sehr umfangreich und die «damals Zuständigen mit der entsprechenden Sachkenntnis» würden inzwischen an anderen Stellen arbeiten.

Die Anzeige hat ein gewisser Karl Kröll erstattet. Jahrelang hat sein inzwischen verstorbener Bruder den Entführungsfall untersucht: Franz Kröll, Oberst bei der Wiener Polizei, hatte die Arbeit des Landeskriminalamtes beobachtet und gemeinsam mit dem Bundeskriminalamt die Sonderkommission Kampusch geleitet.

Plötzlich für Jahre verschwunden: Natascha Kampusch

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Das Ergebnis aber, es gebe «keinen weiteren Erfolg versprechende Ermittlungsansätze», missfiel Franz Kröll.

Er hielt den Fall weder für aufgeklärt noch die Theorie für bewiesen, Priklopil sei ein Einzeltäter gewesen.

Er weigerte sich, am 8. Januar 2010 an der Pressekonferenz teilzunehmen, auf der die Einstellung des Verfahrens verkündet wurde.

Der sonst geschätzte Ermittler galt intern ab diesem Zeitpunkt als Querulant und Verschwörungstheoretiker. Am 24. Juni 2010 wurde er tot auf seiner Terrasse in Graz gefunden, mit einem Kopfschuss aus seiner Dienstwaffe. Angeblich Suizid.

Der Tod des Bruders habe Karl Krölls Leben verändert, erzählt er Spiegel Online. Er kämpfe seither um die weitere Aufklärung des Falls.

«Mir geht es nicht um Rache oder Rehabilitation vom Franz – wer nichts gegen einen Mordverdacht unternimmt, begünstigt Tatverdächtige. Dazu bin ich nicht bereit», sagt er weiter.

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