August 2015: «Wir schaffen das.» Die Kanzlerin öffnet die Grenze für Flüchtlinge, die via Österreich und Ungarn nach Deutschland strömen. In der Folge verpasst es Merkel, die Grenze wieder zu schliessen. CSU-Chef Seehofer, zu dieser Zeit auch bayerischer Ministerpräsident, übt scharfe Kritik. Später droht er gar mit Verfassungsklage.

November 2015: Auf einem Parteitag der CSU in München führt Seehofer die Kanzlerin regelrecht vor. Minutenlang kritisiert er sie auf offener Bühne, während sie, zur Untätigkeit verdammt, daneben steht.

Seehofer und Merkel in München.

Seehofer und Merkel in München.

Silvester 2015: Die Nacht, die in Deutschland vieles veränderte. In Köln kommt es zu massenhaften Übergriffen auf Frauen. Dass es sich beim überwiegenden Teil der Verdächtigen um Migranten und Flüchtlinge handeln soll, prägt fortan die öffentliche Debatte.

Kölner «Domplatte» Silvester 2015.

Kölner «Domplatte» Silvester 2015.

Januar 2016: Wenige Tage nach der Silvesternacht fordert die CSU auf ihrer Klausurtagung in Wildbad Kreuth eine Obergrenze für Flüchtlinge von 200 000 pro Jahr. Die Kanzlerin ist dagegen. Kurz darauf nennt Seehofer Merkels Flüchtlingspolitik «Herrschaft des Unrechts».

Februar 2017: Nach langem Hin und Her stellt sich Seehofer für die Bundestagswahl hinter Merkel.

Juli 2017: Die CSU lanciert ihr eigenes Wahlprogramm – den «Bayernplan». Darin: die Obergrenze für Flüchtlinge. Wie dieser Plan mit dem Wahlprogramm von Merkels CDU vereinbar sein soll, bleibt offen.

September 2017: Bei der Wahl müssen sowohl CDU als auch CSU herbe Verluste einstecken. Die Bayern trifft es besonders hart: Die Partei, die absolute Mehrheiten gewohnt ist, kracht unter 40 Prozent.

März 2018: Seehofer wird Innenminister in der neuen Regierung Merkel. Im Koalitionsvertrag hatten die Parteien die Zahl von 200 000 festgeschrieben – ohne das Wort «Obergrenze.

Juni 2018: Die Spannungen zwischen Merkel und Seehofer schaukeln sich hoch zur Regierungskrise: Die Kanzlerin und ihr Innenminister sind uneins, wie mit bereits in einem anderen EU-Land registrierten Asylbewerbern umzugehen ist. Merkel will sie zunächst ins Land lassen und einer Prüfung unterziehen, sie beruft sich auf EU-Recht. Seehofer dagegen will sie an der Grenze zurückweisen und beruft sich auf das Grundgesetz. Merkel betont, EU-Recht liege über nationalem Recht.

Merkel beim Treffen des EU-Rats.

Merkel beim Treffen des EU-Rats.

Seehofer droht Merkel mit Alleingang und setzt ihr Mitte des Monats eine Zwei-Wochen-Frist, die von der Kanzlerin favorisierte «europäische Lösung» hinzukriegen. Merkel lässt einen (inoffiziellen) EU-Asyl-Gipfel einrichten. Wenige Tage später tagt der EU-Rat. Merkel kommt aus diesem Treffen mit Absprachen mit 14 EU-Staaten heraus. Es geht um Regelungen, wie die Weiterreise von bereits registrierten Flüchtlingen verhindert werden kann. Tschechien, Ungarn und Polen rudern direkt wieder zurück und dementierten eine Übereinkunft.

1. Juli 2018: Seehofers Ultimatum läuft aus. Der CSU-Chef nennt Merkels Ergebnisse «unzureichend».