Der Justizausschuss des US-Senats hat ein brisantes Dokument veröffentlicht: Auf 2500 Seiten präsentiert er die Mitschrift der Anhörung von Donald Trump Junior, dem ältesten Sohn des amerikanischen Präsidenten. Im Zentrum der Befragung steht das mysteriöse Treffen zwischen Trump Jr. und einer russischen Anwältin im Juni 2016.

Zur Erinnerung: Im Sommer 2017 deckte die «New York Times» auf, dass sich Trump Jr. während des Präsidentschaftswahlkampfes mit der russischen Anwältin Natalia Veselnizkaja getroffen hat. Sie soll Verbindungen zum russischen Präsidenten gehabt haben und Trump Jr. kompromittierende Informationen über Hillary Clinton angeboten haben. 

Natalia Veselnizkaja.

Natalia Veselnizkaja.

An dem Treffen, das im New Yorker Trump Tower stattgefunden hat, habe auch Trumps ehemaliger Wahlkampfmanager Paul Manafort teilgenommen.

Paul Manafort.

Paul Manafort.

Organisiert habe das Treffen Rob Goldstone, ein Publizist mit engen Kontakten nach Russland.

Rob Goldstone.

Rob Goldstone.

Goldstone vertritt den Sänger und Geschäftsmann Emin Agalarow. Agalarow wiederum ist ein alter Bekannter von Trump.

Emin Agalarow.

Emin Agalarow.

Nach der Aufdeckung des Treffens räumte Trump Jr. zwar ein, dass es tatsächlich zu einer Begegnung mit der Anwältin Veselnizkaja gekommen sei. Doch sei schnell deutlich geworden, dass die Anwältin «keine aussagekräftige Information besass». 

Und nun zum Wesentlichen: dem veröffentlichten Dokument. Dieses enthüllt neue Details zum Treffen im Trump Tower. 

1. Trump Jr. «liebt» den Dreck über Hillary Clinton

Trump Jr. erhielt ursprünglich eine E-Mail von Rob Goldstone, in der ihm kompromittierendes Material über Hillary Clinton angeboten wurde. Trump Jr. schrieb zurück: «Wenn es so ist, wie du sagst, liebe ich es. Vor allem dann später im Sommer.» 

In seiner Anhörung vor dem Kongress bestätigte Trump Jr. nun, dass er mit «Ich liebe es» tatsächlich die Informationen über Hillary Clinton gemeint habe. Dies war zunächst nicht eindeutig. 

2. Die blockierte Telefonnummer

Trump Jr. sagte stets, er habe seinem Vater nichts von dem Treffen mit der Anwältin Veselnizkaja erzählt. Dies ist zu bezweifeln. Denn Aufzeichnungen belegen, dass es zu einem Telefonanruf mit einer blockierten Nummer gekommen ist. Eine solche verwendet auch Präsident Trump. Trump Jr. sagt, er erinnere sich nicht mehr, ob es sich bei besagter blockierter Nummer um jene seines Vaters gehandelt habe. 

Der zeitliche Ablauf der Telefongespräche ist jedoch verdächtig, das zeigen auch die entsprechenden Protokolle:

  • Am 6. Juni um 16:04 Uhr erhält Trump Jr. einen Anruf von Agalarow. Dieser dauert zwischen 60 Sekunden und zwei Minuten.
  • Um 16:27 Uhr hat Trump Jr. Kontakt mit der blockierten Nummer. Es ist nicht ersichtlich, ob der Anruf ein- oder abgehend ist. Er dauert vier Minuten.
  • Um 16: 31 Uhr ruft Trump Jr. Agalarow zurück. Der Anruf dauert drei Minuten.
  • Um 16:38 Uhr schreibt Trump Jr. eine E-Mail an Goldstone: «Rob, Danke für die Hilfe.»

3. Das Treffen war peinlich und enttäuschend

Die Verteidigungsstrategie von Trump Jr. war ab der ersten Stunde, das Treffen als unfruchtbar darzustellen. So sagte er auch vor dem Kongress: «Ich hätte sonst nicht 20 Minuten verschwendet, mir etwas anzuhören, für das ich nicht gekommen bin.» Die Informationen der Anwältin Veselnizkaja hätten sich als leere Luft herausgestellt, es sei enttäuschend gewesen. 

Auch der verhörte Goldstone sagte, das Treffen sei unangenehm gewesen: «Ich sagte zu Trump Jr., Don, ich möchte mich wirklich entschuldigen. Das war sehr peinlich.»

4. Goldstone hielt das Treffen für eine schlechte Idee

Goldstone, der das Treffen arrangiert hatte, bereut dieses offenbar sehr. In einer E-Mail an den Sänger Agalarow schrieb er: «Ich habe schon damals gesagt, dass es eine schlechte Idee ist und es ein schreckliches Treffen ist.»

5. Paul Manaforts seltsame Notizen

Paul Manafort, der ehemalige Wahlkampfmanager von Trump, machte sich während des Treffens seltsame Notizen. Sie wurden in den Dokumenten des US-Senats ebenfalls veröffentlicht. 

Die Worte scheinen auf den ersten Blick kryptisch. Die «Washington Post» schreibt jedoch, es sei ersichtlich, dass sich einige Worte auf den sogenannten «Magnitsky Act» beziehen würden. Dabei handelt es sich um ein US-Gesetz, das Sanktionen gegen Russland ermöglicht und das den Russen ein grosser Dorn im Auge ist. 

6. Donald Trump könnte Fehlinformationen verbreitet haben

Trump Jr. machte Andeutungen, dass sein Vater selbst irreführende Informationen über das Treffen verbreitet haben könnte. Er habe allenfalls Einfluss genommen, als das Weisse Haus eine Stellungnahme veröffentlicht hatte. 

Trump Jr. wurde gefragt: Hat der Präsident Einfluss auf das Verfassen der Mitteilung genommen? Seine Antwort: «Er könnte durch Hope Hicks die Mitteilung kommentiert haben.» Hicks war die damalige Kommunikationsdirektorin des Weissen Hauses.