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Warum sich weisse Rassisten und Jihadisten sehr ähnlich sind – in 5 Punkten

Ein ehemaliger FBI-Agent sieht beunruhigende Parallelen zwischen dem Aufstieg von Al Qaida in den 90er Jahren und dem heutigen rassistischen Terrorismus.

Ein ehemaliger FBI-Agent sieht beunruhigende Parallelen zwischen dem Aufstieg von Al Qaida in den 90er Jahren und dem heutigen rassistischen Terrorismus.

Nach den Attentaten vom Wochenende ist der inländische Terrorismus in den USA in aller Munde. Ein ehemaliger FBI-Agent erklärt in der «New York Times», wie ähnlich sich Jihadisten und weisse Terroristen sind. Eine Zusammenfassung in 5 Punkten.

29 Tote innerhalb von 24 Stunden: Das ist die traurige Bilanz des vergangenen Wochenendes in den USA. Das FBI stufte das Attentat in El Paso im US-Bundesstaat Texas als inländischen Terrorismus ein. Die «weisse Vorherrschaft» und die Angst vor inländischem Terrorismus werden derzeit heftig debattiert.

Auf der Suche nach Lösungen, die solche schrecklichen Taten in Zukunft verhindern, publizierte die «New York Times» einen Text des ehemaligen FBI-Agenten Ali H. Soufan. Darin fordert Soufan die Gleichbehandlung von inländischen und ausländischen Terroristen.

Denn, so Soufan, inländische und ausländische Terroristen ähneln sich in ihrem Aufbau und ihren Handlungen sehr stark. «Ich sehe beunruhigende Parallelen zwischen dem Aufstieg von Al-Qaida in den Neunzigerjahren und dem heutigen rassistischen Terrorismus», beginnt Soufan seine Aufzählungen.

1. Das Klima der Angst

Bei einem Aufmarsch weisser Nationalisten 2017 kam es in Charlottesville zu groben Auseinandersetzungen mit Gegendemonstranten.

Bei einem Aufmarsch weisser Nationalisten 2017 kam es in Charlottesville zu groben Auseinandersetzungen mit Gegendemonstranten.

Die weissen Rassisten, so Soufan, kreieren genauso wie deren islamistischen Gegenpart ein Klima der Angst. «Sie wollen mit Gewalt ein Chaos erschaffen, das dann ausgenutzt werden kann, um die Gesellschaft nach ihrem eigenen Bild neu zu gestalten.»

2. Die Propaganda-Videos

Die Rekrutierungsvideos beider Gruppierungen zielen vor allem auf «Reinheit», Kampfgeist und körperliche Fitness ab.

Auch die von den Terroristen produzierten Propaganda-Videos ähneln sich im Kern, erklärt Soufan. «Während die Jihadis Videos von Enthauptungen verbreiten, glorifizieren die Rechtsextremen in Live-Streams Angriffe wie beispielsweise diejenigen auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch.»

3. Die Plattform

Auch die Kommunikation der terroristischen Gruppierungen funktioniert ähnlich. Während der islamische Staat und dessen Unterstützer über Telegram miteinander in Verbindung bleiben, kommunizieren die weissen Rassisten über Plattformen wie 8chan.

4. Die Flaggen

Eine Gruppierung von Neonazis die von Veteranen des Irak-Afghanistan-Krieges gegründet wurde, nennt sich laut Soufans Angaben «The Base». «Das ist eine direkte Übersetzung von ‹Al Qaeda›. Die Gruppierung verwendet zudem ähnliche schwarze Flaggen wie die Jihadisten», schreibt der ehemalige FBI-Agent.

Die Flagge von Al-Qaida.

Die Flagge von Al-Qaida.

«The Base» führt zudem eine Online-Bibliothek mit Handbüchern für Terroristen. Auch die Al-Qaida verfügt über ähnliche Publikationen – eine davon lehrte die Attentäter auf den Boston Marathon 2013, wie man aus Druckkochtöpfen Bomben baut.

5. Die Übungszonen

«Am beunruhigendsten ist, dass beide Gruppen über reale Kriegsgebiete verfügen, die als Übungszweck dienen», so Soufan. Für die Dijhadisten war das Afghanistan in den 1980er Jahren, der Balkan in den Neunzigern und heutzutage Syrien.

Kämpfer des «Islamischen Staates» in Syrien.

Kämpfer des «Islamischen Staates» in Syrien.

«Die weissen Rassisten dagegen, haben den Krieg in der Ostukraine, in dem sie auf beiden Seiten kämpfen.» Soufan zitiert den Forscher Dr. Kacper Rekawek, gemäss dessen Schätzungen rund 17'000 Menschen aus 50 verschiedenen Ländern in die Ukraine gereist sind, um dort zu kämpfen. Der Christchurch-Attentäter, der bei seinem Angriff auf zwei Moscheen 51 Menschen tötete, soll zuvor in der Ukraine gekämpft haben. Zudem trug er bei seinem Angriff eine Splitterjacke, auf der ein Symbol der wichtigsten ultranationalistischen Gruppe des Landes abgebildet war.

Fazit

Für den ehemaligen FBI-Agenten Soufan sind die Parallelen nicht übersehbar. Er kritisiert, dass inländische Terroristen in den USA nicht gleichbehandelt werden wie auswärtige. Inländische Terroranschuldigungen seien viel schwerer zu beweisen. «Sogar die Taten des Bombers von Oklahoma, die schlimmsten in der Geschichte Amerikas, wurden nicht als terroristische Straftaten eingestuft.»

Soufan fordert Gleichbehandlung und warnt vor zukünftigen Taten der weissen Terroristen. «Vor zwanzig Jahren haben wir die zunehmende Bedrohung durch den islamistischen Terror stark unterschätzt. Diese Unachtsamkeit ist uns am 11. September 2001 teuer zu stehen gekommen. Wir können es uns nicht leisten, auf das weisse, rassistische Äquivalent zu warten.»

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