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Warum schritt das Weisse Haus nicht gegen die russischen Kopfgeld-Zahlungen in Afghanistan ein?

US-Soldaten in Afghanistan: Russland soll Kopfgelder ausgesetzt haben. Was wusste Präsident Trump?

US-Soldaten in Afghanistan: Russland soll Kopfgelder ausgesetzt haben. Was wusste Präsident Trump?

Russland soll afghanischen Söldnern Geld versprochen haben, wenn sie ausländische Soldaten töteten, berichten amerikanische Medien. Nun sagt die «New York Times»: Präsident Donald Trump habe davon seit Monaten gewusst, aber keine Konsequenzen gezogen.

Führende Demokraten haben die neusten Enthüllungen in der Affäre um angebliche russische Kopfgeld-Zahlungen in Afghanistan als «höchst beunruhigend» bezeichnet. Steny Hoyer, die Nummer zwei der Demokraten im amerikanischen Repräsentantenhaus, erneuerte nach einem Besuch im Weissen Haus seine Forderung nach einem Briefing durch die CIA-Direktorin Gina Haspel.

Er wolle wissen, sagte Hoyer, welche Beweise der Auslandgeheimdienst für die Behauptung habe, afghanische Söldner seien für die Tötung amerikanischer Soldaten von Moskau finanziell entschädigt worden. Ähnliche Töne schlug Adam Schiff an, der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses in der grossen Kammer des Kongresses. Schiff sagte: Es sei ein Rätsel, warum Präsident Donald Trump nicht reinen Tisch mache und eine derart grosse Affinität für seinen russischen Amtskollegen an den Tag lege.

Sowohl Hoyer als auch Schiff weigerten sich allerdings, auf die umstrittenen Details der Affäre einzugehen. Die «New York Times» berichtete am Montag, dass Trump spätestens im Februar über die Machenschaften russischer Geheimdienstkreise in Afghanistan informiert worden sei. Und die Nachrichtenagentur AP sagte, der damalige Sicherheitsberater John Bolton habe entsprechende Gerüchte bereits im März 2019 thematisiert.

Moskau dementiert

Die «New York Times» hatte die Affäre am Wochenende aufgedeckt. Andere amerikanischen Medien bestätigten diese Recherchen mittlerweile in den Grundzügen; und seither kommen täglich neue Details ans Tageslicht.

Der Kreml in Russland und der angeblich involvierte Taliban in Afghanistan wiesen die Berichte hingegen scharf zurück. Auch Bolton wollte keinen Kommentar abgeben; in seinem soeben publizierten Buch über seine Amtszeit als Sicherheitsberater kritisiert er aber die Afghanistan-Politik des Präsidenten in scharfen Worten.

Trump streitet ab, dass er im Zuge seiner täglichen Unterredungen mit seinen Sicherheitsberatern – im Washingtoner Jargon «President's Daily Brief» oder PDB genannt – über die Manöver Moskaus, die Befriedung Afghanistans zu hintertreiben, unterrichtet worden sei.

Kayleigh McEnany, die Sprecherin des Weissen Hauses, stellt sich zudem auf den Standpunkt, dass unter amerikanischen Geheimdienstlern nach wie vor kein Konsens über die Glaubwürdigkeit und Zuverlässigkeit der vorliegenden Informationen herrsche; auch deshalb hätten die Präsidentenberater darauf verzichtet, mit Trump über die Angelegenheit zu sprechen. (Die «Times» sagt, die Informationen seien in den schriftlichen Unterlagen des PDB enthalten gewesen, die der Präsident häufig ignoriert.)

Ein weiteres Indiz für die Nähe zu Putin?

Aus der Sicht linker und rechter Kritiker des Präsidenten ist diese Affäre aus zwei Gründen beunruhigend. Entweder zeigt sie, einmal mehr, dass Trump sich nicht wirklich für komplexe weltpolitische Angelegenheiten interessiert – und damit auch in Kauf nimmt, dass amerikanische Soldaten getötet werden. (Die Nachrichtenagentur AP führt einen Anschlag auf drei Marine-Infanteristen in der Nähe des Stützpunktes Bagram auf die russischen Kopfgeld-Zahlungen zurück.)

Und weil seine Berater sich dessen bewusst sind, verzichteten sie darauf, Trump selbst über glaubhafte Geheimdienst-Theorien zu informieren. Sprecherin McEnany wies diese These am Dienstag zurück: «Dieser Präsident ist weltweit der am besten informierte Mensch, wenn es um die Bedrohungslage geht.»

Oder die Affäre zeigt, einmal mehr, dass Trump seinen russischen Amtskollegen ständig in Schutz nimmt. Dazu passt ein langer Artikel des ehemaligen Investigativ-Journalisten Carl Bernstein, in dem aufzeigt, wie hart der amerikanische Präsident hochrangige Politiker aus verbündeten Staaten anpackt; und wie gut er sich mit Autokraten versteht, die aus ihrer Abneigung gegen westliche Werte keinen Hehl machen.

Trump setzt sich seit Amtsantritt für bessere Beziehungen zwischen Washington und Moskau ein; zuletzt forderte er die erneute Aufnahme Russlands in die Gesprächsrunde der grössten Wirtschaftsmächte. Selbst Republikanern geht dies zu weit. So sagte Mitch McConnell, der Fraktionschef seiner Partei im Senat, am Dienstag, als er gefragt wurde, ob Russland wieder Teil der G7 werden solle: «Auf keinen Fall.»

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