Am Morgen des Neujahrstages flog ein Molotowcocktail an die Moschee von Uppsala. Der kleine Brand erlosch rasch, verletzt wurde niemand. Gleichzeitig wurden im südschwedischen Skillingaryd in einem muslimischen Lokal Scheiben eingeworfen. Es waren die Attacken drei und vier auf Gebetshäuser in einer Woche.

Am Weihnachtstag wurde in Eskilstuna westlich von Stockholm ein Brandanschlag auf einen muslimischen Gebetsraum verübt, in dem sich 20 Personen befanden. Fünf wurden mit Verletzungen ins Spital gebracht, der Raum brannte völlig aus. Drei Tage später landete in Eslöv in Südschweden ein Brandsatz in einer Moschee in einem Mehrfamilienhaus. Bei dem rasch gelöschten Feuer gab es keine Verletzten.

Brandanschläge auf schwedische Moscheen: Muslime fühlen sich bedroht

Brandanschläge auf schwedische Moscheen: Muslime fühlen sich bedroht

Rassistische Schmierereien

Die Polizei ermittelt in allen Fällen wegen Brandstiftung, Vandalismus und «Hass-Verbrechen»; in Eskilstuna auch wegen Mordanschlags. Die Täter sind unbekannt, bezüglich Motiven sind die Ermittler zurückhaltend. Beim Anschlag von Uppsala wurden allerdings rassistische Schmierereien gefunden. Die Polizei, die von Rechtsextremismus-Experten des Geheimdienstes unterstützt wird, hat nun verstärkte Patrouillen um Moscheen angeordnet. Weitere Massnahmen sollen diese Woche an einem nationalen Sicherheitstreffen diskutiert werden.

Im ganzen Jahr 2014 waren Moscheen in Schweden 14-mal Steinwürfen oder Brandattacken ausgesetzt. Doch die vier Angriffe über den Jahreswechsel haben wegen ihrer Schwere und Häufung die Öffentlichkeit besonders alarmiert. Regierungschef Stefan Löfven verurteilte die «hasserfüllte Gewalt» aufs Schärfste. «In Schweden soll niemand bei der Ausübung seiner Religion Angst haben müssen», erklärte er. Die Regierung habe nun mit muslimischen, aber auch jüdischen Glaubensgemeinschaften Kontakt aufgenommen, um die Sicherheit zu verbessern.

Auch mehrere Minister äusserten sich, zwar unter Vorbehalt der noch unbekannten Täterschaft, aber doch deutlich. Justizminister Morgan Johansson sagte, es sei schwer vorstellbar, dass die Gewalt gegen etwas anderes als Muslime als Gruppe oder den Islam als Religion gerichtet sei. Solche Attacken hätten keinen Platz in Schweden, sagte Kulturministerin Alice Bah Kuhnke in Stockholm an einer Demonstration gegen die Angriffe. Sie werde sich für eine «nationale Strategie gegen Islamophobie» einsetzen. Auch in Göteborg, Malmö und Uppsala nahmen Tausende an Protesten gegen Rassismus und an Solidaritätskundgebungen für Muslime teil.

Zeitungskommentare warnten vor einer schleichenden Entwicklung. «Ein Effekt der Attacken ist, dass ein Bild von Schweden gezeichnet wird als Land, in dem Rassismus und Gewalt zunehmen», schrieb die Zeitung «Dagens Nyheter». Es fänden sich auch immer Facebook-Kommentare oder Passanten, die erfreut auf brennende Moscheen reagierten. Doch das Bild sei falsch, so der Kommentar: 99,99 Prozent der Bevölkerung seien wütend und bestürzt über die Angriffe. In diesem Sinne könne man auch von Terrorangriffen sprechen – ein Wort, das auch Omar Mustafa, Präsident des Islamischen Verbandes Schwedens, benutzte: Viele Muslime fürchteten sich, sagte er. Es sei nicht auszudenken, wenn eine Brandattacke während eines Freitagsgebets stattgefunden hätte.

Zulauf für Rechtspopulisten

Die Entwicklung ist politisch brisant, nachdem die fremdenfeindlichen Schwedendemokraten (SD) bei den Wahlen im September enormen Zulauf hatten und nun drittgrösste Partei im Parlament sind. Die SD haben ihre Wurzeln ursprünglich in rechtsextremen Gruppen, die immer wieder durch rechte Propaganda, Hakenkreuzschmierereien, aber auch Überfälle auf Antifaschisten auffallen. Laut Experten sind die Gruppen in den letzten Jahren nicht aktiver geworden, aber besser organisiert. Die offen neonazistische «Partei der Schweden» erzielte in einigen Gemeinderäten Sitze. Die SD dagegen waren in den letzten Jahren bemüht, öffentliche rassistische Aussagen zu vermeiden. Mehrfach wurden aber noch im Wahlkampf Parteimitglieder genau deswegen ausgeschlossen.

Mohammad Fazlhashemi, Islamwissenschafter an der Universität Uppsala, wies darauf hin, dass SD-Chef Jimmie Åkesson den Islam als «grösste Gefahr» für die schwedische Gesellschaft bezeichnete, und der Aufstieg der Partei durchaus zu einer höheren Aggression führen könne. Deutlich ist dies in gewissen Internetforen, wo heftige Ausländerbeschimpfungen an der Tagesordnung sind.

Einwanderung bringt Probleme

Die Rechtspopulisten profitieren von der Unzufriedenheit eines Teils der Bevölkerung über die hohe Einwanderung. Schweden ist das westliche Land, das gemessen an der Einwohnerzahl mit Abstand am meisten Flüchtlinge aufnimmt. Zwar ist eine klare Mehrheit stolz auf die grosszügige Einwanderungspolitik, aber Arbeitslosigkeit und soziale Probleme in Vororten machen dem Land zu schaffen.

Alle anderen Parteien – unterstützt von den tonangebenden Medien im Land – befürworten dennoch die liberale Einwanderungspolitik, und keine will mit den SD zusammenarbeiten. Nach Weihnachten vereinbarten Regierung und bürgerliche Opposition gegenseitige Unterstützung, um Minderheitsregierungen zu stärken. Dies macht die bereits angekündigten Neuwahlen überflüssig. Und die SD, die vorher die Macht des Züngleins an der Waage im Parlament hatten, wurden damit ausgebremst.