Das erste und einzige TV-Duell am Sonntagabend sollte die letzte Chance für Herausforderer Martin Schulz werden, um den Wahlkampf in Deutschland noch einmal spannend zu machen.

So schätzten es im Vorfeld zumindest die SPD-Wahlkampfstrategen und wohlmeinende Beobachter ein. Das war von Beginn an ein Irrglaube. Vielmehr muss man es wohl so formulieren: Martin Schulz hatte keine Chance und die hat er nicht genutzt.

Der SPD-Mann wirkte zwar angriffslustig, aber unsicher und rhetorisch überraschend schwach. Die Kanzlerin ungewohnt emotional und rhetorisch schwach wie immer. Es scheint fast müssig darüber zu diskutieren, wer denn nun als Sieger – oder besser: als Verlierer aus diesem Duell hervorgegangen ist. Denn viel mehr als ein 97-minütiges Trauerspiel mit einigen Fremdschäm-Momenten («Ich war heute nicht in der Kirche» – «Ich aber, in einer Kapelle» – «Ich war dafür gestern in der Kirche») war diese Veranstaltung nicht.

Da das Duell aber dennoch für viele Deutsche zur Wahlentscheidung beitragen dürfte, sei kurz auf die repräsentative Umfrage der ARD und einem renommierten deutschen Umfrageinstitut verwiesen: Demnach sah eine klare Mehrheit in Sachen Kompetenz und Glaubwürdigkeit Angela Merkel vorn. Überzeugender fanden 55 Prozent der Befragten Merkel. Für Schulz waren nur 35 Prozent.

Die Deutschen vertrauen Merkel. Sie haben nach Sonntag keinen Grund, sich von der Kanzlerin abzuwenden.

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