Lateinamerika/Karibik

Verschwinden die Bananen aus unseren Läden? Ein Pilz bedroht die Milliardenbranche

Auf Kolumbiens Bananenbauern kommen schwierige Zeiten zu. Das Milliardengeschäft droht zu versiegen.

Auf Kolumbiens Bananenbauern kommen schwierige Zeiten zu. Das Milliardengeschäft droht zu versiegen.

Ganze Plantagen vertrocknen, ganze Ländern zittern: Für Lateinamerika und die Karibik ist die Ausbreitung des Pilzes eine Katastrophe.

«TR4» ist seit langem ein Horrorszenario für die Lebensmittelindustrie. Nun schlägt «Tropical Race 4» ausgerechnet zeitgleich mit dem Coronavirus zu: Nachdem er bereits Bananenplantagen in Asien und Afrika verwüstet hat, verbreitet sich der gefährliche Pilz nun rasant in Lateinamerika, wo vier der fünf weltweit wichtigsten Bananenexporteure sitzen. Der Pilz lebt im Boden, befällt die Wurzeln und blockiert die Wasserversorgung, sodass die Bananenstauden vertrocknen.

Kolumbien war das erste südamerikanische Land, das die Alarmglocken läutete. Inzwischen hat auch Costa Rica den Notstand verhängt. Das Geld aus dem dafür bestimmten Notfonds wird laut Präsident Carlos Alvarado für die Überwachung der Plantagen und das Training von Spezialisten ausgeben. 140'000 Arbeitsplätze hängen an der gelben Frucht, 75 Prozent davon sind an der strukturschwachen Karibikküste angesiedelt. Costa Rica exportiert Bananen im Wert von rund einer Milliarde US-Dollar jährlich.

Mitverantwortlich für das Bananendrama: das Klima

Der Pilz kennt keine Gnade: Keine der kommerziell angebauten Bananen-Sorten wird von der Plage verschont. Betroffen ist auch die weltweit am meisten gehandelte Sorte Cavendish. Sie ist bei Exporteuren wegen ihrer geringen Druckanfälligkeit beliebt und weil sie grün geerntet werden kann und nachreift.

Auf dem Spiel steht aber nicht nur die Versorgung des Weltmarktes mit der Tropenfrucht. Gefährdet ist auch die Ernährungssicherheit zahlreicher Staaten in der Karibik und Mittelamerika, wo Bananen besonders bei der ärmeren Bevölkerung einen wichtigen Teil der Ernährung ausmachen.

Um die Ausbreitung zu stoppen, werden ähnlich drastische Massnahmen ergriffen wie gegen das Coronavirus: Wer eine infizierte Plantage betritt, wird danach von oben bis unten desinfiziert. Doch der Pilz kann auch über Autoreifen oder Bewässerungskanäle transportiert werden.

Forscher der britischen Universität von Exeter sehen einen Zusammenhang mit dem Klimawandel, der die Pflanzen unter Stress setzt und anfälliger macht für Krankheiten. In den vergangenen Jahren habe sich die Ausbreitung des Pilzes deswegen beschleunigt.

Bislang gibt es gegen «TR4» kein wirksames Mittel. Bauern versuchen, ihn zu isolieren, indem sie im weiten Umkreis alle anderen Bananenpflanzen ausreissen. Doch das reicht nicht. Der Pilz ist oft schon über ein Jahr im Boden, bevor sich die ersten Symptome an erkrankten Pflanzen zeigen.

Gen-Bananen könnten die Lösung bringen

Mehr Hoffnung bergen neue Erkenntnisse aus Forschungslaboren. Rund 20 Prozent der Bananen-Sorten sind einer niederländischen Studie zufolge resistent. Dabei handelt es sich jedoch meist um Kochbananen oder Sorten mit vielen Samen im Fruchtfleisch, die kommerziell nicht verwertbar sind. Eine gentechnisch modifizierte Cavendish-Sorte aus Australien befindet sich derzeit im Teststadium.

Ob die Konsumenten auch zu Gen-Bananen greifen werden, ist fraglich. Experten halten dies ohnehin nicht für die beste Lösung. «Wir brauchen weniger Monokulturen und mehr Biodiversität», fordert etwa Gerrit Kema, einer der renommiertesten Bananenexperten. Damit einher ginge ein Rückgang von chemischen Spritzmitteln. Das wäre förderlich für die Gesundheit der Plantagenarbeiter – und würde unter anderem durch den erhöhten Arbeitsaufwand die Bananenpreise in die Höhe schnellen lassen.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1