Seit Donald Trumps Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin am Montag in Helsinki sind Politik und Sicherheitskreise in den USA in Aufruhr. Der Auftritt des US-Präsidenten an der Seite Putins wird von fast allen Seiten scharf kritisiert. Trump erweckte den Eindruck, er schenke Putins Versicherung, Russland habe sich nicht in die Wahlen 2016 eingemischt, mehr Vertrauen als den Erkenntnissen der US-Geheimdienste. 

Am Tag nach dem Auftritt in Helsinki erklärte Trump, er habe sich versprochen und statt dem Wort «wouldn't» aus Versehen «would» gesagt. Natürlich teile er die Einschätzung der Geheimdienste über die Rolle Russlands im Wahlkampf 2016.

Bloss einen Tag später – die Kritik auch aus den Reihen der Republikaner war kaum leiser geworden – liess Trump die nächste Bombe platzen. Er habe seinen nationalen Sicherheitsberater John Bolton angewiesen, Wladimir Putin zu einem Staatsbesuch im Herbst ins Weisse Haus einzuladen. 

Diese Neuigkeit, welche Trumps Sprecherin Sarah Sanders über Twitter mitteilte, überraschte auch die Teilnehmer des prominent besetzten Security Forum in Aspen im US-Bundesstaat Colorado. Dort wurde Dan Coats, als «Director of National Intelligence» der oberste Chef sämtlicher US-Geheimdienste, von MSNBC-Moderatorin Andrea Mitchell vor zahlreichen Zuhörern befragt.

Als Mitchell «Breaking News» aus dem Weissen Haus ankündigt, dreht sich Coats zum Publikum, verzieht die Mundwinkel und spannt beide Hände. Als die Moderatorin die Einladung an Putin verkündet, fragt Coats: «Können Sie das nochmals wiederholen?» Dann hakt er nach: «Habe ich Sie richtig verstanden?» Mit einem Lachen in der Stimme sagt er schliesslich: «Okay ... Das wird speziell werden.»

US-Geheimdienstschef Dan Coats: «Say that again.»

Gemäss einem Bericht der Washington Post sollen hochrangige Mitarbeiter des Weissen Hauses verärgert über Coats' Äusserungen sein. Sie befürchten, der Auftritt könnte beim Präsidenten den Eindruck erwecken, Coats mache sich über ihn lustig.

Nach Trumps Auftritt in Helsinki hatten Trumps Berater befürchtet, Coats könnte zurücktreten, weil der Präsident seine Geheimdienste vor den Augen der Öffentlichkeit blossgestellt habe. Deshalb hätten sie Trump dazu gebracht, Coats in einem Fernsehinterview vom Mittwoch lobend zu erwähnen. Nun wird befürchtet, dass der Präsident Coats' Auftritt so kurz nach seinem Lob als persönliche Beleidigung empfinden könnte. Trump könnte dazu verleitet sein, seinen obersten Geheimdienstdirektor aus persönlichem Ärger heraus zu entlassen. (cbe)