England

US-Diplomaten-Gattin verursacht tödlichen Unfall, beansprucht Immunität und flüchtet

Der Ort der Unfalls: Der Luftwaffenstützpunkt RAF Croughton in der englischen Grafschaft Northamptonshire.

Der Ort der Unfalls: Der Luftwaffenstützpunkt RAF Croughton in der englischen Grafschaft Northamptonshire.

In England ist ein 19-jähriger Mann bei einem Verkehrsunfall verstorben, den die Frau eines US-Diplomaten verursachte. Die Frau ist mittlerweile in die USA «geflüchtet».

In Grossbritannien ist es zu einem tragischen Autounfall gekommen, der nun transatlantische Spannungen zwischen London und Washington verursacht. Die Gründe:

Vor den Toren des Royal Air Force Luftwaffenstützpunkt RAF Croughton in der englischen Grafschaft Northamptonshire ereignete sich ein Autounfall. Eine US-Diplomaten-Gattin kam dabei mit ihrem Geländewagen auf die falsche Fahrbahn und kollidierte dort frontal mit einem entgegenkommenden Motorrad, das über die Fahrbahn geschleudert wurde. Der 19-jährige Motorradfahrer Harry Dunn verunfallte dabei schwer und verstarb kurz darauf in einem Spital.

Die 42-jährige Frau wurde von der Polizei befragt und als Verdächtige in einem tödlichen Unfall behandelt. Als ausländische Staatsbürgerin musste sie der Polizei versprechen, das Land nicht zu verlassen, bis die Untersuchungen abgeschlossen sind – eine eigentlich gängige Praxis. In einem vorliegenden Bericht lobte die Polizei die «zuvorkommende und allumfassende Kooperationsbereitschaft» der Frau. Das war am 27. August, als der Unfall passierte.

USA sollen Immunität aufheben

Nun, mehrere Wochen später kam die Frau der Polizei zuvor und machte Immunität geltend. Diese verunmöglicht es den britischen Behörden, die Frau für ihr Vergehen vor Gericht zu stellen. Für die leitende Ermittlerin, Police Superintendent Sarah Johnson, ein herber Rückschlag. «Es ist bedenklich, dass die verdächtige Frau, die wir anklagen wollten, das Land mittlerweile verlassen hat und zurück in die USA geflüchtet ist.»

In Grossbritannien sorgte der Fall für immense Aufmerksamkeit in der Bevölkerung und den Medien. Auch das britische Parlament schaltete sich mittlerweile ein und forderte die USA dazu auf, die Immunität der Frau aufzuheben. Der britische Aussenminister Dominic Raab habe die amerikanische Botschaft in London dazu aufgerufen, die Immunität der Beschuldigten aufzuheben.

Und auch Premierminister Boris Johnson äusserte sich zum Vorfall. Gegenüber britischen Medien sagte er, es sei absolut falsch, das Gut der diplomatischen Immunität für einen solchen Zweck zu nutzen. «Ich werde persönlich beim Weissen Haus fordern, die US-Bürgerin an uns auszuliefern», damit so Gerechtigkeit geschaffen werden könne.

«Es ist nicht das erste Mal, dass Diplomaten versuchen, davonzukommen»

Die US-Botschaft in London hatte derweil betont, dass die diplomatische Immunität von US-Staatsangestellten «in der Regel selten» aufgehoben werde. Man würde den Fall jedoch prüfen.

Die britische Polizei kündigte daraufhin an, dass man alle diplomatischen und gesetzlichen Möglichkeiten ausschöpfen werde, um die Frau «zur Rechenschaft» zu ziehen und zitierte dazu auch den Vater des Verstorbenen, Tim Dunn: «Es ist schrecklich. Die Entscheidung der Frau heisst im Grunde, dass man tun kann, was man will, wenn man Diplomatin ist, das ist falsch.» Es könne nicht sein, dass man ohne Konsequenzen töten und dann verschwinden könne.

Andrea Leadson, die ehemalige Lordpräsidentin des britischen Parlaments, verurteilte das Vorgehen scharf. «Wir werden alles dafür tun, um sicherzustellen, dass Harry Gerechtigkeit bekommt.» Denn es sei international nicht das erste Mal, dass Diplomaten oder deren Angehörige Unfälle und Todesfälle verursachten oder sogar Morde begingen und dabei meistens eine Bestrafung unter dem Vorwand der Immunität vermeiden konnten.

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