US-Wahlen

Trumps letzte Hoffnung: Rutscht Biden auf seinem Öl-Kommentar aus?

Melania Trump (mit Maske) und Jill Biden gesellten sich nach der Debatte zu ihren Ehemännern.

Melania Trump (mit Maske) und Jill Biden gesellten sich nach der Debatte zu ihren Ehemännern.

Der Demokrat liefert dem Wahlkampfteam von Donald Trump neue Munition. Sein Hauptziel aber verfehlte Trump in der letzten TV-Debatte.

Die Fernsehdebatte war schon fast zu Ende, da geriet der Herausforderer von US-Präsident Donald Trump ins Stolpern. Als Joe Biden in der 89. Minute von Trump gefragt wurde, ob er die Öl-Industrie herunterfahren würde, weil sie die Umwelt verschmutze, sagte Biden sinngemäss: Ja. «Das ist eine Ansage», gab der Republikaner zurück und setzte einen erstaunten Gesichtsausdruck auf.

Als Präsident würde er die Subventionen für die Ölindustrie stoppen, ergänzte Biden. Trump blickte direkt in die Kameras und richtete das Wort an die Menschen in den umkämpften Swingstates Texas, Ohio und Pennsylvania: Er hoffe, dass die Wähler sich an diese Aussage erinnern würden, sagte Trump.

Munition für den angezählten Trump

Die Öl-Industrie ist ein heisses Eisen in den USA. Rund zehn Millionen Jobs hängen indirekt von ihr ab. Die Benzinpreise, die unter anderem dank der Subventionen so tief sind, sind ein wichtiges Politikum - auch für vermeintliche Biden-Wähler.

Biden weiss, dass er wenige Tage vor dem Ende des Wahlkampfes seinem Kontrahenten keine Munition liefern sollte. Also präzisierte er seine Stellungnahme später und wies darauf hin, dass der Ablösungsprozess, weg von der Öl-Industrie hin zu «Grüner Energie», mindestens 30 Jahre dauern wird.

Das Trump-Lager wird diese Präzisierung ignorieren und Biden in der Schlussphase des Wahlkampfes als radikalen Umweltschützer porträtieren, der eine Stütze der amerikanischen Volkswirtschaft abschaffen wolle. Mag sein, dass es Wähler gibt, die deshalb das Lager wechseln. Aber allzu gross ist diese Gruppe nicht. Meinungsumfragen zeigen, dass neun von zehn Wählern sich ihre Meinung gemacht haben und nicht mehr umzustimmen sind. Auch deshalb gaben bereits mehr als 50 Millionen Wähler ihre Stimme ab.

Entscheidend ist also nicht, was Biden während der letzten Debatte sagte. Entscheidend ist vielmehr, dass es dem Republikaner Trump erneut nicht gelang, das gute Image seines Kontrahenten zu beschädigen.

Wieso man Biden nicht mit Clinton vergleichen kann

Zur Erinnerung: Im Gegensatz zu Hillary Clinton, der demokratischen Kandidatin 2016, findet eine Mehrheit der Wählerinnen und Wähler Joe Biden sympathisch. Sie schätzen den Kontrast zum Amtsinhaber, der häufig absurde Behauptungen in die Welt setzt. Auch deshalb gibt es 2020 deutlich weniger Wähler, die – angewidert von den beiden grossen Parteien – mit einer Drittpartei flirten.

Trump wird sich von diesen Umfragen nicht abhalten lassen, weiter auf Biden einprügeln und ihn als korrupten Berufspolitiker karikieren. Biden wird diese Attacken, die sich um das Geschäftsgebaren seines 50 Jahre alten Sohnes Hunter drehen, parieren und – wie während der Debatte – zurückschlagen. An den Konturen des verrücktesten Präsidentschaftswahlkampfes der US-Geschichte wird sich damit nichts ändern.

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