Handelsstreit

Selbst US-Provinz gibt Trump schlechte Noten

Suzanne Shirbroun auf ihrem Sojafeld: Wütend auf Trump ist sie nicht.

Suzanne Shirbroun auf ihrem Sojafeld: Wütend auf Trump ist sie nicht.

Strafzölle belasten die Bauern in Iowa – profitieren könnten die Demokraten.

Auch in der Provinz ist Donald Trump eine höchst umstrittene Figur. Hunderte von Demonstranten versammelten sich am Donnerstag vor dem Northeast Iowa Community College in einem Vorort von Dubuque, um gegen einen Besuch des Präsidenten zu protestieren. Auf selbstgemalten Schildern waren Slogans wie «Treason» («Landesverrat») oder «Impeach» («Amtsenthebung») zu lesen.

Trump hielt sich auf Wunsch des lokalen Parlamentsabgeordneten Rod Blum in Iowa auf. Der Republikaner vertritt den ersten Wahlbezirk Iowas seit dreieinhalb Jahren im Repräsentantenhaus in Washington, und er kämpft derzeit um sein politisches Überleben. Sein Bezirk, sagen die Politbeobachter in der Hauptstadt einvernehmlich, könnte den Demokraten in den Schoss fallen – auch weil die kommende Parlamentswahl, die in gut 100 Tagen stattfinden wird, ein Referendum über die bisherige Amtszeit des Präsidenten sein wird. Selbst in Iowa beurteilt die Mehrheit der Wähler die Bilanz Trumps mit schlechten Noten.

Dennoch sucht Blum die Nähe zu Trump. Am Donnerstag lobte der Parlamentsabgeordnete, der früher ein Geschäftsmann war, den Präsidenten, der früher ein Geschäftsmann war, für «seinen politischen Mut», den Status quo infrage zu stellen. Blum sagte aber auch, dass Trump möglichst schnell neue Handelsverträge mit Partnerstaaten abschliessen müsse, damit Iowas Bauern mehr Sojabohnen, Mais oder Schweinefleisch exportieren könnten. Dabei dränge die Zeit. Er jedenfalls habe mit Handelsminister Wilbur Ross eine Wette abgeschlossen, ergänzte Blum, dass ein neues Abkommen mit Mexiko in spätestens 90 Tagen vorliegen werde.

Kaskade von Strafzöllen

In den Augen von Blums demokratischer Kontrahentin sind solche Stellungnahmen «heuchlerisch». Denn Abby Finkenauer ist der Meinung, dass Iowa für die Wirtschaftspolitik des Präsidenten bereits jetzt einen hohen Preis bezahle. Und dass sich Blum in Washington nicht energisch genug gegen die Kaskade von Strafzöllen und Vergeltungsmassnahmen wehre, unter denen Iowa leide. Sie jedenfalls, sagt Finkenauer, werde sich für die arbeitende Bevölkerung einsetzen, falls sie im November gewählt werde.

Finkenauer ist sich allerdings bewusst, dass der erste Wahlbezirk strukturkonservativ ist und die Wähler allzu kantige Positionsbezüge nicht goutieren. Der Demonstration vor dem Community College, in dem sich Trump über Ausbildungsfragen und den Zustand der lokalen Wirtschaft informieren liess, blieb sie darum fern.

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