Brand auf Fähre

Albtraum auf der «Norman Atlantic»: «Mein Schuhe beginnen zu schmelzen!»

Bei einem Brand auf der Fähre «Norman Atlantic» in der Adria ist ein Mensch ums Leben gekommen. Hunderte Menschen sassen auf der brennenden Fähre fest. Darunter auch zehn Schweizer. Am späten Sonntagabend war der Brand unter Kontrolle.

Die Lage auf der in Brand geratenen Autofähre «Norman Atlantic» im Mittelmeer ist nach Auskunft der Chartergesellschaft Anek am Sonntagabend unter Kontrolle gebracht worden. Es gebe «nur noch Rauch», sagte ein Anek-Sprecher der griechischen Nachrichtenagentur ANA.

Als Zeitpunkt, zu dem der Brand unter Kontrolle gebracht wurde, nannte der Sprecher 19.30 Uhr (MEZ). Die noch an Bord befindlichen Menschen sollte mit Strickleitern in Sicherheit gebracht werden, kündigte der Sprecher an. Das Stabilisieren der Autofähre sei noch nicht gelungen. Vielmehr sei eine Vertäuung an einem Schlepper wieder zerrissen.

Dramatische Szenen an Bord

Das Feuer breitete sich schnell über das Schiff aus, Augenzeugen schilderten griechischen Medien die Hitze und die Verzweiflung an Bord. "Der Boden brannte, als wir zum Rettungsboot gingen", sagte eine Frau, die gerettet wurde, dem Radiosender Skai. Ein anderer Reisender berichtete nach seiner Rettung: "Unsere Schuhsohlen begannen zu schmelzen."

Passagiere beschrieben per Telefon dramatische Szenen. "Wir sind auf der Brücke, wir sind nass und frieren und husten wegen des Rauchs", sagte ein Mann dem TV-Sender Mega.

Zwei gerettete Frauen, eine davon schwanger, und drei Kinder kamen in ein Spital in der süditalienischen Region Apulien. Die Kinder seien halbnackt im Wasser gewesen und litten an Unterkühlung, es gehe ihnen aber den Umständen entsprechend gut, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa. Die Eltern von zwei anderen geretteten Kindern seien noch auf der "Norman Atlantic".

Ein griechischer Journalist sagte dem Sender Skai, dass 31 Personen auf die Adria-Fähre "Cruise Europa" ausgeflogen wurden, mit der er selbst unterwegs gewesen sei.

Dramatische Rettung: Brennende Fähre vor der Küste Griechenlands

Dramatische Rettung: Brennende Fähre vor der Küste Griechenlands

Sturmböen mit Windgeschwindigkeiten von bis zu hundert Stundenkilometern und hoher Wellengang behinderten die Rettung der 478 Menschen an Bord.

Unter den Passagieren der griechischen Fähre "Norman Atlantic" befanden sich zehn Schweizer Staatsangehörige. Bis zum späteren Nachmittag konnten sich nach Angaben des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) vorerst sechs von ihnen auf einem Rettungsschiff in Sicherheit bringen. Am Abend waren gemäss Ansa alle Passagiere in Sicherheit.

An Bord der fast ausgebuchten Fähre waren 422 Passagiere und 56 Crewmitglieder. Das Schiff der griechischen Anek Lines war auf dem Weg von Patras in Griechenland nach Ancona in Italien. Nachdem es nach einem Zwischenstopp die Insel Korfu passiert hatte, funkte die Besatzung am Sonntagmorgen gegen 3 Uhr morgens "S.O.S", da auf einem der Autodecks ein Feuer ausgebrochen war.

Die Retter kamen bei stürmischem Wind und Wellen kaum voran und konnten zunächst nicht an Bord. Bis zum Nachmittag konnten nach Angaben der griechischen Küstenwache mehr als 130 Menschen gerettet werden, darunter eine Schwangere und mehrere Kinder. Andere Quellen sprachen von 150 Geretteten. Doch blieben die Angaben dazu widersprüchlich.

Zudem wurde ein Toter geborgen, wie die italienische Küstenwache am Abend mitteilte. Der Mann sei vermutlich beim Sprung von Bord umgekommen.

Rettung aus der Luft

Am Nachmittag begann dann die Rettungsaktion aus der Luft. Helikopter holten Passagiere paarweise von der "Norman Atlantic", wie die Behörden mitteilten. Die Menschen wurden demnach auf ein in der Nähe kreuzendes Schiff geflogen. Die Teams arbeiteten unter Hochdruck, um noch vor Einbruch der Dunkelheit möglichst viele Menschen in Sicherheit zu bringen.

Nach Angaben des italienischen Marinesprechers Riccardo Rizotto waren vier Helikopter im Einsatz. Das manövrierunfähige Schiff treibe in Richtung der albanischen Küste. "Die Wetterbedingungen sind so schlecht, dass wir aussergewöhnlich viele Rettungskräfte brauchen", sagte er.

Der Grund für den Brandausbruch blieb zunächst unklar. Ungenaue Angaben gab es darüber, ob der Brand unter Kontrolle sei oder nicht.

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