Syrien

Russland baut militärische Präsenz im Nahen Osten massiv aus

Syrische Panzer in der Provinz Latakia (Archiv)

Syrische Panzer in der Provinz Latakia (Archiv)

Offenbar «so schnell wie möglich» will das russische Militär eine Operationsbasis für seine Luftwaffe an der syrischen Mittelmeerküste einrichten.

Dies berichtete am Sonntag die «Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung».

Nach Informationen des Blattes sollen in den letzten Wochen mehr als 100 Grossraumtransporter vom Typ AN-124 auf dem internationalen Flughafen von Latakia gelandet sein. Dieser befindet sich 24 Kilometer südlich der syrischen Hafenstadt und wird nun zu einem Luftwaffenstützpunkt aus– und umgebaut. Die Bauarbeiten haben nach Erkenntnissen westlicher Diplomaten im Libanon schon im Mai oder Juni begonnen.

Ausbau des Flughafens

Am letzten Donnerstag hatte der private amerikanische Geheimdienst Stratfor eine Reihe von Satellitenaufnahmen von dem Stützpunkt bei Latakia veröffentlicht, die am 4. September gemacht wurden. Danach ist ein neuer Tower für die Flugverkehrskontrolle bereits fertiggestellt worden. Parallel zur 2915 Meter langen Start– und Landebahn werden neue Rollbahnen planiert und geteert. Zudem entstehen mehrere zusätzliche Bunker und Parkflächen für Kampfhelikopter.

Auf einem riesigen, neu asphaltierten Areal nördlich der Basis stehen Dutzende von Containern, in denen russische Militärberater oder Wachsoldaten untergebracht werden sollen oder bereits worden sind. Laut «FAZ am Sonntag» handelt es sich um 300 Mann der 810. Brigade der Marineinfanteristen, die von Sewastopol auf der Krim nach Syrien verlegt wird.

Angriff auf IS

Zeitgleich mit den Bauarbeiten auf der Basis von Latakia haben russische Militärberater auch damit begonnen, die bestehenden syrischen Luftwaffenbasen bei Homs, Damaskus und Sweida (im Süden des Landes) zu inspizieren. Militärexperten in Beirut gehen davon aus, dass in Zukunft verstärkt moderne russische Kampfhelikopter (mit syrischen Co-Piloten) zum Einsatz kommen. Dass russische Jets Positionen des Islamischen Staats (IS) in Syrien angreifen werden, gilt als sicher. Um die strategischen Pläne Moskaus zu durchkreuzen, haben der IS und die mit al-Kaida liierte Nusra-Front zuletzt syrische Luftwaffenbasen in Zentral– und Ost-Syrien angegriffen. Ein Stützpunkt in der Provinz Idlib konnte erobert werden.

Nach Einschätzung der Stratfor-Analysten wird das bevorstehende Eingreifen des russischen Militärs aufseiten der Assad-Armee den zuletzt recht erfolgreichen Offensiven islamistischer Rebellenverbände ihren Schwung nehmen. Dadurch könnte die Position Moskaus in zukünftigen politischen Verhandlungen zur Lösung des Konfliktes gestärkt werden.

Eine solche Entwicklung ist freilich nur dann denkbar, wenn Moskau auf Distanz zu Syriens Staatschef Baschar el-Assad geht oder dem Westen zumindest signalisiert, dass die Zusammenarbeit mit dem Diktator in Damaskus keine langfristige Perspektive mehr hat. Ein Umdenken in dieser Frage haben russische Diplomaten und Kreml-Analysten bereits angedeutet. Es ist allerdings unvorstellbar, dass Putin Assad schon jetzt, da er militärisch geschwächt ist und sein Militär die Vorstösse der Rebellen nur noch mit Mühe abwehren kann, fallen lassen wird.

Nach Informationen der FAZ sowie des Beiruter «Safir» wird Wladimir Putin bei seiner Rede auf der Vollversammlung der Vereinten Nationen am 28. September eine globale Anti-Terror-Koalition vorschlagen. Ob zu diesem Zeitpunkt der neue russische Luftwaffenstützpunkt bei Latakia bereits genutzt werden kann, bleibt abzuwarten. Experten rechnen zumindest mit «symbolischen Angriffen» der Russen auf IS-Ziele in Syrien vor Putins AmerikaReise.

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