Kontroverse

Protest gegen Nobelpreis-Gewinner Handke – Kosovo boykottiert Verleihungszeremonie

Peter Handke ging bei seiner Nobelvorlesung nicht auf die Kontroverse um seine Haltung im Jugoslawien-Konflikt ein.

Peter Handke ging bei seiner Nobelvorlesung nicht auf die Kontroverse um seine Haltung im Jugoslawien-Konflikt ein.

Aus Protest gegen die Vergabe des Literaturnobelpreises an den österreichischen Schriftsteller Peter Handke will Kosovo die Verleihungszeremonie am Dienstag boykottieren.

Das Aussenministerium des Kosovo teilte am Samstag im Onlinedienst Facebook mit, dass seine Botschafterin in Schweden, Shkendije Geci Sherifi, nicht an der Zeremonie im Stockholmer Konzerthaus teilnehmen werde. Dort hielten die beiden Nobelpreisträger Peter Handke (2019) und Olga Tobarczuk (2018) ihre Preisvorträge.

Sherifi boykottiere die Veranstaltung "wegen des umstrittenen Nobelpreisgewinners Peter Handke, eines Freundes und Anhängers der Politik von Milosevic", schrieb der kosovarische Aussenminister Behgjet Pacolli nach Angaben des schwedischen Senders SVT auf Facebook. Alle nach Schweden entsandten ausländischen Botschafter werden traditionell zu der Preisverleihung eingeladen.

Peter Englund bei einer Medienkonferenz.

Peter Englund bei einer Medienkonferenz.

Zuvor war bereits bekannt geworden, dass Peter Englund, Mitglied der Schwedischen Akademie, seine Teilnahme an der Zeremonie abgesagt hat. "Ich werde nicht an der diesjährigen Nobelwoche teilnehmen. Peter Handkes Nobelpreis zu feiern, wäre für mich eine grobe Heuchelei", schrieb der 62-jährige Autor, der in den 1990er-Jahren für die schwedische Tageszeitung "Dagens Nyheter" vom Balkankrieg berichtet hatte.

Wegen seiner pro-serbischen Haltung während der Balkan-Kriege löst Handke bis heute heftige Kontroversen aus. Kritik provozierte er auch 2006 mit einer Rede bei der Beerdigung des wegen Kriegsverbrechen und Völkermords angeklagten einstigen serbischen Staatschefs Slobodan Milosevic.

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