Vielen Italienern dürfte es vorkommen, als befinde sich ihr Land in einer Endlos-Schleife: Wie schon im fernen 1994 und dann bei weiteren vier Parlamentswahlen werden im Belpaese auch in diesem Wahlkampf wieder überall Plakate mit dem Schriftzug «Berlusconi Presidente» aufgehängt. Dreimal war der Mailänder Multimilliardär damit erfolgreich gewesen, nämlich 1994, 2001 und 2008.

Diesmal gibt es allerdings einen kleinen Unterschied: Selbst im Falle eines Wahlsiegs seiner Koalition könnte Berlusconi nicht selber «Presidente» der Regierung werden. Aufgrund einer Vorstrafe wegen Steuerbetrugs aus dem Jahr 2013 darf er noch bis 2019 keine öffentlichen Ämter bekleiden, auch nicht für solche kandidieren.

Doch bezüglich der Auslegung von Regeln und Gesetzen hat sich der Ex-Premier schon immer kreativ gezeigt. Letztlich ist und bleibt der 81-Jährige trotz seines Alters, seiner Prozesse, Vorstrafen und Skandale der starke Mann in Italiens Rechtslager.

Das lässt sich auch daran ablesen, dass der Pakt für ein neues Rechtsbündnis wie schon in früheren Jahren in Berlusconis riesiger Renaissance-Villa in Arcore bei Mailand geschlossen wurde: Der «Capo» lässt seine Koalitionspartner antanzen.

Italiens Déjà-vu

Nicht nur der Ort des Treffens, sondern auch das Bündnis ist ein Déjà-vu: Die Partnerparteien von einst heissen nun zwar anders, doch sie sind dieselben, die schon 1994 mit Berlusconi in die Wahlschlacht gezogen waren.

Die Lega Nord nennt sich nun nur noch Lega und will mit den Ausländer-Raus-Parolen ihres Chefs Matteo Salvini punkten, die postfaschistische Alleanza Nazionale wurde zu den «Fratelli d’Italia» von Giorgia Meloni (ehemalige Jugendministerin von Berlusconi) und Ignazio La Russa (ehemaliger Verteidigungsminister von Berlusconi). Auch die Christdemokraten sind wieder an Bord; sie heissen nicht mehr UDC, sondern «Noi per l’Italia».

Das Wahlprogramm unterscheidet sich kaum von früheren – versprochen werden teure Steuersenkungen. Salvini möchte eine «Flat Tax» (Einheitssteuersatz) von 15 Prozent einführen, Berlusconi will 23 Prozent. So oder so würde dies zu Einnahmenausfällen in Milliardenhöhe führen.

Ausserdem verspricht das Berlusconi-Bündnis, die ungeliebte Rentenreform der Regierung Monti rückgängig zu machen, mit der im Jahr 2012 das Rentenalter erhöht worden war. Kostenpunkt laut der Rentenversicherung: rund 350 Milliarden Euro – und das bei einem stark defizitären Staatshaushalt, bei dem um jede einzelne Milliarde verbissen gekämpft wird.

Das illusionäre Programm ändert nichts daran, dass das Rechtsbündnis in den aktuellen Umfragen vorne liegt. Berlusconis Forza Italia und die Lega kommen auf je 15 Prozent, den Postfaschisten und den Christdemokraten werden je etwa 5 Prozent zugetraut. Damit käme die Armada des «Presidente» auf 40 Prozent und schon fast in die Nähe einer Regierungsmehrheit.

Die Stärke des Ex-Premiers ist in nicht unerheblichem Mass der Schwäche der politischen Gegner geschuldet: der Zerstrittenheit des sozialdemokratischen Partito Democratico von Regierungschef Paolo Gentiloni und dem Dilettantismus der Protestpartei des Ex-Komikers Beppe Grillo.

Allerdings: Auch im Rechtsbündnis gärt es unter der Oberfläche. Berlusconi und Salvini können sich nicht ausstehen; daneben gibt es politische Differenzen insbesondere in der Europafrage. Eine weitere, nicht ganz unerhebliche Frage bleibt ungelöst: Weil Berlusconi nicht darf und Salvini wegen seiner Extrempositionen nicht infrage kommt, fehlt dem Bündnis noch ein halbwegs valabler Premier-Kandidat.