Guterres, dessen Mandat für fünf Jahre gilt, rief in seiner Rede vor den UNO-Diplomaten zu einem Ende des Bürgerkrieges in Syrien und zum Kampf gegen Extremismus auf.

Die UNO-Vollversammlung, der alle 193 Mitgliedsstaaten angehören, bestätigten wie erwartet die Nominierung des Sicherheitsrates. Das mächtigste UNO-Gremium hatte vergangene Woche einstimmig eine Resolution zur Wahl von Guterres beschlossen. Dieser löst nun am 1. Januar den Südkoreaner Ban Ki Moon ab, der zehn Jahre an der Spitze der UNO gestanden hatte. Bis dahin soll Guterres mit seinem Übergangsteam Büros gegenüber dem UNO-Sitz in New York beziehen.

Appell für Ende des Krieges in Syrien

Der frühere portugiesische Regierungschef ging in seiner Rede vor der Vollversammlung auf die derzeitige Spaltung des Sicherheitsrates hinsichtlich des Bürgerkrieges in Syrien ein. "Welche Differenzen jetzt auch immer bestehen mögen - es ist wichtiger zu einen", sagte er.

Es gebe "eine moralische Pflicht für alle, dem Leiden des syrischen Volkes ein Ende zu setzen". "Es ist höchste Zeit, für den Frieden zu kämpfen", appellierte Guterres.

Gegen Terror und Fremdenfeindlichkeit

Als weitere Schwerpunkte seiner künftigen Arbeit nannte er den Kampf gegen "Terrorgruppen und gewalttätige Extremisten" sowie gegen Äusserungen "des Populismus und der Fremdenfeindlichkeit".

Der UNO-Sicherheitsrat liegt derzeit im Syrien-Konflikt über Kreuz. Ein Resolutionsentwurf Frankreichs, in dem ein sofortiges Ende der Luftangriffe auf die nordsyrische Metropole Aleppo gefordert wurde, war am Samstag am Veto von Russland gescheitert, das mit dem syrischen Machthaber Baschar al-Assad verbündet ist. Kurz darauf scheiterte ein russischer Gegenvorschlag.

Guterres tritt in die Fusstapfen dieser ehemaligen Generalsekretäre:

Ban würdigte Guterres vor der Vollversammlung als renommiert und engagiert. So habe er sich bereits an den "Frontlinien bewaffneter Konfliktlinien und humanitärer Not" profiliert. Guterres' Antrieb stehe im Einklang mit den Zielen der Vereinten Nationen: "Zusammenarbeit für das Allgemeinwohl und geteilte Verantwortung für die Menschen und den Planeten."

Der 67-jährige Guterres, der von 1995 bis 2002 die Regierung in Portugal leitete, wird der erste frühere Regierungschef an der Spitze der UNO. Für ihn sprechen seine grosse Erfahrung bei den Vereinten Nationen und seine Bilanz als Reformer.

Reformer im UNO-Flüchtlingskommissariat

Guterres war nach seiner Zeit als Ministerpräsident von 2005 an zehn Jahre lang UNO-Flüchtlingskommissar. In dieser Zeit reduzierte er den Verwaltungsapparat des UNHCR in Genf um ein Drittel und steigerte die Flexibilität der Organisation bei der Reaktion auf internationale Krisen.

Der UNO-Generalsekretär steht einem Apparat von weltweit 44'000 Mitarbeitern vor und spielt auch eine politische Rolle, indem er Krisengebiete bereist, mit Spitzenpolitikern zusammenkommt und innerhalb der Weltorganisation eigene politische Schwerpunkte setzt.

Es wurde erwartet, dass Guterres der UNO eine stärkere Stimme verleiht als bisher. Ban wird vorgeworfen, zu zögerlich agiert zu haben.

"Jeder ist bei Ban sehr höflich, aber seien wir ehrlich: Jeder weiss, dass er kein starker Generalsekretär war - weder bei internen Reformen noch bei äusserer Führung", sagte ein Diplomat im UNO-Sicherheitsrat.

Nach den ungeschriebenen regionalen Verteilungsprinzipien der UNO wäre eigentlich ein Vertreter aus Osteuropa an der Reihe gewesen. Viele hatten für eine Frau plädiert - alle bisherigen Generalsekretäre waren Männer. Im Gespräch war unter anderem die Vizepräsidentin der EU-Kommission, die Bulgarin Kristalina Georgiewa, gewesen.