Nahost

Nach Tötung von Palästinas Dschihad-Chef Al Ata gehen in Israel 150 Raketen nieder

Israel unter Raketenbeschuss nach Angriff auf "Islamischen Dschihad"

Israel unter Raketenbeschuss nach Angriff auf "Islamischen Dschihad"

Israel hat den Militärchef der Terror-Organisation "Islamischer Dschihad" im Gaza-Streifen getötet. Daraufhin feuerte die militante Palästinenserorganisation rund 50 Raketen auf Israel ab.

Israel hat einen Militärchef der militanten Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad bei einem nächtlichen Luftangriff gezielt getötet. Militante Palästinenser reagierten auf den Tod von Baha Abu Al Ata und dessen Ehefrau am Dienstag mit massiven Raketenangriffen auf israelische Gebiete.

Auch in Tel Aviv heulten mehrmals die Sirenen, Explosionen waren zu hören. Nach Angaben des israelischen Aussenministeriums wurden mehr als 150 Raketen abgefeuert. 60 davon seien vom Abwehrsystem Iron Dome (Eisenkuppel) abgefangen worden.

Bei weiteren gezielten israelischen Luftangriffen im nördlichen Gazastreifen wurden zwei Dschihad-Mitglieder getötet, die nach Armeeangaben Raketen auf Israel abfeuern wollten.

Der Dschihad nannte den tödlichen Angriff auf seinen Militärchef eine "Kriegserklärung" Israels, es seien damit "alle roten Linien überschritten" worden. Nach syrischen Angaben wurden bei einem weiteren Angriff der israelischen Luftwaffe auf einen anderen Dschihad-Führer in Damaskus zwei Menschen getötet.

Netanjahu: "Tickende Bombe"

De israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu beschrieb Abu Al Ata als "den zentralen Verantwortlichen für Terrorattacken aus dem Gazastreifen". Nach Beratungen des Sicherheitskabinetts in Tel Aviv sagte Netanjahu, der Militärchef stehe hinter Angriffen mit hunderten von Raketen und sei dabei gewesen, neue Attacken zu planen. "Er war eine tickende Bombe."

Gleichzeitig betonte Netanjahu, Israel sei nicht an einer weiteren Eskalation interessiert. Israels Armeechef Avi Kochavi sagte, notfalls sei das Militär zu weiteren gezielten Tötungen bereit.

Die Eskalation befeuerte die Furcht vor einem neuen Gaza-Krieg und löste international Besorgnis aus. Nach Medienberichten bemühen sich Ägypten und die Vereinten Nationen hinter den Kulissen intensiv um eine Beruhigung der Lage.

Mehrere Verletzte in Israel

Aus dem Gazastreifen abgefeuerte Raketen schlugen nach israelischen Medienberichten direkt in Häusern in Netivot und Kerem Schalom im Süden Israels sowie auf einer stark befahrenen Schnellstrasse südlich von Tel Aviv ein. Nach Angaben des Rettungsdienstes Magen David Adom erlitten rund 40 Israelis bei Raketenangriffen Verletzungen.

In Israel blieben Schulen und Büros vom Süden bis zum Zentrum geschlossen. Der Zugverkehr nahe dem Gazastreifen wurde laut Medienberichten teilweise gestoppt. Die Armee verlegte nach eigenen Angaben verstärkt Truppen ins Grenzgebiet. Die beiden Grenzübergänge von Israel in den Gazastreifen blieben bis auf weiteres geschlossen.

Die Europäische Union forderte ein sofortiges Ende der Raketenangriffe aus dem Gazastreifen und eine rasche Beruhigung der Lage, um das Leben von Israelis und Palästinensern zu schützen.

Gezielte Tötung auch in Damaskus?

In Damaskus schlugen am Morgen nach Angaben der staatlichen syrischen Agentur Sana zwei Raketen in einem Wohnsitz des Dschihad-Führers Akram Al-Adschuri ein. Neben Al-Adschuris Sohn sei auch eine zweite Person ums Leben gekommen.

Abu Al Ata war ein Anführer der Al-Kuds-Brigaden, des bewaffneten Arms des Islamischen Dschihad im Gazastreifen. Sie gilt als zweitstärkste Extremistenorganisation nach der islamistischen Hamas. In der Vergangenheit hatten beide Organisationen blutige Terroranschläge in Israel verübt.

In der Vergangenheit hatte Israel immer wieder gezielt militante Palästinenser getötet, darunter auch Führungsmitglieder der Hamas. Nach dem Gaza-Krieg 2014 hatte das Militär im Rahmen einer Waffenruhe diese Praxis jedoch weitgehend unterlassen.

Israel hatte während des Sechstagekrieges 1967 unter anderem das Westjordanland und den Gazastreifen erobert. Es hat vor zwölf Jahren eine Blockade des Gazastreifens verschärft, die von Ägypten mitgetragen wird. Beide Länder begründen dies mit Sicherheitsinteressen. Die Hamas wird von der Europäischen Union, Israel und den USA als Terrororganisation eingestuft - nicht aber von der Schweiz. Die Hamas hat sich die Zerstörung Israels auf die Fahnen geschrieben.

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