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Nach dem Tod von George Floyd: Ausschreitungen in amerikanischen Grossstädten dauern an

Amerikanerinnen und Amerikaner von überall protestieren auf den Strassen. Hier ein Bild aus Colorado Springs.

Amerikanerinnen und Amerikaner von überall protestieren auf den Strassen. Hier ein Bild aus Colorado Springs.

Chaotische Zustände in amerikanischen Metropolen: In der Nacht auf Sonntag sind Proteste gegen Polizeibrutalität erneut eskaliert. In Städten wie New York City und Washington lieferten sich Demonstranten heftige Scharmützel mit Ordnungshütern.

Bilder von aufgebrachten Demonstrierender, brennenden Polizeifahrzeugen und zerstörten Ladengeschäften: Auch in der Nacht auf Sonntag glichen einige Quartiere in amerikanischen Metropolen einem Kriegsgebiet. Trotz der massiven Präsenz von Ordnungshütern und Ausgangssperren versammelten sich in New York City, Chicago, Philadelphia, Miami oder Washington Hunderte von Demonstranten, um gegen Polizeibrutalität zu protestieren. Zahlreiche dieser Proteste eskalierten in den späten Nachtstunden. So wurden Polizeifahrzeuge in Brand gesetzt und Ladengeschäfte geplündert; auch lieferten sich Aktivisten und Ordnungshüter kleinere Gefechte, bei denen Tränengas zum Einsatz kam und Steine flogen. In Chicago und Indianapolis (Indiana) starben zwei Menschen am Rande der Protestzüge.

Ein Wagen der Chicago Police steht in Flammen.

Ein Wagen der Chicago Police steht in Flammen.

Auslöser der Demonstrationen war der Tod des Afroamerikaners George Floyd. Der 46-Jährige starb am vergangenen Montag in Minneapolis (Minnesota) in Polizeigewahrsam, nachdem ihn vier Polizisten mit grosser Brutalität festgenommen hatten. Das Delikt, das ihm vorgeworfen wurde? Floyd hatte angeblich beim Kauf von Zigaretten Falschgeld eingesetzt. Gegen den federführenden Polizisten leitete der lokale Staatsanwalt des Bezirks Hennepin County, zu dem auch die Stadt Minneapolis gehört, am Freitag ein Verfahren wegen Mordes und Totschlags ein. Auch nahm das Justizministerium in Washington Ermittlungen gegen die vier Polizisten, die mittlerweile entlassen wurden, auf.

Ausschreitungen in den USA: Schlägereien, Plünderungen und ein Polizeiauto, das in Demonstranten fährt

Ausschreitungen in den USA: Schlägereien, Plünderungen und ein Polizeiauto, das in Demonstranten fährt

Dieser Schritt führte zumindest in Minneapolis dazu, dass sich die Lage etwas beruhigte. Die Ausgangssperre, die am Samstagabend in Kraft trat, sei weitgehend beachtet worden, schrieb die Lokalzeitung «Star Tribune» am Sonntag. Allerdings war auch in Minneapolis und dem benachbarten St. Paul ein massives Aufgebot von Ordnungskräften im Einsatz: So patrouillierten mehr als 4000 Angehörige der Nationalgarde, die von Gouverneur Tim Walz befehligt wurden.

In anderen Städten aber war der Tod Floyds – und die anfänglich zögernde Reaktion der Behörden auf die sich rasch eskalierende Situation – der sprichwörtliche Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. So demonstrierten junge Afroamerikanerinnen und -amerikaner in Washington oder New York City nicht nur gegen Polizeibrutalität; die Protestzüge waren auch ein Ventil, um den Frust über die gesundheitliche und wirtschaftliche Krise abzubauen, mit dem sich gerade auch afroamerikanische Familien konfrontiert sehen. Experten weisen seit einigen Wochen darauf hin, dass dunkelhäutige Amerikanerinnen und Amerikaner überdurchschnittlich vom Corona-Virus betroffen sind.

Eine aufgebrachte Frau spricht zu anderen Protestierenden in Charlotte.

Eine aufgebrachte Frau spricht zu anderen Protestierenden in Charlotte.

Und – natürlich, ist man fast versucht zu sagen – richteten sich die Proteste auch gegen Donald Trump. Der Präsident hatte am Samstag erstmals formal Stellung zu den Protesten genommen. In einer Rede in Florida, in der er auch den ersten geglückten Start einer kommerziellen Weltraum-Mission feierte, nannte Trump den Tod Floyds eine Tragödie. Er sagte: «Ich stehe vor Ihnen als ein Freund und Verbündeter jedes Amerikaners, der nach Gerechtigkeit und Frieden strebt.» Der Präsident sagte aber auch, er werde es nicht zulassen, dass das Andenken an Floyd in Schmutz gezogen werde. «Was wir jetzt auf unseren Strassen sehen, hat nichts mit Gerechtigkeit oder mit Frieden zu tun.» Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter sprach Trump später den Ordnungshütern Mut zu und warf Politikern vor, dass sie der Polizei Fesseln anlegten.

Protestierende in einem zerstörten 7-Eleven-Laden in Chicago.

Protestierende in einem zerstörten 7-Eleven-Laden in Chicago.

Das ist eine Rhetorik, die Erinnerungen an den Wahlkampf 2016 weckt. Bereits damals hatte sich Trump als Fürsprecher einer starken Staatsgewalt hervorgetan, die wenig Geduld mit Demonstranten zeige. Auch behauptete er immer wieder, dass friedliche Proteste von linksradikalen Kreisen instrumentalisiert würden. Ähnliche Töne schlug am Samstag Justizminister William Barr an. Er sprach von herumreisenden Anarchisten, die angeblich «an vielen Orten» die Federführung der Protestzüge übernommen hätten. Für diese Behauptung, die übrigens auch von Gouverneur Walz in Minnesota wiederholt wurde, gibt es derzeit aber keine Beweise.

Interessant in diesem Zusammenhang ist der Kontrast mit Trumps designierten Kontrahenten Joe Biden. Beide Präsidentschaftskandidaten sprachen in den vergangenen Tagen mit den Angehörigen von George Floyd. Das Gespräch mit Biden dauerte gegen 30 Minuten, wie der Anwalt der Familie sagte. Die Unterhaltung mit dem Präsidenten sei hingegen sehr kurz gewesen. Floyds Bruder sagte am Samstag:

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