Limburg (D)

Mann fährt mit gestohlenem Lastwagen in Autos – laut Hessischem Innenminister Terrorakt wenig wahrscheinlich

Die ersten Erkenntnisse zum Vorfall am Montagabend in Limburg deuten an, dass der Fahrer des Lastwagens keine Verbindung in die gewaltbereite islamistische Szene hatte. Der Mann wird noch heute dem Haftrichter vorgeführt.

Am Montagabend hat ein Lastwagen in der hessischen Stadt Limburg acht Autos gerammt. Dabei wurden acht Menschen verletzt, darunter auch der Fahrer. Der Fahrer ist ein 32-jähriger Syrer. Er wurde festgenommen.

Nach anfänglicher Unklarheit, ob es sich bei dem Zwischenfall um eine terroristische Tat handeln könnte, teilen die Behörden nun mit, dass es keine Hinweise auf Verbindungen des Tatverdächtigen in die gewaltbereite islamistische Szene gebe. Wie der hessische Innenminister Peter Beuth sagte, gelte das zumindest nach den derzeitigen Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden. Der Syrer sei allerdings polizeibekannt wegen gefährlicher Körperverletzung, Drogenbesitzes und Ladendiebstahls. Der «Spiegel» berichtete, der Asylantrag des Syrers sei am ersten Oktober abgelaufen.

Innenminister Beuth sagte weiter: "Auch wenn der Tathergang an die schrecklichen Anschläge von Nizza oder Berlin erinnert, ist das Motiv des festgenommenen Mannes nach wie vor unklar. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln mit Hochdruck."

Laut der «Frankfurter Allgemeine Zeitung»  halte sich der verdächtige 32-jährige Syrer seit 2015 in Deutschland auf. Ausserdem teilte die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main und das Landeskriminalamt mit, dass gegen den Mann wegen Verdachts eines versuchten Tötungsdelikts ermittelt wird. Der Syrer soll noch am Dienstag einem Haftrichter vorgeführt werden. Aussagen hat er noch nicht gemacht. 

Den Laster, mit dem der Syrer in die Autos rammte, stahl er zuvor von seinem eigentlichen Besitzer. Dieser sagte gegenüber der Zeitung «Frankfurter Neue Presse» der Syrer habe die Fahrertüre aufgerissen und ihn angestarrt. Er habe kein Wort geredet. «Dann hat er mich aus dem LKW gezerrt», so der Fahrer. Schon vor diesem Diebstahl soll der Verdächtige bereits bei anderen Lastwagen vergeblich versucht haben, die Kontrolle über das Fahrzeug zu bekommen. Laut der Zeitung soll der Syrer am Unfallort von mehreren Passanten erstversorgt worden sein. Dabei soll der Mann laut Aussagen von Passanten von «Allah» gesprochen haben. Zum Tathergang sagte ein Augenzeuge gegenüber «Focus online», dass der Lastwagen mit grosser Geschwindigkeit in die an einer Ampel wartenden Autos gerast sei.

Beim Aufprall wurden acht Menschen verletzt, niemand davon schwer. Von den acht Verletzten konnte eine Person nach medizinischer Versorgung vor Ort bereits entlassen werden. Sieben Personen wurden nach Behandlung noch in der Nacht aus dem Krankenhaus entlassen. Zuerst war die Rede von 17 Verletzten, die Zahl wurde dann von der Polizei nach unten korrigiert.

Laut dem Sender SWR wird auch eine psychisch bedingte Amokfahrt des Syrers für möglich gehalten. Ein aus Terror motivierte Tat wollte das Landeskriminalamt nicht bestätigen: „Wenn solche Ereignisse passieren, dann ist es Aufgabe der Polizei, natürlich in sämtliche Richtungen alle Möglichkeiten im Blick zu haben. Genau das machen wir. Und wir schließen momentan überhaupt nichts aus." Die Bundesanwaltschaft, die für Ermittlungen bei Terrorverdacht zuständig ist, sieht den Fall nicht in ihrer Zuständigkeit. Man habe das Geschehen aber im Blick, sagte ein Sprecher der Behörde gegenüber dem Sender ARD.

Die Polizei warnte mehrfach vor Spekulationen zum Tatmotiv. Auf Twitter schrieb sie: „Trolle oder wilde Spekulationen braucht niemand.“ Der deutsche Innenminister Horst Seehofer erklärte am Dienstagmorgen, dass der Hintergrund des Falles noch unklar ist.

Am frühen Morgen schlossen die Ermittler die Spurensicherung vor Ort ab. Der Lastwagen wurde zur weiteren Untersuchung der Polizei übergeben. Laut der Polizei wurde bereits am Montagabend eine Wohnung im Landkreis Offenbach durchsucht. Die Durchsuchung stehe mit dem Zwischenfall in Zusammenhang.

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