Mit dem neuen Arbeitsrecht hat Frankreichs Präsident Emmanuel Macron ein durchdachtes, letztlich ausgewogenes Projekt ohne soziale Härtefälle vorgelegt; die Opposition liess er geschickt ins Leere laufen, die Gewerkschaften dividierte er auseinander. Die Sache schien im Sack.

Und doch gerät sein ehrgeiziges Reformvorhaben in die Defensive. Eine Mehrheit von 57 Prozent der Franzosen ist laut Umfragen dagegen. Mit einer unbedachten Äusserung, seine Gegner seien «Faulenzer, Zyniker und Extreme», schaffte der reformwillige Präsident, wovon CGT-Boss Philippe Martinez nur noch träumen konnte: Er brachte halb Frankreich gegen sich auf und damit sogar gemässigte Gewerkschafter, Beamte und Studenten in die Protestfront.

Vermutlich wird Macron die Reform durchbringen. Aber zu welchem Preis? Ob die Liberalisierung des Arbeitsmarktes Jobs schafft, wird sich erst in Jahren weisen. Wichtiger schien der psychologische Effekt der Reform – die Aufbruchstimmung im Land. Doch wenn Macron nach den Gewerkschaften auch noch die Beamten und die Studenten auf die Strasse bringt, kommt der Elan zum Erliegen. Macron hat eine Menge «Faulenzer» gegen sich aufgebracht.

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