Mohammed bin Salman sparte nicht mit harten Worten. Der Raketenbeschuss auf Riad sei eine «eklatante und direkte militärische Aggression» des iranischen Regimes gegen Saudi-Arabien, die man als Kriegsakt betrachten könne, erklärte der Kronprinz. Teheran warf er vor, den schiitischen Huthi- Rebellen jene Raketen geliefert zu haben, die jetzt die saudischen Städte bedrohten.

Man behalte sich das Recht vor, zu gegebener Zeit und in angemessener Weise zu reagieren, sekundierte das Oberkommando der saudischen Kriegsallianz im Jemen, zu der auch die Emirate, Bahrain, Kuwait, Ägypten und Sudan gehören. Als ersten Schritt veröffentlichte das Königshaus jetzt eine Liste von vierzig «Huthi-Terroristen», auf die Kopfgelder zwischen zehn und dreissig Millionen Dollar ausgesetzt wurden.

Ähnlich gereizt agierte die Monarchie auch in Richtung Libanon. «Wir werden die Regierung des Libanon wegen der Hisbollah-Miliz als eine Regierung betrachten, die Saudi-Arabien den Krieg erklärt», polterte Riads Minister für Golf-Angelegenheiten, Thamer al-Sabhan, im Fernsehsender al-Arabija.

Der Libanon sei von der Hisbollah gekidnappt worden, und dahinter stecke der Iran. Ihre Kämpfer seien «in jeden Terrorakt» verwickelt, der das Königreich bedrohe, erklärte al-Sabhan und kündigte «in sehr naher Zukunft dramatische Ereignisse» an.

Ausgelöst wurden diese scharfen Drohungen durch den überraschenden Rücktritt des sunnitischen Regierungschefs Saad Hariri am Samstag. Seine Demission gab der 47-jährige Politiker nicht in Beirut, sondern in Riad bekannt mit der Begründung, die Hisbollah trachte ihm nach dem Leben.

Teheran auf dem Vormarsch

Und so könnten dem Krieg der Worte schon bald Taten folgen bis hin zu einer direkten Konfrontation zwischen den beiden Erzfeinden Saudi-Arabien und Iran. Denn trotz aller Drohgebärden von Kronprinz Mohammed und seinem Hauptverbündeten, US-Präsident Donald Trump, baut Teheran auf allen Schauplätzen des Nahen Ostens seine Machtstellung systematisch aus.

Den Strategen des iranischen Regimes schwebt ein ehrgeiziges Szenario vor: Quer durch die sunnitisch-arabische Welt wollen sie eine Schneise der Macht schlagen, die von Iran über Irak und Syrien bis in den Libanon reicht, und die von einer panschiitischen Milizenarmee gesichert wird.

Saudi-Arabien dagegen befindet sich überall in der Defensive. In Syrien haben die iranischen Hilfstruppen das Regime von Baschar al-Assad inzwischen so stabilisiert, dass der Diktator das Heft wieder weitgehend in der Hand hat. Im Libanon dominiert die Hisbollah mehr denn je das Geschehen. Im Irak spielten Teherans Milizen eine tragende Rolle beim Feldzug gegen den «Islamischen Staat» und der Rückeroberung von Mossul.

Nach dem Unabhängigkeitsreferendum der Kurden steuerten Teherans Revolutionäre Garden sogar die militärische Offensive mit, durch die Bagdad innerhalb von zwei Tagen sämtliche umstrittenen Gebiete mitsamt dem ölreichen Kirkuk wieder unter seine Kontrolle brachte. Vom Jemen aus verwickeln schiitische Huthi-Krieger saudische Grenztruppen regelmässig in verlustreiche Gefechte.

Die Trümmer der am Wochenende in Richtung Riad abgefeuerten Rakete gingen ausgerechnet auf dem König-Khaled-Flughafen nieder, dem internationalen Drehkreuz des Königreiches. Die Geschosse richteten zwar keinen Schaden an, weil sie von einer Patriot-Batterie abgefangen wurden.

Aber die Huthi-Führung kündigte bereits die nächsten Attacken an. «Alle Flughäfen, Häfen, Grenzübergänge und bedeutenden Areale in Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten werden direkte Ziele unserer Waffen sein», hiess es am Dienstag aus Jemens Hauptstadt Sanaa.