Würden amerikanische Politiker am Fliessband produziert, dann wäre Conor Lamb der perfekte Prototyp. Der 33-jährige Demokrat besitzt eine imponierende Biografie: Er studierte an einer Eliteuniversität, diente vier Jahre lang in den Streitkräften und arbeitete anschliessend als Staatsanwalt in Pittsburgh, wo er mit harter Hand gegen Drogenhändler und Waffenschieber vorging. Selbstverständlich profitiert der grossgewachsene junge Mann auch davon, dass er mit einem guten Aussehen gesegnet ist. Dies ist sogar dem Präsidenten der USA zu Ohren gekommen. «Ich höre, er sieht besser aus», sagte Donald Trump während eines Wahlkampfauftrittes über Conor Lamb. «Ich glaube aber, ich sehe besser aus. Ich glaube das wirklich. Echt.»

Lamb will am heutigen Dienstag in einem Wahlbezirk in den Vororten von Pittsburgh ins Repräsentantenhaus gewählt werden. Und obwohl dieser Bezirk als verlässlich republikanisch eingestuft wird – Trump schlug hier Hillary Clinton in der Präsidentenwahl 2016 mit einem Vorsprung von 20 Punkten –, liefert sich der zentristische Demokrat mit dem rechten republikanischen Kandidaten Rick Saccone ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

Es mangelt an Geld

Dies hängt zum einen damit zusammen, dass Saccone (60) ein lausiger Kandidat ist – dem es nicht nur an Charisma, sondern auch an Geld mangelt. (Dabei hat auch der Republikaner eine beeindruckende Lebensgeschichte vorzuweisen: So war er in den Neunzigerjahren in Nordkorea stationiert, wo er versuchte, das Kim-Regime von den Vorzügen der nuklearen Abrüstung zu überzeugen.) Bei seinem Fernseh-Wahlkampf ist Saccone deshalb auf die Hilfe seiner Partei angewiesen, die mehr als 9 Millionen Dollar in Werbespots investierte. (Das Budget der Demokraten beträgt mehr als 4 Millionen Dollar.)

Wichtiger aber ist, dass die Slogans der Republikaner in der strukturkonservativen Umgebung von Pittsburgh keine Wirkung zeigen. Saccone, der von sich sagt: «Ich war Trump bevor Trump Trump war», wirbt mit den Vorzügen der Steuerreform, die Ende 2017 im Schnellzugstempo von der republikanischen Mehrheit im nationalen Parlament verabschiedet wurde. Obwohl viele Amerikaner dank den niedrigeren Steuerfüssen, die zu Jahresbeginn in Kraft traten, nun mehr Geld in der Tasche haben, ist die Reform umstritten. Die Demokraten behaupten, dass in erster Linie der wohlhabende Teil der Bevölkerung von den Steuersenkungen profitiere. Recht verzweifelt versuchen die Republikaner deshalb, Lamb als Wasserträger der demokratischen Parteiführung darzustellen – so machen sie ihn für den Atomdeal mit Iran verantwortlich, der unter Präsident Barack Obama verabschiedet wurde.

Auch heisst es in einem Wahlwerbespot, Lamb sei ein Zögling von Nancy Pelosi. Die langjährige Fraktionschefin der Demokraten im Repräsentantenhaus diente von 2007 bis 2011 als Präsidentin («Speaker») der grossen Parlamentskammer in Washington; in Meinungsumfragen ist die linke Vorzeigefrau regelmässig eine der unbeliebtesten Politikerinnen des Landes. Lamb wies diese Attacken zurück. So versprach er, nicht für die Wiederwahl von Pelosi zu stimmen, sollten die Demokraten nach der Parlamentswahl im November 2018 erneut die Mehrheit im Repräsentantenhaus stellen.

Wer auch immer am Dienstag die Nase vorn haben wird: In den Augen der Politbeobachter ist die Nachwahl ein klares Signal an die Republikaner, dass sie sich im Wahljahr 2018 warm anziehen müssen.