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Junge russische Spionin wollte US-Waffenlobby unterwandern – und wurde erwischt

Die Russin Maria Butina.

Die Russin Maria Butina.

Marina Butina wurde ertappt, wie sie die NRA infiltrierte. Ihre Geschichte liest sich wie ein schlechter Agententhriller.

Als wolle das Justizministerium dem Präsidenten eine Botschaft senden: Am Samstag reichte die oberste Ermittlungsbehörde in Washington eine Strafanzeige gegen eine angebliche russische Agentin ein – die im Wahlkampf 2016 versucht hatte, einen geheimen Draht zwischen dem Wahlkampfteam von Donald Trump und russischen Regierungskreisen zu spannen. Bekannt wurde die Strafanzeige am Montag, kurz nach Ende des Gipfeltreffens zwischen Trump und seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin in Helsinki (Finnland). An diesem Treffen hatte Putin erneut bekräftigt, keinen Einfluss auf «interne Angelegenheiten» der USA genommen zu haben.

Bei der beschuldigten Russin handelt es sich um eine gewisse Maria Butina und ihre Geschichte liest sich wie ein schlechter Agententhriller. Demnach behauptet das Justizministerium, dass die 29-Jährige, im Auftrag des stellvertretenden russischen Notenbankchefs Alexander Torschin, seit mindestens 2013 rechte Republikaner ausspioniert habe – indem sie sich bei hochrangigen Vertretern von Lobby-Organisationen wie der National Rifle Organisation (NRA) einschmeichelte. Dabei habe sie häufig darüber gesprochen, dass sie in Russland eine Gruppe gründen wolle, die für das Recht auf Waffenbesitz eintrete, sagen frühere Gesprächspartner. Auch habe Butina immer wieder davon schwadroniert, dass sie die Beziehungen zwischen Moskau und Washington verbessern wolle. Dem Wahlkampfteam von Trump bot sie an, einen geheimen Gesprächskanal zum Kreml aufzubauen.

"Verschwörung, als Agent einer fremden Regierung zu agieren": Teile der Klage gegen Butina wurden öffentlich.

"Verschwörung, als Agent einer fremden Regierung zu agieren": Teile der Klage gegen Butina wurden öffentlich.

Erfolgreiche Arbeit

Amtliche Dokumente zeigen, dass die junge Russin bei ihrer Arbeit recht erfolgreich war – auch weil sie auf die Hilfe eines amerikanischen Politstrategen zurückgreifen konnte. Butina war es auch, die den damals frischgebackenen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump zu seiner ersten öffentlichen Stellungnahme über seine russlandpolitischen Ziele bewegte. Im Juli 2015 fragte sie Trump an einer Veranstaltung mit dem Namen «FreedomFest» in Las Vegas: «Wollen Sie die Sanktionspolitik fortsetzen, die beiden Volkswirtschaften einen derart grossen Schaden zufügt?» Trump sagte in seiner Antwort, dass er Putin persönlich kenne (was zum damaligen Zeitpunkt eine Lüge war) und er der Meinung sei, dass die Sanktionen in seiner Präsidentschaft nicht mehr notwendig sein würden. Später sagte Steve Bannon, ein enger Berater Trumps, dass ihn diese Antwort überrascht habe – weil der Kandidat zuvor nicht den Eindruck erweckt habe, als habe er sich über die Zukunft der amerikanisch-russischen Beziehungen Gedanken gemacht. Auch fand Bannon es seltsam, dass Butina überall auftauchte, wo sich konservative Aktivisten versammelten.

Butina, die an der American University in Washington studiert hatte, befindet sich in amerikanischem Polizeigewahrsam. Ihr Anwalt sagte am Montag, dass seine Klientin keine Spionin sei – sondern Interesse am politischen Betrieb in Amerika gezeigt habe. Auch gab er bekannt, dass sie bereits vor Monaten vor dem Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses ausgesagt habe.

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