Frankreich

Islamkritik: Wie eine 16-Jährige in Frankreich in die Instagram-Falle geriet

Löste eine heftige Debatte über Religion aus: die 16-jährige Mila.

Löste eine heftige Debatte über Religion aus: die 16-jährige Mila.

In Frankreich artete eine Internetdiskussion über Religion aus. Nun diskutiert die Nation über das Recht auf Blasphemie.

Mila ist 16. Die in den französischen Voralpen lebende Mittelschülerin schaut mit ihren hellen Augen drein, als könne sie kein Wässerchen trüben. Ausser, als sie im Januar im Internet mit Altersgenossen über sexuelle Dinge diskutierte. Als sie befand, sie stehe nicht auf Maghrebinerinnen, beleidigte sie ein Junge, der sie zuerst umworben hatte, wegen ihrer Homosexualität.

Der Livechat artete aus, Mila befand, sie hasse Religionen. «Der Islam ist eine Religion des Hasses, das ist scheisse. Eure Religion ist scheisse, eurem Gott stecke ich den Finger in den A...»

Damit war Feuer unterm Dach. Mila sah sich schwerstens beleidigt; ihre Identität wurde enthüllt und herumgereicht. Sie erhielt auch Morddrohungen und kann nicht mehr zu Schule gehen.

Sofort kam der Fall in die Medien, die Justiz eröffnete zwei Untersuchungen, eine wegen «Anstachelung zum Hass wegen Zugehörigkeit zu einer Religion» gegen Mila, eine zweite wegen Belästigung und Bedrohung gegen unbekannt.

Vergleiche mit Mohammed-Karikaturen

Justizministerin Nicole Belloubet meinte spontan, die Beleidigung einer Religion stelle eine Attacke auf die Gewissensfreiheit dar, auch wenn dies noch lange nicht eine gewalttätige Reaktion rechtfertige. Weniger bemüht um einen Ausgleich, stellte sich Marine Le Pen dezidiert hinter Mila.

Die Vorsteherin des Rassemblement National (RN) zog einen Vergleich zum Satiremagazin «Charlie Hebdo» und seinen Mohammed-Karikaturen, die 2015 zu einem Terroranschlag auf die Redaktion mit elf Todesopfern geführt hatten.

Die aggressiven Voten waren allerdings nicht angetan, eine Grundsatzdebatte über Religions- oder Islamkritik auszulösen. Das Reizthema polarisiert in Frankreich ohnehin zu stark. Justizministerin Belloubet musste zurückrudern und erklären, ihre Kritik an Mila sei «ungeschickt» gewesen.

Le Pen redet von Meinungsfreiheit

Über das – in Frankreich ungeschriebene – Recht auf Blasphemie liesse sich durchaus diskutieren. Die friedfertige Mehrheit der französischen Muslime hätte dazu durchaus etwas zu sagen. Auch anderen Franzosen gehen die provokativen Karikaturen zu weit.

Doch die Insta­gram-Falle schnappte zu. Le Pen sucht gar nicht die Debatte. Wenn sie sich vor linke Magazine wie «Charlie Hebdo» stellt, geht es ihr nicht um Meinungsfreiheit, sondern um den Islam.

Die französische Justiz versucht, sich von der aufgeheizten Atmosphäre nicht beeinflussen zu lassen. Sie sucht mit Nachdruck die Urheber der Morddrohungen gegen Mila; die Ermittlungen gegen das Mädchen hat sie nach einer ersten Prüfung eingestellt.

Mila selbst hat diese Woche Stellung genommen. In einem Interview erklärte sie, sie habe nicht Personen angreifen wollen, sondern eine Religion. «Ich entschuldige mich ein klein bisschen bei den Personen, die ich verletzt haben mag», sagte sie.

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