Der Iran habe seine nuklearen Ambitionen nie aufgegeben und verstosse damit gegen das internationale Atomabkommen. Netanjahu bezichtigte die Führung in Teheran am Montag der Lüge über ihre wahren Absichten. In einer im Fernsehen übertragenen Ansprache illustrierte Netanjahu seine Äusserungen mit Schaubildern, die Infografiken und Luftaufnahmen aus dem Iran zeigten.

Netanjahu warf dem Iran vor, umfangreiche Forschungen zum Bau einer Atombombe für einen möglichen künftigen Gebrauch heimlich aufbewahrt zu haben. Dies zeigten Zehntausende Dokumente aus einem "geheimen Atomarchiv" in Teheran. Sie seien Israel als "exakte Kopien" in Papier- oder CD-Format zugespielt worden. Netanjahu sprach dabei von einem "grossartigen Erfolg" des israelischen Geheimdienstes.

"Atomabkommen basiert auf Lügen"

"Iran lügt dreist", sagte Netanjahu mit Blick auf die Beteuerungen der iranischen Führung, nicht nach Atomwaffen zu streben. Netanjahu zufolge versteckt die Führung in Teheran die Dokumente zu seinem Atomwaffenprogramm, um es zu geeigneter Zeit weiterbetreiben zu können. Ziel sei es, auch Langstreckenraketen mit Atombomben bestücken zu können.

Das 2015 geschlossene internationale Atomabkommen nannte er einen "schrecklichen Deal", der nie hätte unterzeichnet werden sollen. "Das Atomabkommen basiert auf Lügen", sagte er weiter.

Netanjahu bezeichnete das iranische Atomprogramm als grösste Bedrohung für die Welt, insbesondere für Israel und die USA. Er kündigte an, die Dokumente mit anderen Staaten und der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) teilen zu wollen.

Die Informationen seien schon mit den USA geteilt worden, sagte er. Er sei sich sicher, dass US-Präsident Donald Trump "das Richtige" tun werde.

Schon bald folgt der US-Entscheid

Netanjahus Auftritt war ein Telefonat mit Trump und am Sonntag ein Treffen mit US-Aussenminister Mike Pompeo über die Iran-Politik vorangegangen. Netanjahu ist seit jeher ein entschiedener Gegner des Abkommens, das derzeit von den USA auf den Prüfstand gestellt wird.

Sein Auftritt ist zeitnah zum 12. Mai. Bis dahin will US-Präsident Trump entscheiden, ob die von den USA ausgesetzte Sanktionen gegen den Iran weiter ausser Kraft bleiben oder wieder eingesetzt werden. Dies wird de facto auch als Entscheidung über den Verbleib der USA in dem internationalen Abkommen von 2015 angesehen.

Trump hat wiederholt damit gedroht, sich aus dem Abkommen zurückzuziehen. Deutschland, Frankreich und Grossbritannien wollen die USA dazu bewegen, das unter Trumps Vorgänger Barack Obama abgeschlossene Abkommen zu retten.

Sanktionen aufgehoben

Der Iran hatte 2015 das Atomabkommen mit den fünf Uno-Veto-Mächten sowie Deutschland geschlossen. Die Vereinbarung sollte es dem Iran unmöglich machen, Atomwaffen zu entwickeln. Dafür unterwarf sich das Land für mindestens zehn Jahre strengen Auflagen bei der Nutzung der Atomkraft. Im Gegenzug wurde eine Normalisierung der Wirtschaftsbeziehungen in Aussicht gestellt.

Nachdem Teheran die Bedingungen erfüllt hatte, hoben Uno, USA und EU im Januar 2016 die im Atomstreit verhängten Finanz- und Handelssanktionen auf. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) hat seitdem wiederholt bestätigt, dass sich der Iran voll an das Wiener Abkommen hält.