Royalexperte

«Harry und Meghan haben das Königshaus vorgeführt»

Was sind die Absichten von Prinz Harry und Herzogin Meghan? Der Royalexperte Andy C. Englert gibt Auskunft.

Prinz Harry und seine Ehefrau, Herzogin Meghan, wollen sich vom Königshaus abnabeln. Wie kommt das in Grossbritannien an?

Andy C. Englert: Nicht gut. Die britische Öffentlichkeit und vor allem die Queen wurden überrascht und komplett auf dem falschen Fuss erwischt.

Die Queen war nicht vorinformiert?

Nein, das Königshaus hat auf mich einen überforderten Eindruck hinterlassen. Das zeigt auch dessen Reaktion. In ihrem offiziellen Statement schreibt der Buckingham Palast, dass die Gespräche noch in einem frühen Stadium seien, dass man zwar Verständnis für den Wunsch der beiden habe, aber dass die Klärung der Fragen noch einige Zeit in Anspruch nehmen werde. Dabei haben Prinz Harry und Herzogin Meghan die Queen vor vollendete Tatsachen gestellt. Ihr Wunsch ist eindeutig formuliert: sie wollen keine hauptberuflichen Royals mehr sein.

Haben sie die Queen verärgert?

Ich gehe schwer davon aus. Wie muss sich die Queen fühlen? Das war ja keine spontane Aktion, sondern von langer Hand geplant. Sie haben bereits eine eigene Website aufgeschaltet und die Marke «Sussex Royal» schützen lassen. Harry und Meghan haben die Queen nicht nur nicht vorinformiert, sie haben das Königshaus in aller Öffentlichkeit vorgeführt und die bekannteste Frau der Welt blossgestellt. Das ist der bittere Beigeschmack dieser Geschichte.

Die Royal Family - who is who:

Wie könnte die Queen reagieren?

Das ist schwer zu sagen. Ich könnte mir vorstellen, dass die Queen Prinz Harry vielleicht in ihrem Testament dafür abstraft.

Das bringt uns zum Geld: Harry und Meghan werden für ihre Dienste, die sie fürs Königshaus ausüben, entschädigt. Wie sieht das nun aus?

Geld war ein wichtiger Punkt bei der Entscheidung. In ihrer aktuellen Funktion können sie nicht für Geld arbeiten. Dies dürfte gerade für die Herzogin, die ja zuvor eine erfolgreiche Schauspielerin, Model und Bloggerin war, keine einfache Situation gewesen sein. Sie hat natürlich ihr Vermögen, war aber seit der Hochzeit komplett von den Einnahmen von Prinz Harry abhängig. Das ist für eine selbstbewusste, erfolgreiche junge Amerikanerin eine wohl unerfreuliche Lage. Jetzt dürften Harry und Meghan Geld verdienen. Wie das aussieht und wie erfolgreich sie sein werden, wird sich zeigen.

Wie hoch ist denn ihr Vermögen?

Harry hat nach dem Tod seiner Mutter, Prinzessin Diana, gemäss Schätzungen 30-35 Millionen Pfund Sterling geerbt. Wieviel er davon verbraucht hat, kann ich nicht sagen. Seine Ehefrau hat ein Vermögen von rund 5 Millionen Dollar in die Ehe eingebracht.

Müssten sie überhaupt arbeiten?

Die beiden haben ja nicht gesagt, dass sie ihre Titel abgeben und total mit der Familie brechen wollen. Sie wollen weiterhin gewisse Vorzüge geniessen. Dies kostet aber. Denken Sie nur an den permanenten Personenschutz. Um diesen zu finanzieren, muss etwas hereinkommen. König Edward VIII., der 1937 abdanken musste, weil er eine geschiedene Frau heiraten wollte, hat seinen Verzicht vergoldet: Die Krone hat ihm ein feudales Luxusleben bis an sein Lebensende 1972 finanziert. Hier wollte das Königshaus einen Verwandten loswerden. Harry will eher das Königshaus loswerden. Einen solchen Deal wird für ihn kaum herausspringen.

Wäre es ein Novum im Hause Windsor, dass Familienmitglieder arbeiten und Geld verdienen?

Nein. Das beste Beispiel sind die Harrys Cousin Peter Phillips und seine Schwester Zara, die Kinder von Prinzessin Anne. Die führen weder einen Adelstitel noch geniessen sie andere royale Privilegien, wie etwa Apanage und Personenschutz. Auch Prinzessin Beatrice, die Tochter von Prinz Andrew, lebt mittlerweile so – nachdem ihr weder die Queen noch Thronfolger Prinz Charles eine Versorgung auf Lebenszeit durch die Krone zusichern wollten.

Weshalb dann überhaupt der Schritt, der so viel Ärger auslöst?

Nun, Prinz Andrew musste wegen seiner Verwicklung im Epstein-Skandal und dem Vorwurf Sex mit einer Minderjährigen gehabt zu haben, alle offiziellen Ämter aufgeben. Hinzu kommt, dass auch der Ehemann der Queen, Prinz Philip, aufgrund seines Alters zunehmend in den Hintergrund tritt. Beide hatten sehr viele sogenannte Patronagen – vor allem im Militär. Es liegt auf der Hand, dass Harry vor allem in diesem Bereich zunehmend Verantwortung hätte übernehmen müssen.

Prinz Harry schien sich in der Uniform aber wohl gefühlt haben.

Das trifft zu. Er hat das gerne und in meinen Augen gut gemacht. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass es Meghans Zukunftswunsch entsprach pro Jahr an 200 Militärparaden oder Veteranentreffen teilzunehmen. Sie sieht sich vielmehr in der eleganten oder karitativen Welt.

War also Meghan die treibende Kraft hinter diesem Entscheid?

Mit Sicherheit, wenn man die beruflichen und geschäftlichen Möglichkeiten, die sich für das Herzogspaar von Sussex jetzt ergeben, sieht. Vielleicht war die ganze Aktion aber auch vorausschauend: Die Bevölkerung steht zwar hinter dem Königshaus, aber die Frage, ob es so viele Mitglieder braucht, die von Beruf Royal sind und dafür königlich entlohnt werden, ist nicht neu und wird immer häufiger gestellt. Harry könnte auch argumentieren: Ich werde sowieso nie König – und verzichte freiwillig und nicht auf öffentlichen Druck.

Was heisst das für die Beziehung mit seinem Bruder William, der in der Thronfolge ja deutlich höher, auf Platz zwei, steht?

Brüder haben bei den Royals eine sehr hohe Bedeutung. Man kann nur sehr wenige Leute nahe an sich heranlassen, einem Bruder kann man auf jeden Fall vertrauen. Bei William und Harry nur schon wegen des geringen Altersunterschieds. Der Ärger fing aber schon früh an: Harry bestätigte seine Beziehung zu Meghan schon offiziell, als es noch nicht einmal ernsthafte Gerüchte oder gar Fotos des Paares gab. Kate war schon Jahre an Williams Seite – wirklich bestätigt wurde die Beziehung erst mit der offiziellen Verlobung. Diese sehr unterschiedlichen Strategien, über private Dinge zu sprechen, haben sich mit Meghans Einheirat noch weiterentwickelt. Und offenbar auch die Brüder und ihre Familien immer weiter entzweit. Kaum zu glauben, dass das Verhältnis zwischen William und Harry jemals wieder so wird, wie es einmal war.

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Autor

Roman Schenkel

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