USA

Ex-CNN-Frau bringt jetzt «echte Nachrichten» über den US-Präsidenten

Moderatorin Kayleigh McEnany präsentiert die «Real News» über Trump.

Moderatorin Kayleigh McEnany präsentiert die «Real News» über Trump.

Schluss mit «Fake News»: Donald Trump hat nun einen eigenen Propagandakanal – moderiert ausgerechnet von einer Ex-Mitarbeiterin des Senders CNN.

Vom ersten Tag an stand US-Präsident Donald Trump mit den Medien auf Kriegsfuss. Hatte er während des Wahlkampfes noch von seiner enormen Medienpräsenz profitiert, liess er im Amt kaum eine Gelegenheit verstreichen, um die wichtigsten Sender und Zeitungen zu attackieren. Bald hatte Trump Spitznamen für sie gefunden: Die «versagende New York Times», die «Amazon Washington Post» (Amazon-Gründer Jeff Bezos hatte die Zeitung 2013 für 250 Millionen Dollar gekauft) und, natürlich, «Fake News CNN». Trumps Lieblingsfeind.

Diese «Mainstream-Medien», sagt Trump, verbreiteten nur Lügen und «Fake News» über ihn. Die Erfolge, die er für das amerikanische Volk erziele, kehrten sie unter den Teppich. Deshalb twittert der Präsident munter weiter – und hält damit den direkten Draht zu seiner Wählerschaft offen. Obwohl ihm, wie es heisst, sein Umfeld immer wieder davon abrät, ist Twitter Trumps einzige Möglichkeit, den Leuten das mitzuteilen, was er für die Wahrheit hält.

Seit Anfang dieser Woche stimmt das so nicht mehr. Denn Trump hat ein neues Instrument geschaffen, um seine Botschaft zu verbreiten: eine Art Fernsehkanal, den er übers Internet ausstrahlen lässt. Direkt aus dem Trump Tower in New York bekommt das Publikum erklärt, was der Präsident in der vergangenen Woche alles leistete.

Lorbeeren für Trump

Das klingt dann so: «Seit seiner Amtsübernahme hat Präsident Trump mehr als eine Million Jobs geschaffen.» Dies sagt Kayleigh McEnany, die ausgerechnet von CNN ins Trump-Lager gewechselt war und nun die Nachrichten vorliest, die dem Präsidenten gefallen. In Sachen Jobs etwa ohne Differenzierung zwischen der Person und wirtschaftlichen Tendenzen, für die die Regierung nur bedingt etwas kann. Kein Hinweis auf die Unternehmen. Präsident Trump war es.

Dass diese Arbeitsplätze nicht von Trump, sondern unter Trump geschaffen wurden, ist keine Banalität. Letztere Lesart erlaubt etwa folgenden Hinweis: Während Präsident Obamas letzter sechs Monate im Amt generierte die US-Wirtschaft genauso viele Jobs: knapp 1,1 Millionen. Trump hat einen blühenden Arbeitsmarkt von seinem Vorgänger übernommen. Das gehört, ganz objektiv betrachtet, zur Wahrheit mit dazu.

Derweil verabschiedet McEnany, die neben Trumps News-Show auch neu als Sprecherin der US-Republikaner auftritt, ihre Zuschauer mit den Worten: «Das waren die echten Nachrichten.»

«Fake News» – oder doch nicht?

Unterdessen zeigt sich immer deutlicher, wie der US-Präsident den Begriff «Fake News» verwendet. Ein Beispiel: Anfang Jahr telefonierte der amerikanische Regierungschef mit seinem australischen Amtskollegen Malcolm Turnbull. Die «Washington Post» zitierte in einem Artikel vom 2. Februar aus dem Gespräch und berichtete über die unschöne Wendung, die dieses genommen haben soll, als ein Flüchtlingsdeal zur Sprache kam. Diesen hatte die Obama-Administration mit der australischen Regierung ausgehandelt. Die USA verpflichten sich darin zur Aufnahme von 1250 Menschen. Trump, so die «Washington Post» im Februar, soll ausser sich gewesen sein und Turnbull versichert haben: Er habe mit vier anderen Regierungschefs gesprochen, darunter Russlands Präsident Putin, doch das hier «ist bei Weitem der schlimmste Anruf von allen». Dann habe Trump das Gespräch abrupt beendet. Als Quelle nannte die Zeitung «Mitarbeiter der US-Regierung». Trumps Reaktion folgte sofort: «Fake News!» Via Twitter liess er wissen: «Danke an den australischen Premierminister, dass Sie die Wahrheit gesagt haben über unser sehr höfliches («civil») Gespräch, über das die FAKE-NEWS-Medien Lügen verbreitet haben. Sehr nett!» Turnbull hatte zuvor einen Streit mit Trump dementiert.

Es stand Aussage gegen Aussage. Bis vor wenigen Tagen. Da veröffentlichte die «Washington Post» das gesamte Gesprächsprotokoll des Telefonats zwischen Trump und Turnbull sowie ein zweites aus einem Gespräch zwischen Trump und dem mexikanischen Präsidenten Enrique Peña Nieto. Dies wurde aus allen politischen Lagern kritisiert: der Wortlaut eines Telefonats zweier Regierungschefs gehöre nicht in die Öffentlichkeit, war man sich in Washington einig. Dennoch belegt das Protokoll: Die «Washington Post» hatte im Februar keine «Fake News» verbreitet, sondern die Wahrheit.

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