Die SPD befindet sich seit Monaten in der Krise. Gestern wollten die Genossen ein Signal des Aufbruchs nach aussen senden. Geglückt ist das nur bedingt. Zwar hat die fast 155-jährige Partei mit Andrea Nahles nun zum ersten Mal eine Frau an der Spitze. Doch die neue Vorsitzende erhielt bei ihrer Wahl nur zwei Drittel der Stimmen. Das ist kein gutes Resultat.

Das schwache Ergebnis muss die 47-Jährige als Mahnung interpretieren. Viele in der Partei haben das Vertrauen in die Parteielite verloren. Die letzten Monate waren für viele Genossen traumatisch. Vorschusslorbeeren wie 2017 gibt es heute keine mehr. Damals wurde Nahles’ Vorgänger Martin Schulz mit 100 Prozent der Stimmen ins Amt gehievt. Was folgte, war ein tiefer Fall des Vorsitzenden und der Partei.

Nahles muss die SPD so weit stärken, dass die Genossen in naher Zukunft ernsthaft um das Kanzleramt buhlen können. Sie muss das Profil der Partei schärfen und die SPD inhaltlich erneuern. Zugleich muss die SPD konstruktive Regierungsarbeit leisten. Gelingt ihr dieses Kunststück?

Läuft es für Nahles nach Plan, könnte sie ihre Partei spätestens 2021 bei der Kanzlerwahl vertreten. Da Merkel kaum mehr wieder für die Union in den Ring steigen wird, könnte es dann zu einem spannenden Rennen um das Kanzleramt kommen.

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