EU-Kommission

«Eine andere Art zu kommuniziere»: Präsidentin Ursula von der Leyen wünscht sich mehr Kolleginnen

Freut sich auf Kolleginnen: EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.

Freut sich auf Kolleginnen: EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.

Die designierte EU-Kommissionspräsidentin erhofft sich vom ausgeglichenen Geschlechterverhältnis «eine andere Art zu kommunizieren».

Während Beamte und EU-Parlamentarier die Ferien genossen, kümmerte sich die designierte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, 60, um Personalfragen. Wer als EU-Kommissar ihrem Team angehören wird, entscheidet sich in den nächsten Tagen.

Bereits bei ihrer Bewerbungsrede im EU-Parlament im Juli sagte von der Leyen mit Blick auf den Frauenanteil im wichtigsten EU-Gremium: «Wir wollen unseren gerechten Teil.» Sie forderte von den Mitgliedstaaten, ihr wenn immer möglich eine Frau vorzuschlagen. Aktuell sind nur neun der 28 EU-Kommissare Frauen. Seit 1958 waren bloss 35 der 183 EU-Kommissare Frauen.

Wie es aussieht, könnte von der Leyen ihr Ziel der Geschlechter-Parität erreichen. Stand jetzt haben 26 EU-Staaten ihre Kandidaten für das Kommissarskollegium bekannt gemacht, nur der italienische Vorschlag steht noch aus. Darunter finden sich (inklusive von der Leyen) 13 Frauen.

«Wir werden einige sehr starke Frauen haben, die wichtige wirtschaftsnahe Portfolios besetzen», sagte von der Leyen gegenüber dem «Spiegel». Eine davon wird ohne Zweifel Margrethe Vestager sein. Als Wettbewerbskommissarin hat sich die Dänin in den letzten fünf Jahren Internet-Giganten wie Apple oder Google vorgeknöpft und sich einen Ruf als starke Persönlichkeit erarbeitet. Unter von der Leyen wird Vestager zur KommissionsVizepräsidentin aufsteigen.

Ein wichtiges Portfolio erhalten dürfte auch die Französin Sylvie Goulard. Die kurzzeitig französische Verteidigungsministerin ist eine Vertraute von Präsident Emmanuel Macron. Ihm verdankt von der Leyen massgeblich ihre Wahl, was sie mit einem prestige-trächtigen Posten für Goulard vergelten dürfte.

Von einem ausgeglichenen Geschlechterverhältnis verspricht sich von der Leyen ein harmonischeres Miteinander: «Meine Erfahrung ist, dass sich mit steigendem Frauenanteil etablierte Diskussionsmuster ändern, es eine andere Art zu kommunizieren gibt», glaubt sie.

Aber noch sind die Würfel nicht gefallen. Die Bewerbungsgespräche laufen noch. Und trotz Vorschlagsrecht der nationalen Regierungen ist es möglich, dass von der Leyen einzelne Kandidaten(-innen) zurückweist. Der amtierende Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat bei seinem Amtsantritt 2014 sechs Vorschläge abgewiesen, wie er kürzlich offenlegte. Zudem müssen die Kommissare die Anhörungen im EU-Parlament überstehen. Hier könnte es für die Französin Sylvie Goulard ungemütlich werden: Sie musste als Verteidigungsministerin zurücktreten, als eine Affäre um Scheinbeschäftigungen im EU-Parlament ruchbar wurde, in die ihre liberale Partei involviert war. Die Ermittlungen laufen noch.

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