Libyen

Drei heftige Explosionen in Tripolis

Die Alliierten haben laut dem libyschen Fernsehens am Abend neue Luftangriffe auf die Hauptstadt Tripolis geflogen. CNN meldet drei heftige Explosionen in der libyschen Hauptstadt.

In der Stadt war nach Einbruch der Dunkelheit das Feuer von Flugabwehrgeschützen zu hören. CNN meldet drei heftige Explosionen in der libyschen Hauptstadt Tripolis - sie sollen wie schon gestern Abend aus der Richtung von Gaddafis Residenz kommen.

Sohn von Gaddafi soll bei Rebellenangriff getötet worden sein

Sohn von Gaddafi soll bei Rebellenangriff getötet worden sein

Im Rahmen des Militäreinsatzes gegen Gaddafi haben die USA seit Samstag fast 150 Marschflugkörper gegen Ziele in dem nordafrikanischen Land abgefeuert.

Kämpfe in Aschdabija

Die Nachrichtenagentur AFP spricht von mindestens elf Toten und mehreren Verletzten in Misrata. Gemäss «Reuters» hätten die Gaddafi-Getreuen das Feuer auf eine Menschenmenge eröffnet. Zwei Tage nach Beginn der Militäraktion der Alliierten gegen Libyen haben die libyschen Aufständischen gegenüber den Regierungstruppen wieder an Terrain gewonnen. Nachdem Bengasi wieder Gaddafi-frei ist, konzentrierten sich die Kämpfe jetzt auf Aschdabija.

«Wenn die Militärintervention vorbei ist, werden wir die verschiedenen Partner vereinen und eine politische Lösung definieren», sagte der französische Aussenminister Alain Juppé am Rande des Ministertreffens in Brüssel. Weiter sagte er: «Wenn die USA in einigen Tagen die Führung der Militäreinsätze abgäben, «dann kann die NATO unterstützen.» Paris mache keinen alleinigen Führungsanspruch mehr geltend.

Der bulgarische Premier Boïko Borissov hat die Luftangriffe auf libysche Ziele verurteilt. Er sprach von einem «Abenteuer, das von Öl-Interessen geleitet» sei. Unterdessen hat der russische Präsident Dimitri Medwedew die Aussagen von Vladimir Putin («Die Uno-Resolution erinnert an einen Kreuzzug») scharf kritisiert. Solche Aussagen seien nicht hinnehmbar und inakzeptabel.

US-General hat Kommando

Das Kommando über den internationalen Militäreinsatz in Libyen hat gegenwärtig ein General der US-Streitkräfte. Das sagte der Chef des britischen Verteidigungsstabes, General David Richards. Die Uno will noch heute über Libyen beraten.

Über die militärische Führung der Anti-Gaddafi-Koalition hatte es Verwirrung gegeben. Frankreich hatte angedeutet, die Rolle für sich zu proklamieren. Unter anderem Grossbritannien will, dass das Kommando an die Nato übergeht. Die Nato-Mitglieder konnten sich bisher jedoch nicht darauf einigen, die Militärführung in Libyen zu übernehmen.

Der Uno-Sicherheitsrat wird wahrscheinlich noch heute über den internationalen Militäreinsatz in Libyen beraten. Das Treffen hinter verschlossenen Türen am Uno-Sitz in New York werde vermutlich am Nachmittag (Ortszeit) stattfinden, erfuhr die Nachrichtenagentur AFP aus Diplomatenkreisen.

Derweil verurteilt der Iran die militärische Intervention in Libyen. Die westlichen Mächte würden nur versuchen ihre Hand auf das Öl zu legen, sagte der oberste iranische Führer Aytollah Ali Khamenei, gemäss «France 24». Und der südafrikanische Präsident Jacob Zuma erklärte, dass sein Land die Regimeänderungsdoktrin nicht unterstützte. Er rief die Regierungen an, sich zurückzuhalten.

EU will sich auf humanitären Auftrag konzentrieren

Die Europäische Union will ihre eigene Rolle in Libyen auf einen humanitären Auftrag konzentrieren. Das kommt nach Angaben des österreichischen Aussenministers Michael Spindelegger in einer gemeinsamen Erklärung der EU-Aussenminister vom Montag zum Ausdruck.

Der Krieg in Libyen könnte noch eine Weile andauern, sagt ein hochrangigier Berater von Nicolas Sarkozy. Das Mandat zum Schutz der Zivilisten sei noch nicht «vollkommen erreicht.» Die Allierten äussern sich widersprüchlich zum Ziel der Operation.

In einem Interview mit dem französischen Fernsehsender BFM TV erklärte Sarkozys Sonderberater Henri Guaino, dass das Ziel des vom UN-Sicherheitsrat autorisierten Mandats zum Schutz der Zivilbevölkerung noch nicht erreicht sei. Er betonte aber auch, dass die meisten Flugabwehrkanonen zerstört wurden.

Rebellen: «Gaddafi lässt Misrata bombardieren»

Truppen des libyschen Staatschefs Muammar al-Gaddafi haben Stellungen der Rebellen in der Stadt Al-Sintan angegriffen. Die Aktionen französischer Kampfflugzeuge zur Durchsetzung der Flugverbotszone gehen weiter. Gegenüber der «BBC» sagte ein Sprecher der Rebellen in Misrata, dass Gaddafi die Stadt bombardieren lasse. Die Hauptstrasse und das Zentrum seien dem Erdboden gleich gemacht worden. Zudem würden Scharfschützen in Richtung Hauptstrasse schiessen.

In der Stadt Al-Sintan seien Stellungen der Rebellen angegriffen worden. Das berichtet «Al-Arabija». Die Angaben beziehen sich auf Augenzeugen. Die Europäische Union hat weitere Sanktionen gegen Libyen verhängt. Die Aussenminister der 27 EU-Länder beschlossen am Montag in Brüssel offiziell, das Vermögen von elf Vertretern der libyschen Führung sowie von neun Wirtschaftseinheiten in der EU einzufrieren.

Rebellen und Gaddafi-Truppen bekämpfen sich nach den Luftangriffen durch die Allierten.

Rebellen und Gaddafi-Truppen bekämpfen sich nach den Luftangriffen durch die Allierten.

Aus Libyen sind nach Beobachtung der Vereinten Nationen seit Beginn der alliierten Luftangriffe am Samstag weniger Menschen geflohen als in den Wochen zuvor. Das teilte das UNO- Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) mit.

Die EU will Gaddafi mit Sanktionen zu einem Machtverzicht und zu einem Stopp der Gewalt gegen die Aufständischen zwingen. Die EU- Länder hatten zuvor bereits ein Waffenembargo sowie Kontosperren und Einreiseverbote gegen Gaddafi und seine Vertrauten verhängt.

Nach den Luftangriffen auf Libyen hat die afrikanische Fussballkonföderation CAF das Qualifikationsspiel für den Afrika-Cup zwischen Libyen und den Komoren nach Mali verlegt. Statt in Tripolis wird die Begegnung am Sonntag in Bamako stattfinden.

Widersprüchliches zum Ziel der Operation

Das Ziel der internationalen Gemeinschaft sei es, Oberst Gaddafi von der Macht zu vertreiben, sagte der belgische Premier Yves Leterme, gemäss der Agentur AFP. Dies widerspricht aber den Aussagen von amerikanischen Top-Beamten.

Die westliche Militärallianz scheint den Vormarsch libyscher Einheiten auf die Rebellenhochburg Benghasi gestoppt zu haben. Allerdings nahmen Gaddafi-Truppen am Montag in der 160 Kilometer weiter südlich gelegenen Stadt Aschdabija erneut Aufstellung. Auf der Strecke zwischen Benghasi und Aschdabija waren dutzende durch Luftangriffe zerstörte Panzer der Regierungstruppen zu sehen. Entlang der Strasse gab es Granaten-Einschläge.

Nun wurde bekannt, dass neben Katar auch die Vereinigten Aarabischen Emirate an der Libyen-Operation teilnehmen wird. Welche Rolle die Staaten einnehmen werden oder schon eingenommen haben, wurde nicht bekannt.

Streit um Chef-Frage der Operation

Derweil streiten sich die Allierten um die Chef-Frage bei der Operation. Die Türkei kritisiert den Ablauf der Militärangriffe auf Libyen. Es geht um die Rolle von Frankreich. Der türkische Aussenminister Vecdi Gönül sagte, das Frankreich auftrete, als hätte es die Führung bei der Durchsetzung der Uno-Resolution. Derweil forderte der italienische Aussenminister Franco Frattini in Brüssel: «Wir müssen von einer Koalition der Willigen zu einem koordinierteren Ansatz unter der Nato kommen.»

Ähnlich äusserte sich auch der luxemburgische Aussenminister Asselborn. Es müsse eine schnelle Klärung der Aufgabenteilung zwischen der Nato under Koalition um Frankreich, Grossbritannien und den USA geben, dies meldet «Spiegel online». Doch Frankreich will die Führung der Operation an sich reissen. Zudem habe der russisiche Premier Wladimir Putin gesagt: Die Uno-Resolution erinnere ihn an einen «Aufruf zum Kreuzzug.»

«Anschlag auf Gaddafi eventuell möglich»

Der britische Verteidigungsminister Liam Fox sagt, dass ein Angriff auf Gaddafi «eventuell eine Möglichkeit» sei. In der Stadt Misurata spitzt sich die Lage zu. Gaddafis Soldaten sollen Zivilisten als menschliche Schutzschilder missbrauchen.

Der britische Verteidigungsminister Liam Fox sagte der BBC, ein Angriff auf Gaddafi sei «eventuell eine Möglichkeit». Es hänge davon ab, ob Zivilisten dabei ausser Gefahr bleiben könnten. Den libyschen Rebellen zufolge wird die Lage in der Stadt Misurata immer dramatischer. Angeblich bringen Gaddafis Soldaten Zivilisten aus den Ortschaften in der Umgebung in die Stadt, um sie als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen.

Laut einem Sprecher der Aufständischen haben sich die Soldaten zivil gekleidet und sind so ins Zentrum der Stadt gelangt . Bewohnern zufolge ist die Stadt von Gaddafis Soldaten umzingelt. Der User Duno Dugo twittert, dass das libysche Fernsehen das Volk auf eine neue Attacke vorbereitet, indem immer wieder die amerikanische Invasion im Irak 2003 gezeigt werde.

«Der Anfang eines neuen Albtraums»

Die Luftangriffe gegen Libyen könnten leicht einen grossflächigen Krieg auslösen, sagt der US-Kongressabgeordnete Dennis Kucinich. Gegenüber dem «BBC World Service» sagte Dennis Kucinich, dass die Luftangriffe einen grossflächigen Krieg auslösen könnten. «Dies ist der Anfang eines neuen Albtraums», wird der Kongressabgeordnete zitiert.

«France 24» meldet, dass Frankreich am Montag wieder Luftangriffe in Libyen aufgenommen hat. «Die Luftschläge der vergangenen 48 Stunden ermöglichen heute die Feststellung, dass wir Gaddafi bei einem sich abzeichnenden Massaker an Zivilisten gestoppt haben», sagte Regierungssprecher François Baroin.

Einer der Söhne Gaddafis soll laut Berichten von Oppositionellen und arabischen Medien Opfer eines Kamikaze-Piloten geworden sein. Chamies al-Gaddafi sei in einem Krankenhaus in Tripolis an den Folgen schwerer Brandwunden gestorben. Die Verletzung habe er erlitten, als ein Kamikaze-Pilot der libyschen Luftwaffe vor einigen Tagen mit seinem Kampfjet absichtlich auf den Stützpunkt Bab al-Asisija stürzte. Dies meldet «Spiegel online». Von offizieller Seite wurde der Absturz des Piloten dementiert.

Skepsis von Westerwelle gegen Militäraktion

Die EU-Aussenminister diskutieren heute in Brüssel über die laufende Militäraktion und eine Ausweitung der Wirtschaftssanktionen. Deutschlands Aussenminister Guido Westerwelle sieht seine Skepsis gegenüber Militäraktionen bestätigt.

«Drei Tage nach Beginn des Militäreinsatzes sehen wir nun, dass sich die Arabische Liga sehr skeptisch äussert», sagte Westerwelle vor Beginn des Ratstreffens. Die EU-Aussenbeauftragte Catherine Ashton sagte dagegen, der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amre Mussa, sei falsch zitiert worden. Am Sonntag hatte Mussa in Kairo gesagt, für den Schutz der Zivilisten brauche man keine Militäroperation.

Luxemburgs Aussenminister Jean Asselborn forderte ein baldiges Ende des Streits zwischen der NATO und der EU. «Entweder machen das Frankreich, Grossbritannien und die USA zusammen oder dann treten sei den Einsatz so schnell wie möglich an die NATO ab.»

Einsatz kurzfristig abgebrochen

Derweil wurde bekannt, dass die Briten in der zweiten Nacht des Militäreinsatzes eine Operation kurzfristig abgebrochen haben. Es habe sich herausgestellt, dass an dem angepeilten Ziel Zivilisten gewesen seien. Von einem britischen U-Boot aus allerdings seien im Rahmen einer zusammen mit den US-Streitkräften durchgeführten Aktion Geschosse gegen die Luft-Verteidigung des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi abgefeuert worden.

In Süditalien seien weitere britische Tornados in Bereitschaft versetzt worden. An den Luftpatrouillen über Libyen wollen sich nach Angaben der Nachrichtenagentur PA auch Flugzeuge aus Katar beteiligen.

Ein drei Tage altes Video aus Misrata soll die Zerstörung durch die Truppen von Gaddafi belegen.

Ein drei Tage altes Video aus Misrata soll die Zerstörung durch die Truppen von Gaddafi belegen.

Der Mediensprecher der französischen Regierung hat bekannt gegeben, dass die Luftangriffe Gaddafis Massaker an der Zivilbevölkerung gestoppt haben. Das Ziel der Angriffe sei, die Zivilbevölkerung zu beschützen, damit das libysche Volk frei über seine Zukunft bestimmen könne.

Wurden auch Zivilisten getroffen?

Während die Koalition sagt, dass militärische Ziele anvisiert werden, um die Macht von Gaddafi zu brechen, sagt das libysche Regime, dass Zivilisten getroffen worden seien. Zwischen Samstag und Sonntag seien 64 Menschen getötet worden.

Die Militäraktion westlicher Truppen in Libyen hat den Ölpreis am Montag in die Höhe getrieben. Nordsee-Öl der Sorte Brent verteuerte sich um 2,26 Dollar auf 116,19 Dollar je Barrel. US-Leichtöl WTI legte knapp 2 Dollar auf rund 103 Dollar pro Fass zu.

Die NATO ist gespalten in der Frage, ob sie in den Konflikt in Libyen eingreifen soll. Auch nach mehreren stundenlangen Sitzungen konnten sich die Botschafter der 28 NATO-Staaten nicht auf ein Mandat für die Überwachung der Flugverbotszone über Libyen einigen. (sda/dno)

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