Coronavirus

Donald Trump will Corona-Infizierten Desinfektionsmittel spritzen und UV-Strahlen verabreichen

Der US-Präsident sorgte an einer Pressekonferenz mit seinen Aussagen zu möglichen Therapieansätzen gegen das Coronavirus für Aufsehen.

US-Präsident Donald Trump bei seiner täglichen Coronavirus-Pressekonferenz im Weissen Haus in Washington, D.C.

Auf der ganzen Welt bemühen sich Forscher, Ärzte und Universitäten im Moment, einen möglichen Impfstoff gegen das Coronavirus zu finden, erste Tests sollen bereits in Kürze anlaufen, verkündet etwa die britische Universität Oxford. Bis ein Impfstoff jedoch verfügbar und auch einsetzbar ist, dürfte es jedoch noch Monate gehen – Pharmakonzerne sprechen von etwa 12 bis 18 Monaten für die Entwicklung.

Aus diesem Grund ermuntert US-Präsident Donald Trump amerikanische Wissenschaftler dazu auf, alternative Behandlungsmethoden gegen das Coronavirus zu erwägen und zu testen. Das Problem aber an Trumps Vorschlägen: Sie sind praktisch nicht umsetzbar und womöglich sogar gefährlich für die menschliche Gesundheit.

Bei seinem täglichen Coronavirus-Briefing schlug Trump vor, infizierten Menschen direkt Desinfektionsmittel zu spritzen, da dieses das Virus (auf trockenen und glatten metallischen Oberflächen wie Türklinken, Anm.d.Red) innerhalb einer Minute abtöten könne.

Wie Gesundheitsexperten bestätigen, können Seife, Desinfektions- und Bleichmittel das Virus bei äusserer Anwendung durchaus abtöten, indem man Gegenstände putzt und Hände wäscht oder desinfiziert. Es gebe bis anhin jedoch keine nachweislich wirksame Möglichkeit, dass Desinfektionsmittel den Virus in einem infizierten Patienten abtöten könne.

Trump forderte während seiner Pressekonferenz die Coronavirus-Koordinatorin der Regierung, Deborah Birx, auf, dies zu testen und so möglicherweise dazu beizutragen, das Coronavirus schneller zu besiegen. Auch solle man gemäss Trump überprüfen, ob es möglich sei, mit einer UV-Licht-Therapie Sonnenlicht direkt in den menschlichen Körper zu bringen.

Der Grund für Trumps schwer umsetzbare Vorschläge dürften Äusserungen von Regierungsexperte William Bryan, dem Staatssekretär des Heimatschutzministeriums für Wissenschaft und Technologie, sein. Dieser hatte wenige Minuten vor Trumps Auftritt gegenüber den Medien erklärt, dass man Desinfektionsmittel für die Hände verwenden solle. Auch führte Bryan aus, dass sich die Lebensdauer des Erregers auf metallischen und glatten Oberflächen bei direkter Bestrahlung mit Sonnenlicht dramatisch verkürzen würde.

Trump erntet Spott

Jedoch könne die US-Regierung gemäss des Experten dazu aber noch keine weiteren Details liefern, da es sich dabei nur um erste Erkenntnisse handeln würden. Allerdings verstärken die Erkenntnisse nun auch Präsident Trumps Sichtweise, dass der Erreger bei wärmerem Wetter bald weitgehend verschwinden könnte. Trump sagt dazu vor den Medien: «Ich hoffe, dass die Leute die Sonne geniessen. Und wenn das eine Wirkung hat, ist das toll.»

Mit seinen Aussagen sorgte Trump weltweit für Unverständnis und Spott, da es bis anhin nicht möglich ist, Sonnenlicht in einen menschlichen Körper hinein zu leiten, und die Einnahme von Desinfektions- oder Bleichmittel als gesundheitsschädigend gilt. Auf Twitter äusserte sich unter anderem der designierte US-Präsidentschaftskandidat der Demokraten, Joe Biden:

«UV-Licht im menschlichen Körper? Desinfektionsmittel spritzen?», fragt Biden auf Twitter. Er habe eine bessere Idee als Trump: «Endlich mehr testen und ausreichen Schutzkleidung für das amerikanische Gesundheitspersonal.»

Lage in den USA nach wie vor besorgniserregend

In den Vereinigten Staaten ist die Coronavirus-Lage weiterhin sehr bedenklich. Gemessen an den absoluten Zahlen sind die USA weltweit das am schwersten von der Corona-Pandemie betroffene Land.

Bis Donnerstagabend gab es in den USA nach Angaben der Universität Johns Hopkins mehr als 860'000 bestätigte Coronavirus-Infektionen. Rund 50'000 Menschen starben in den USA bislang an den Folgen einer Coronavirus-Erkrankung.

Wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet, sehe die US-Regierung inzwischen jedoch Fortschritte bei der Eindämmung der Epidemie in den Vereinigten Staaten. Es gebe vielversprechende Zeichen des Fortschrittes, sagte US-Vizepräsident Mike Pence bei der Pressekonferenz im Weissen Haus. «Wir glauben, dass wir bis zum Frühsommer als Nation deutlich besser dastehen könnten – mit einem Grossteil dieser Coronavirus-Epidemie hinter uns.»

An vielen Orten im Land gingen die Infektionszahlen zurück, ebenso die Zahl der Menschen, die wegen einer Infektion ins Krankenhaus eingeliefert werden müssten.

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