Australien

Die verheerenden Waldbrände in Australien wollen nicht abklingen: Ein Land zwischen Tragik und Hoffnung

Jubel in den Flammen: Die australischen Feuerwehrleute sind seit Wochen im Dauereinsatz.

Jubel in den Flammen: Die australischen Feuerwehrleute sind seit Wochen im Dauereinsatz.

Die Feuerkrise in Australien ist noch nicht zu Ende: Hitze hat die Buschfeuer wieder angefacht. Bei Löscharbeiten stürzte ein Flugzeug ab, drei Menschen starben. Es gibt auch Hoffnung: Im abgebrannten Busch keimt es wieder.

Nach einer Atempause mit Regen in der vergangenen Woche haben sich die Bedingungen in Australien wieder verschlechtert. Hohe Temperaturen fachten die Buschfeuer am Donnerstag stellenweise erneut an. In Canberra brannte es in der Nähe des Flughafens. Dieser musste vorübergehend geschlossen werden.

Südlich der australischen Hauptstadt stürzte ein Löschflugzeug ab. Drei US-amerikanische Feuerwehrleute, die die australischen Kollegen unterstützten, kamen dabei ums Leben. Die Gründe sind bisher nicht bekannt. Auch in Sydney sorgten 40-Grad-Hitze und starker Wind für katastrophale Bedingungen. In den Randbezirken brachen mehrere Feuer aus.

Erste Lebenszeichen geben Hoffnung

Seit dem Frühling sind in Australien mehr als zehn Millionen Hektar Land abgebrannt, 33 Menschen ums Leben gekommen und mehr als eine Milliarde Tiere gestorben. Obwohl Experten befürchten, dass sich einige Lebensräume niemals ­erholen werden, zeigen andere Regionen inzwischen wieder erste Lebenszeichen.

Der Nationalpark der Blue Mountains, rund zwei Autostunden westlich von Sydney gelegen, war in den vergangenen Monaten von drei grossen Feuerfronten heimgesucht worden: Die Brände wüteten in bis zu 80 Prozent des Parks. Trotzdem zeigen sich hier – wie auch in vielen anderen abgebrannten Regionen – wieder erste Lebenszeichen. Ein Besuch im Buschland ergab, dass selbst kurze Zeit nach den Feuern Gräser, Grasbäume und stellenweise auch Bäume bereits wieder erstes Grün zeigen.

«Unsere einheimischen Eukalypten haben dicke wachsartige Blätter, die es ihnen ermöglichen, in trockenen Umgebungen nicht zu viel Wasser zu verlieren und viele Insekten­angriffe zu verhindern», sagte Cris Brack, ein Forstwissenschaftler an der Australischen Nationaluniversität in Canberra. Andere Bäume wie Kiefern hätten besonders dicke Rinde, um ein Feuer überstehen zu können. Ihre Samen keimen selbst auf dem nackten Boden, wenn ein Feuer durch den Wald gezogen ist.

Michael Köhl, Forstwissenschaftler an der Universität Hamburg, der sich ebenfalls mit dem australischen Wald beschäftigt, stimmte zu: «Das sind sogenannte Feuer­öko­systeme, die sich durch Brände regenerieren und erneuern», sagte er. «Viele Pflanzen haben sich an Feuer angepasst und brauchen sie sogar, um sich zu vermehren.» Viele Eukalyptusarten beispielsweise könnten sich aus unterirdischen Pflanzenteilen komplett neu entwickeln.

Biologie kann nicht mehr mithalten

Doch trotz des ersten hoffnungsvollen Grüns lassen sich die Folgen für die Ökosysteme noch nicht abschätzen. Denn die diesjährigen Brände unterscheiden sich teilweise in ihrer Intensität und vor allem in ihrem schieren Ausmass von früheren Bränden.

In solchen Fällen kann es tatsächlich passieren, dass «ganze Baumarten keine Rinde mehr bilden können, die dick genug ist oder Samen früh genug ansetzen können, damit sie überleben», sagte Brack. Vor allem der Frühling sei eine wichtige Jahreszeit, wenn neue Keimlinge spriessen oder Jungtiere geboren werden. Startet die Buschfeuersaison nun wie in diesem Jahr extrem früh, so fällt diese wertvolle Zeit weg.

«Es ist unwahrscheinlich, dass ein einziges Feuer, auch das derzeitige, für das Aussterben einer Art verantwortlich ist», meinte der Wissenschaftler. «Doch wenn sich die Bedingungen zu schnell ändern, dann sterben Arten, die sich nicht rechtzeitig anpassen können.» Und momentan würden sich so viele Komponenten so schnell verändern, dass die Biologie nicht mehr mithalten könne.

Brack plädiert deswegen, wieder auf die traditionellen Brandpraktiken der Aborigines zurückzugreifen. Diese hätten ausgewählten Arten, die von relativ häufigen, kleinen und kühlen Bränden profitieren, sogar Vorteile gebracht.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1