Analyse

Die Friedensbemühungen im Nahen Osten sind trügerisch

In Saudi-Arabien gibt es Anzeichen dafür, dass die Regierung die Öffentlichkeit auf eine Normalisierung der Beziehungen mit Israel vorbereiten will. König Salman (84) bremst die Verhandlungen jedoch.

In Saudi-Arabien gibt es Anzeichen dafür, dass die Regierung die Öffentlichkeit auf eine Normalisierung der Beziehungen mit Israel vorbereiten will. König Salman (84) bremst die Verhandlungen jedoch.

Analyse zu den historischen Abkommen zwischen Israel und den arabischen Staaten, die ein altbekanntes Opfer hervorbringen: die Palästinenser.

In Saudi-Arabien gibt es Anzeichen dafür, dass die Regierung die Öffentlichkeit auf eine Normalisierung der Beziehungen mit Israel vorbereiten will. Frieden zwischen der arabischen Führungsmacht und dem jüdischen Staat? Das scheint tatsächlich möglich.

So forderte der Imam der Grossen Moschee im saudischen Mekka in einer Predigt einen Dialog mit Nicht-Muslimen und insbesondere mit Juden. Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman hatte Israel schon vor zwei Jahren ein Existenzrecht zugesprochen. Eine saudisch-israelische Vereinbarung dürfte einzig deshalb bis auf weiteres nur inoffiziell bleiben, weil der 84-jährige König Salman die Verhandlungen bremst.

Dass die beiden Länder aber womöglich kurz vor dem grossen Schritt aufeinander zu stehen, zeigen die jüngsten Entwicklungen in der Region. Nach den Vereinigten Arabischen Emiraten will jetzt nämlich auch der Golfstaat Bahrain diplomatische Beziehungen zu Israel aufnehmen. Ohne grünes Licht aus der saudischen Hauptstadt Riad hätte keiner der beiden Staaten diesen Schritt gemacht.

Bahrain gehört wie die Emirate zu den engsten Verbündeten der Saudis in der Region und ist auf Unterstützung aus Riad angewiesen. Die sunnitische Führung im Ministaat mit 1,6 Millionen Menschen regiert eine schiitische Bevölkerungsmehrheit. Im Arabischen Frühling schlugen saudische Truppen in Bahrain einen Aufstand gegen das Königshaus nieder.

Auch in den vergangenen Jahren gingen die Behörden in Manama brutal gegen Kritiker vor. Menschenrechtler berichten von Inhaftierungen, Folter und Hinrichtungen. Nach der Bekanntgabe der Einigung mit Israel kritisierten viele Bahrainis in den sozialen Medien die Entscheidung ihrer Regierung, doch die Erfahrung der vergangenen Jahre lässt erwarten, dass die Führung des Königreichs grössere Proteste im Keim ersticken wird.

Morgen Dienstag soll die Normalisierung der Beziehungen zwischen Israel und Bahrain in Washington besiegelt werden. US-Präsident Donald Trump dürfte die Einigung als weiteren aussenpolitischen Erfolg für sich selbst feiern. Bahrain könnte dabei nur das nächste in einer ganzen Liste von arabischen Staaten sein, die den erstaunlichen Schritt wagen. Der Sudan oder der Oman dürften bald folgen.

Nach den Emiraten, Ägypten und Jordanien ist Bahrain der vierte arabische Staat, der Israel anerkennt. Die Golf-Araber sehen ein Bündnis mit dem jüdischen Staat als Versicherung gegen den gemeinsamen Feind Iran. Sie suchen neue Verbündete, weil sie befürchten, dass der Schutzschild der Amerikaner in der Region in Zukunft schwächer wird.

Trump reduziert derzeit die US-Truppen in Syrien und im Irak. Der neuen Allianz stehen der Iran, die Palästinenser, die Türkei und die vom Iran gegründete Hisbollah im Libanon gegenüber.

Möglich wird die Annäherung zwischen den Arabern und Israel auch durch einen Generationenwechsel. Ältere arabische Spitzenpolitiker wie König Salman sind geprägt von der traditionellen Loyalität ihrer Länder zu den Palästinensern.

Der König hat mehrmals klargestellt, dass er an der klassischen arabischen Position festhält: Demnach kann Israel erst mit Anerkennung rechnen, wenn die Palästinenser ihren eigenen Staat bekommen. Jüngere Politiker wie der 35-jährige Mohammed bin Salman oder der 59-jährige Emirate-Kronprinz Mohammed bin Zayed bin Nahyan haben weniger Probleme damit, die Palästinenser durch Friedensschlüsse mit Israel vor den Kopf zu stossen.

Der saudische Thronfolger Mohammed bin Salman muss jedoch auf seinen Vater und auf die öffentliche Meinung im Land achten, denn er braucht die Unterstützung des Königs und der jahrzehntelang auf Feindschaft mit Israel getrimmten Gesellschaft für sein wirtschaftliches Reformprogramm.

Kleinere Gesten wie die Predigt vom Imam der Grossen Moschee in Mekka dienen dem Ziel, die Saudis langsam an den Gedanken an einen Friedensschluss mit Israel zu gewöhnen. Der Imam erinnerte seine Zuhörer daran, dass sich der Prophet Mohammed um gute Beziehungen zu Juden und anderen Nicht-Muslimen bemüht habe.

Gleichzeitig üben saudische Medien Kritik an den Palästinensern. Auch wenn Saudi-Arabien derzeit noch nicht aus der Deckung kommt, ist die Marschrichtung klar.

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