Berlin

Deutscher Bundespräsident bezeichnet Sturm auf Bundestag als «unerträglichen Angriff»

Als «unerträglichen Angriff auf das Herz unserer Demokratie» bezeichnete Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) den Aufmarsch Rechtsradikaler vor dem deutschen Bundestag.

Als «unerträglichen Angriff auf das Herz unserer Demokratie» bezeichnete Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) den Aufmarsch Rechtsradikaler vor dem deutschen Bundestag.

Rechtsextremer Aufmarsch vor dem Reichstagsgebäude – Coronademonstration wirft international Wellen.

Reichsflaggen vor dem Eingang zum deutschen Reichstag, Rechtsextremisten mit gereckten Fäusten: Am frühen Samstagabend ist es in Berlin zu skandalösen Szenen gekommen. Die Polizei war durch den Ansturm der Anti-Demokraten zunächst überfordert. Nur drei Polizisten sicherten das Parlamentsgebäude gegen den Ansturm ab. Eiligst herbeigeeilte Beamte in Vollmontur konnten das Gebäude, das als wichtigstes Symbol für die Demokratie in Deutschland steht, erst nach einigen Minuten schützen.

Für die Rechtsextremisten sind die Bilder, die von ihrem symbolischen Angriff auf das Parlament seither aus Berlin um die Welt gehen, ein grosser Erfolg. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte:

Etwa 38'000 Menschen nahmen an der bislang grössten Kundgebung gegen die Coronamassnahmen der Bundesregierung am Samstag teil. Initiiert wurde die Manifestation vom Stuttgarter Bündnis «Querdenken 711» um den IT-Unternehmer Michael Ballweg.

Der Demo-Organisator distanziert sich doch noch

Der 46-Jährige distanzierte sich am Sonntag von den Rechtsradikalen. Allerdings taten dies die Veranstalter den ganzen Samstag über nicht – obwohl sich mehrere tausend Rechtsextremisten mit Reichsflaggen und anderen antidemokratischen Symbolen dem Demo-Zug angeschlossen hatten.

Corona-Demos 29 August 2020 Berlin

Am Samstag demonstrierten in Berlin Tausende gegen die Corona-Massnahmen der deutschen Bundesregierung. Darunter waren unter anderem auch Reichsbürger und QAnon-Anhänger.

Niemand von den Organisatoren ergriff das Megafon, um klare Kante gegen die Extremisten zu zeigen und diese aufzufordern, sich den «Querdenkern» nicht länger anzuschliessen. Auch die überwiegende Mehrheit aus Impfgegnern, Esoterikern und anderen Coronaskeptikern hatte offenbar kein Problem damit, Seite an Seite mit den Rechtsextremisten zu marschieren.

Merkel und Virologe Drosten als Feindbilder

Vordergründig herrschte eine friedliche Atmosphäre, viele tanzten zu Reggaemusik oder riefen in Hippie-Manier zu Frieden und Liebe auf. Auch vermeintlich Gemässigte hielten mit aggressiven Botschaften teilweise nicht zurück. Auf der Kundgebung waren Schilder mit Porträts von Politikern – darunter Angela Merkel – und dem Virologen Christian Drosten hinter Gittern und in Häftlingskleidung zu sehen. Der geforderte Abstand von 1,50 Meter wurde nur selten eingehalten, Menschen mit Mundschutz waren kaum zu sehen; wer trotzdem einen trug, musste sich Beschimpfungen anhören.

Die «Querdenker» eint das Gefühl, die Regierung schüre die Angst vor Corona, um Grundrechte auszuhebeln. «Es findet eine Umkrempelung unserer Gesellschaft in Richtung Diktatur nach alten Methoden der Stasi statt», warnte ein etwa 40-jähriger Mann aus Berlin im Gespräch mit unserer Zeitung. Ein Qanon-Verschwörungsmythiker witterte ein Komplott der Mächtigen gegen die einfache Bevölkerung. Die Coronapanik werde befeuert, um «eine neue Weltordnung zu schaffen».

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