Verkehrsbetriebe

Desolater Zustand: Roms Busse fangen öfters Feuer

Ein ausgebrannter Bus in Rom: In letzter Zeit keine Seltenheit. Die Fahrzeuge sind marode, immer mehr gehen während der Fahrt in Flammen auf. Imago

Ein ausgebrannter Bus in Rom: In letzter Zeit keine Seltenheit. Die Fahrzeuge sind marode, immer mehr gehen während der Fahrt in Flammen auf. Imago

Die Fahrzeuge der Römer Verkehrsbetriebe sind so alt und vernachlässigt, dass viele während der Fahrt Feuer fangen. 500 Pannen pro Tag haben die Vehikel.

Es ist, als wäre Nero aus seiner Gruft gestiegen – nur dass der römische Gewaltherrscher, anders als damals im Jahr 64 n. Chr., diesmal nicht gleich die ganze Stadt, sondern lediglich die städtischen Verkehrsmittel abfackelt. Der letzte Bus ging am Sonntagmorgen in Flammen auf. Es war bereits der dritte seit Anfang März und der 18. in einem Jahr. Als Grund für das Brennen der Busse wird von den Behörden immer dasselbe genannt: «autocombustione», also Selbstentzündung. Meistens passiert das, wenn Dieselöl oder Schmiermittel aus undichten Leitungen auf heisse Motorenteile oder den Auspuff tropfen. Nicht selten brennen die Busse vollständig aus; die verkohlten Fahrzeug-Skelette am Strassenrand wecken jeweils Assoziationen mit einem Bürgerkriegsland.

Der Fahrzeugpark der Römer Verkehrsbetriebe zählt zu den ältesten und am schlechtesten gewarteten Europas: Die Busse der Ewigen Stadt sind im Durchschnitt über 12 Jahre alt. Zum Vergleich: Bei den Londoner Bussen liegt das Durchschnittsalter bei acht Jahren. Im vergangenen Jahr hat die «Azienda Tranvie ed Autobus del Comune di Roma (Atac) 180'000 technische Pannen registriert. Das sind knapp 500 pro Tag.

Die römischen Verkehrsbetriebe sind seit Jahren ein einziges öffentliches Ärgernis. Weil kaum Busspuren existieren und die altersschwachen und meist brechend vollen Vehikel deswegen im Verkehrschaos stecken bleiben, beträgt die Durchschnittsgeschwindigkeit während der Fahrt weniger als 10 Kilometer pro Stunde. Trotz des Schneckentempos werden die Passagiere in den schlecht gefederten Bussen auf der Rumpeltour über Kopfsteinpflaster und Schlaglöcher durchgeschüttelt. «Wer mit einer Flasche Milch in der Einkaufstasche einsteigt, hat danach Butter», schrieb unlängst die Römer Zeitung «La Repubblica».

Viele fahren einfach schwarz

Die Verkehrsbetriebe werden jedes Jahr mit über einer halben Milliarde Euro subventioniert und präsentieren am Ende des Jahres jeweils trotzdem ein Defizit von über 100 Millionen Euro. Die katastrophale Performance liegt unter anderem daran, dass Atac die Kundschaft daran gewöhnt hat, dass der Kauf eines Fahrscheins eher eine Option darstellt als eine Pflicht: Die meisten fahren schwarz, nur ein Drittel der Gesamteinnahmen stammt aus dem Billettverkauf. Die elf (!) Gewerkschaften, die in der Firma aktiv sind, haben ausserdem dafür gesorgt, dass die meisten der knapp 12'000 Angestellten in einem gemütlichen Bürojob Daumen drehen statt hinter dem Steuer eines Busses zu sitzen. So hat das Unternehmen fast zwei Milliarden Euro Schulden akkumuliert.

Der Atac-Personalbestand liegt inzwischen knapp über jenem der Alitalia, dem zweiten italienischen Milliardengrab im Transportsektor. Nach der Staatsbahn sind die Römer Verkehrsbetriebe das zweitgrösste Transportunternehmen des Landes – und gleichzeitig das marodeste. Vor gut einem Jahr hatte der damalige Regierungschef Matteo Renzi der Atac einen neuen Chef verordnet, der den Laden ausmisten sollte. Marco Rettighieri – so hiess der Mann – war zuvor Generaldirektor der Mailänder Weltausstellung gewesen, ein anerkannter Krisenmanager und Verkehrsexperte. Rettighieri hat über die Vorgänge bei Atac, die ihm merkwürdig vorkamen – und das waren eigentlich fast alle –, einen Bericht verfasst, den er an die Römer Staatsanwaltschaft weiterleitete.

Im Streit auseinander

Diese ermittelt seither in alle Richtungen, vor allem auch gegen Exponenten der Politik: Die Atac war von den Parteien während Jahren als Stimmenreservoir und Vehikel der Vetternwirtschaft benutzt worden. Der frühere Bürgermeister Gianni Alemanno hatte es zum Beispiel fertiggebracht, mehrere hundert Verwandte, Bekannte und Freunde bei den städtischen Verkehrsbetrieben unterzubringen.

Spätestens seit Alemanno darf Atac als Parabel für den Niedergang Roms gelten. Aufräumer Rettighieri ist inzwischen nicht mehr auf seinem Posten: Er hat sich letztes Jahr mit der neuen Bürgermeisterin Virginia Raggi überworfen und hat den Hut genommen. Er fühlte sich von Raggi «zu wenig unterstützt».

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