China

Der letzte Fisch aus Nordkorea

Chinesische Polizisten errichteten entlang dem Grenzfluss im Dezember in Tumen einen Grenzzaun zu Nordkorea (im Hintergrund).Key

Chinesische Polizisten errichteten entlang dem Grenzfluss im Dezember in Tumen einen Grenzzaun zu Nordkorea (im Hintergrund).Key

Nachdem das Regime von Diktator Kim Jong Un die Grenze nach China gesperrt hat, kommt der Handel zum Erliegen.

Noch gibt es frischen Fisch aus Nordkorea. Der Kellner in dem koreanischen Lokal in der chinesischen Grenzstadt Tumen serviert ihn in roter Chili-Sauce. Dazu gibt es Kimchi, eingelegten Weisskohl. Auch der komme von der anderen Seite des Grenzflusses, sagt der Kellner. Doch sowohl mit Fisch als auch mit Kimchi aus Nordkorea dürfte es für das Lokal vorerst vorbei sein. Denn was er zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiss: Seit dem frühen Morgen sind auf beiden Seiten die Grenzen dicht.

Die sich täglich zuspitzenden Spannungen auf der koreanischen Halbinsel haben zunehmend auch negative Auswirkungen auf Pjöngjangs Beziehungen zu China, dem letzten Verbündeten des stalinistischen Regimes um Diktator Kim Jong Un. Nachdem Nordkorea mit der Stilllegung der innerkoreanischen Sonderwirtschaftszone Kaesong bereits vergangene Woche die letzte Verbindung zu Südkorea gekappt hat, sind seit gestern Morgen auch Nordkoreas Grenzen zu China weitgehend geschlossen.

Für keine Sicherheit garantieren

Am Grenzübergang nahe der Stadt Dandong sind es chinesische Behörden, die den Übergang für Touristen verbieten. Die nordkoreanische Seite würde nicht mehr für die Sicherheit garantieren, heisst es zur Begründung. In Tumen, im äussersten Nordosten entlang der chinesisch-nordkoreanischen Grenze, ist seit dem frühen Morgen zudem der Handelsverkehr unterbunden. Hier sind es nordkoreanische Grenzbeamte, die auch keine Lieferwagen mehr durchlassen, berichtet ein chinesischer Beamter vor Ort.

Die Stimmung zwischen beiden Bruderstaaten ist schlecht, seitdem China Anfang März als Reaktion auf Nordkoreas Atomtest der Verschärfung der Sanktionen zugestimmt hat. Bis auf eine kleine Lücke ist auf beiden Seiten der Brücke nun Stacheldraht aufgerollt.

In Tumen ist es chinesischen Touristen bereits seit Ende Februar untersagt, die Grenze zu passieren, berichtet Geschäftsmann Wu, der letzte verbliebene Strassenhändler auf dem Platz vor der Grenzbrücke. Vorher sei noch jede Menge los gewesen, erzählt der 53-Jährige. Händler von beiden Seiten hätten ihre Waren angeboten. Chinesen brachten Konsumgüter und Lebensmittel. Nordkoreaner Zigaretten und Schnaps. Abgesehen von zwei patrouillierenden Grenzsoldaten ist Wu der Einzige, der an diesem Morgen an dieser Stelle noch ausharrt.

Dabei hatten am frühen Morgen nordkoreanische Grenzbeamte die Einfuhr von Lebensmitteln noch zugelassen. Mit dem Fernglas sind auf der gegenüberliegenden Flussseite zwei chinesische Lieferanten zu erkennen, die von ihrem Lastwagen die letzten Säcke Mehl und ein paar Gasflaschen abladen. Bewaffnete Soldaten schauen dabei zu. Ansonsten ist keine Menschenseele zu sehen. Das seien wohl die letzten Lieferungen gewesen, sagt einer der Lieferanten nach seiner Rückkehr auf die chinesische Seite. Ihm konnte auch keiner sagen, wann das Verbot wieder aufgehoben wird.

Die Abschottung der chinesisch-nordkoreanischen Grenze dürfte Nordkorea grösseren wirtschaftlichen Schaden zufügen als die Schliessung der Grenzen vergangene Woche zu Südkorea. Rund 90 Prozent aller nordkoreanischen Importe kamen zuletzt vom südlichen Nachbarn, darunter vor allem Kraftstoff und Lebensmittel. Und auf beides ist das in vielen Teilen hungernde Land dringend angewiesen.

Kleiner Teil für Landwirtschaft nutzbar

Nur 20 Prozent der Fläche Nordkoreas seien landwirtschaftlich nutzbar, berichtet Katja Richter, Leiterin des Büros der deutschen Welthungerhilfe in Pjöngjang, die letzte ausländische Hilfsorganisation, die in Nordkorea derzeit noch die Stellung hält. Dies führe dazu, dass die Menschen zu wenig zu essen hätten. «Mangel- und Fehlernährung lassen Sechsjährige wie Vierjährige aussehen.»

Für China hingegen ist der wirtschaftliche Schaden gering. Der Handel mit Nordkorea mache gerade einmal 0,1 Prozent des chinesischen Aussenhandels aus, berichtete die zentrale chinesische Zollbehörde gestern. Der Handel mit Südkorea sei fünfzigmal so hoch.

Händler Wu fällt unter diese 0,1 Prozent. Er muss sich nun eine neue Einnahmequelle suchen.

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