Was tun gegen Fake News? Mit dieser Frage befasste sich im Auftrag der EU-Kommission eine 39-köpfige Expertengruppe, bestehend aus Vertretern aus Forschung, Medien und Online-Firmen wie Google oder Facebook. Ein Anfang soll sein, dass man den Begriff als solchen gar nicht mehr verwende, so die niederländische Medien-Professorin Madeleine de Cock Buning gestern in Brüssel. Er sei zu wenig eindeutig, lieber solle allgemein von «Desinformation» gesprochen werden, die als «falsche oder irreführende Information mit dem Ziel, der Öffentlichkeit zu schaden oder Profit zu generieren», definiert wird. Damit wollen die Experten den Fokus auf die Motivation hinter einer Falschmeldung legen und vermeiden, dass auch schlampig recherchierte Berichte, Satire oder überspitzte Aussagen von Politikern als Fake News gelten.

Verhaltenskodex für Netzwerke

Was tun also gegen Desinformation? Die Autoren des Berichts schlagen einen zehn Punkte umfassenden Verhaltenskodex für soziale Netzwerke vor. Dieser beinhaltet zum Beispiel die Kennzeichnung von als vertrauenswürdig eingestuften Artikeln herkömmlicher Medien und grössere Transparenz bei finanzierten Beiträgen. Zudem sollen die sozialen Netzwerke vermehrt Informationen über ihre Algorithmen bereitstellen, die die Platzierung von Nachrichten steuern. Längerfristig soll durch gezielte Bildung die digitale Medienkompetenz der Bürger gefördert werden. Vor «simplizistischen» Lösungen und «jeder Form von Zensur» wird ausdrücklich gewarnt.

Der Bericht geht nun zuhanden der zuständigen Digitalkommissarin Mariya Gabriel, die Vorschläge einer Initiative auf EU-Ebene vorbringen wird. Dass es zur «harten» Regulierung kommt, ist eher unwahrscheinlich. Die EU-Kommission möchte lieber auf die Selbstregulierung von Facebook und Co. setzen. Anders Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron: Er hat Anfang Jahr ein Gesetz angekündigt, das Fake News aus dem Ausland direkt bekämpfen soll. Macron wurde während seines Wahlkampfes selber Opfer von Diffamierungskampagnen russischer Herkunft.

Wie heikel der Kampf gegen Fake News ist, zeigt das Beispiel der EU-internen Task Force «East Strat-Com». Sie besteht aus einem Team von 14 Spezialisten, die sich vor allem mit Fake-News-Offensiven aus Russland befassen. Sie wurde im Jahr 2015 auf dem Höhepunkt der Ukraine-Krise eingerichtet und soll irreführende Berichterstattung entlarven. Über 3000 Artikel wurden seitdem einer Fakten-Überprüfung gegenübergestellt.

Dass es Handlungsbedarf gibt, zeigt eine publizierte Eurobarometer-Umfrage unter 26 000 EU-Bürgern. 83 Prozent gaben an, sie empfänden Fake News als eine Bedrohung. Von den traditionellen Medien geniesst das Radio mit 77 Prozent am meisten Vertrauen, gefolgt vom TV (66 Prozent) und Print (63 Prozent). Reine Onlinequellen werden dagegen bloss mit 26 Prozent als vertrauenswürdig bewertet. Immerhin: 70 Prozent der Befragten sind sich «sicher» bis «sehr sicher», Fake News als solche zu erkennen.