Ihre Zahl hat sich in wenigen Wochen verdoppelt. Denn wegen der verstärkten Sperren gelingt es den vorwiegend jungen Männern kaum mehr, in Sattelschleppern auf der Fähre oder im Eurostar-Zug durch den Ärmelkanaltunnel nach England zu gelangen.

In den vergangenen sieben Tagen schaffte es nach Angaben humanitärer Verbände kein einziger Migrant.

Eine Explosion verursachte offenbar Anfang Woche ein Feuer, wie diese Bilder aus dem Flüchtlingslager in Calais zeigen. (2.11.2015)

Eine Explosion verursachte offenbar Anfang Woche ein Feuer, wie diese Bilder aus dem Flüchtlingslager in Calais zeigen. (2.11.2015)

England hat seine Grenzen dichtgemacht und zahlt lieber einen Millionenbeitrag an den Kosten für die Abschottung des Fährhafens und des Bahnhofs in Calais.

Bei den immer gewagteren Aufsprung-Operationen sind in den letzten Wochen 15 Migranten ums Leben gekommen.

Unhaltbare Zustände

Die aussichtslose Lage für die Migranten, die nach einer langen und gefährlichen Reise aus dem Mittleren Osten oder Afrika kurz vor ihrem Reiseziel in Calais gestrandet sind, lässt viele verzweifeln. Die Spannungen im Lager nehmen zu und brechen öfters während der Dunkelheit aus.

Dazu kommen missliche hygienische Bedingungen. Hilfswerke wie Caritas (in Frankreich «Secours catholique») und «Ärzte der Welt» zeigten deshalb den französischen Staat wegen «anhaltender Verletzung fundamentaler Rechte» an. Sie führten auf, es fehle an Frischwasser, Duschen, Toiletten und Müllsammelstellen.

Die Organisation «Médecins Sans Frontiers» dokumentiert das Leben und ihre Arbeit im «Dschungelcamp» in Calais

Die Organisation «Médecins Sans Frontiers» dokumentiert das Leben und ihre Arbeit im «Dschungelcamp» in Calais

Am Montagabend gab ihnen das angerufene Verwaltungsgericht in der nordfranzösischen Metropole Lille teilweise Recht. «Es obliegt den Behörden, dafür zu sorgen, dass die elementarsten Rechte dieser Personen gewährleistet werden», erklärte es in seinem Urteil.

Konkret ordnet es die örtliche Präfektur an, binnen acht Tagen zehn zusätzliche Wasserstellen mit je fünf Wasserhähnen einzurichten, dazu 50 Toiletten, eine Kehrichtabfuhr sowie «einen oder mehrere Zugänge» zu Notfalldiensten. Bis zum Mittwoch müssen zudem die minderjährigen Dschungel-Bewohner registriert werden.

Abgelehnt wurden hingegen weitergehende Forderungen der Hilfswerke, die 6000 Migranten in leere Wohnungen in Calais umzuquartieren und ihnen zweimal am Tag eine Mahlzeit auszugeben. Derzeit werden einmal am Tag 2500 Mahlzeiten verteilt.

Die Regierung in Paris hatte schon im Voraus den Bau eines festen Zeltlagers für 1500 Personen bis nächsten Januar angekündigt. Auch die Aufnahme von 200 Frauen und Kindern soll verbessert werden. Innenminister Bernard Cazeneuve liess gestern zudem 300 Migranten auf freiwilliger Basis auf Asylzentren in ganz Frankreich verteilen.

Ähnliche Operationen hatte er im Oktober zuerst mit 300 und dann mit 400 Migranten durchgeführt. Die Rechtsopposition kritisierte, dass dazu teure Kleinflugzeuge benutzt wurden.

Die Hilfswerke versuchen die Migranten ebenfalls davon zu überzeugen, dass sie auf der anderen Seite des Ärmelkanals nicht das Paradies erwartet.

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