Boris Johnson in die Schweiz zu bringen, ist seinen Fans dann doch nicht gelungen. Die «Aktion für eine unabhängige und neutrale Schweiz» (Auns) hätte Johnson im Jahr 2016 gerne an ihrer Jahresversammlung gehabt. Sie musste dann aber mit der Deutschen Frauke Petri (damals noch AfD) vorliebnehmen.

Der Verehrung durch Schweizer EU-Gegner tat Johnsons Absage aber keinen Abbruch. «Bo-Jo ist ein harter Verhandler, der die EU noch oft zum Einlenken zwingen wird», schwärmte SVP-Nationalrat und Auns-Chef Lukas Reimann in einem Gastartikel in der «Schweiz am Sonntag». Reimann wünschte sich Johnson als Premierminister und schrieb weiter: «Bo-Jo kennt die Schweiz. Er mag uns als Menschen und als Feriendestination.»

Schweizer Hoffnung auf Allianz

Reimanns Begeisterung ging zurück auf ein Interview in der Weihnachtsausgabe der «Weltwoche» aus dem Jahr 2012. Befragt von seinem Biografen Andrew Gimson («The Rise of Boris Johnson», 2006), erschuf er den Begriff «Britzerland». Wie die Schweiz solle Grossbritannien Wirtschaftsbeziehungen mit der EU separat aushandeln. Er formulierte die Vision von möglichst viel Freihandel ohne politische Verpflichtungen. Als weitere Partner in einem solchen alternativen Freihandelsprojekt nannte er Norwegen.

Johnson wiederholte seine Vision im Jahr 2014 während seines Besuchs am Weltwirtschaftforum WEF in Davos. «Die Schweiz sollte sich mit uns zusammenschliessen», sagte er im Interview mit dem Schweizer Fernsehen.

Bei EU-Skeptikern weckte Johnson damit die Hoffnung, die Verhandlungsposition der Schweiz würde durch eine Zusammenarbeit mit dem mächtigen Grossbritannien gestärkt. Der Brexit wirkte dann aber in die andere Richtung. Um London zu signalisieren, dass es keine Rosinenpickerei gebe, gab sich die EU auch im Umgang mit der Schweiz hart.

Basler Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Oma

Mit der Schweiz verbindet Boris Johnson aber noch ein anderes, ganz persönliches Thema. So gaben Forscher des Naturhistorischen Museums Basel Anfang dieses Jahres bekannt, dass eine Mumie, die 1975 bei Sanierungsarbeiten an der Barfüsserkirche ausgegraben wurde, eine Vorfahrin von Johnson ist. Anna Catharina Bischoff starb 1787 im Alter von 68 Jahren am Rheinknie an Syphilis beziehungsweise an der Behandlung dieser Krankheit durch Quecksilberdämpfe. Johnson ist Bischofs Urenkel sechsten Grades.