Brasilien

Bolsonaro schickt Armee zur Brandbekämpfung ins Amazonasgebiet

Brasilien setzt nach internationaler Kritik das Militär für die Brandbekämpfung im Amazonasgebiet ein.

Brasilien setzt nach internationaler Kritik das Militär für die Brandbekämpfung im Amazonasgebiet ein.

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro hat die Entsendung von Soldaten zum Kampf gegen die verheerenden Waldbrände im Amazonasgebiet angeordnet. Bolsonaro erliess am Freitag ein entsprechendes Dekret - und kündigte ein hartes Durchgreifen gegen Brandstifter an.

Der Beschluss regelt den Einsatz von Truppen zur Verhinderung und Bestrafung von "Umweltdelikten" und zum Kampf gegen die Flammen. Schwere Waldbrände im Amazonas-Regenwald hatten zuvor weltweit Sorge und Empörung über das Nichteinschreiten der brasilianischen Regierung ausgelöst.

Das brasilianische Weltraumforschungsinstitut INPE hatte alarmierende Zahlen und Satellitenbilder von Waldbränden am Amazonas veröffentlicht. Demnach gab es seit Jahresbeginn bereits mehr als 75'000 Waldbrände - ein Zuwachs von 84 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Experten zufolge legen meist Farmer die Feuer, um neue Weideflächen zu schaffen. Der Klimaskeptiker Bolsonaro machte wiederholt Umweltschutzgruppen für die Waldbrände verantwortlich.

Null Toleranz bei Umweltverbrechen

"Wir sind eine Regierung der Null-Toleranz-Politik gegenüber der Kriminalität, und im Bereich der Umwelt ist das nicht anders", sagte Staatschef Bolsonaro am Freitagabend in einer Fernsehansprache. "Wir werden entschlossen handeln, um die Feuer unter Kontrolle zu bringen."

Betroffene Bundesstaaten könnten zudem die Unterstützung des Militärs erbitten. "Der Schutz des Waldes ist unsere Pflicht. Wir sind uns dessen bewusst und arbeiten daran, die illegale Entwaldung und andere kriminelle Aktivitäten, die unser Amazonasgebiet gefährden, zu bekämpfen", sagte Bolsonaro.

In den Grossstädten Rio de Janeiro und São Paulo gingen zahlreiche Menschen gegen die Umweltpolitik der Regierung auf die Strasse. "Es gibt keine Entwicklung ohne Sauerstoff", war auf einem Protestplakat zu lesen. Auf einem anderen stand: "Lasst das Grün nicht Grau werden." Die 16-jährige Schülerin Natália Magalhães sagte dem Nachrichtenportal G1: "Als ich sah, dass das Amazonasgebiet in Flammen steht, dachte ich zuerst, dass die Welt untergeht. Die Amazonasregion ist das Herz der Welt. Ich musste kommen, um etwas zu tun."

Proteste in der Schweiz

In vielen Städten wurde Bolsonaros Ansprache von sogenannten Panelaços begleitet. Bei dieser in Lateinamerika weit verbreiteten Protestform schlagen die Menschen lautstark auf Töpfe oder Pfannen, um ihren Unmut zu bekunden.

Auch in Schweizer Städten nahmen mehrere Hundert Personen an Kundgebungen gegen die Zerstörung grosser Waldgebiete teil. In Zürich waren laut Angaben der Organisatoren gegen 300 Menschen dabei. Sie zogen vom Platzspitz-Park beim Hauptbahnhof vor das brasilianische Konsulat.

Umweltschützer werfen Bolsonaro vor, ein politisches Klima geschaffen zu haben, in dem sich Bauern zu immer mehr Abholzung und Brandrodung ermutigt sehen. Der Staatschef hat immer wieder klar gemacht, dass er die Amazonasregion vor allem mit ungenutztem wirtschaftlichen Potenzial verbindet.

Bolsonaro kritisiert Einmischung

"Man muss bedenken, dass in dieser Region mehr als 20 Millionen Brasilianer leben, die seit Jahren auf eine wirtschaftliche Entwicklung warten, die dem dort vorhandenen Reichtum entspricht", sagte Bolsonaro auch nun wieder. "Dieser Bevölkerung muss die Möglichkeit gegeben werden, sich gemeinsam mit dem Rest des Landes zu entwickeln."

Da der Amazonasregenwald grosse Mengen CO2 bindet und für den Kampf gegen den Klimawandel von globaler Bedeutung ist, sorgen die Brände auf der ganzen Welt für Bestürzung. Auch auf dem G7-Gipfel der führenden Industrienationen im französischen Biarritz soll das Thema am Wochenende zur Sprache kommen. Bolsonaro verbat sich indes die Einmischung in innere Angelegenheiten seines Landes. "Waldbrände gibt es auf der ganzen Welt", sagte der Präsident im Fernsehen. "Das kann nicht als Vorwand für mögliche internationale Sanktionen dienen."

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